Solidarisches Backen - ähnlich wie Solidarische Landwirtschaft

Neuer Verein in Witzenhausen: Für festen Monatsbeitrag gibt’s Brot

Theresa Schneider und Hannes Siebert vom jungen Verein Solidarisches Backen Witzenhausen zeigen einen Laib Brot
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Setzen auf Sauerteigbrote aus frisch gemahlenem Biomehl: Theresa Schneider und Hannes Siebert vom jungen Verein Solidarisches Backen Witzenhausen.

40 bis 50 Sauerteigbrote aus selbst gemahlenem Biogetreide will Hannes Siebert wöchentlich backen. Die ein Kilogramm schweren Brotlaibe soll es beim Verein Solidarisches Backen Witzenhausen (Sobawi) zu einem festen Monatsbeitrag geben.

Witzenhausen – Hannes Siebert weiß genau, was für ein Brot er gerne isst. Ein Sauerteig ohne Zusatz von Hefe und Backmitteln ist ihm wichtig. Als Zutaten akzeptiert er nur Wasser, Salz und frisch gemahlenes Vollkornmehl. Das Getreide soll von Biobetrieben der Region stammen. Frei geschoben hat es zu sein, soll also nicht in einer Form gebacken werden. Um keine Kompromisse eingehen zu müssen, begann er vor gut zwei Jahren, sein eigenes Brot zuzubereiten.

Das nötige Fachwissen eignete sich Siebert, der in der Gastronomie gearbeitet hat, bei Internetrecherchen an. Er vernetzte sich online mit Gleichgesinnten, besuchte Onlinekurse und gemeinschaftsgetragene Bäckereien. Seine Brote aus dem häuslichen Backofen kamen im Freundeskreis gut an.

So hat der Witzenhäuser beschlossen, sein Hobby zu professionalisieren. Er fragte bei Schinkels Brauhaus an, ob er den alten Backofen des Unternehmens an der Walburger Straße nutzen dürfe. Bis zu 120 Brote passen in den Ofen, der aus den 1960er- Jahren stammt und vom Brauhaus bis heute immer mal wieder genutzt wird. Familie Schinkel zeigte sich erfreut, Siebert konnte erfolgreiche Probeläufe durchführen.

Bei der Entwicklung des Wirtschaftsmodells bekam der Autodidakt Hilfe von Theresa Schneider. Sie erstellte das Konzept – und durfte es als Projektarbeit für ihren Bachelor in Ökologischen Agrarwissenschaften einreichen. Das Konzept lehnt sich an das der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) an. Schneider, die bei der Solawi Freudenthal für die Mitgliederverwaltung zuständig ist, ermittelte sämtliche Kosten. So ergibt sich ein Richtwert für die 40 bis 50 Brotanteile.

Bei der Bietrunde Anfang Oktober teilen die Interessenten die Jahreskosten untereinander auf. Wer mehr Geld zur Verfügung hat, gibt mehr. So können auch Personen mit kleinerem Einkommen in den Genuss hochwertigen Brotes kommen.

Den Sobawi-Verein haben Siebert und Schneider im August mit fünf weiteren Personen gegründet. „Ich werde vor allem reine Roggenbrote herstellen“, kündigt der Witzenhäuser an.

Er will aber auch für Abwechslung sorgen, mit Dinkel, Emmer und Waldstaudenroggen experimentieren, ebenso Sonnenblumen- und Walnussbrote anbieten. Bei Workshops möchte er sein Wissen teilen, andere für das traditionelle Bäcker-Handwerk begeistern.

Das stellt das langfristige Bestehen des Vereins sicher, falls Siebert in einigen Jahren Witzenhausen verlassen sollte und jemand anderes das Backen übernehmen muss. (mic)

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