Staatstheater Kassel dreht Video

Für Musical-Produktion: „Kamera läuft!“ im Tropengewächshaus Witzenhausen

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Konzentriert bei der Sache: Die Hauptdarsteller, Tenor Daniel Jenz als Candide und Sopranistin Lin Lin Fan als Kunigunde, spielen vor der Kamera von Daniel Hengst.

Es kommt selten vor, aber am Montag spielten die Bananenstauden im Tropengewächshaus in Witzenhausen nur eine Nebenrolle: Sie waren die Kulissen für eine Videoproduktion des Staatstheaters Kassel.

„Kamera läuft. Und bitte!“ Schultern straffen sich, Blicke werden konzentriert, vier Darsteller erwecken ihre Rollen zum Leben. „Nicht so präsent sein wie auf der Bühne“, bittet Videokünstler Daniel Hengst. „Die Bewegungen sollten etwas natürlicher sein.“ Kurze Probe, neue Aufnahme: Die Darsteller wandeln zwischen den Bananenstauden, erkunden neugierig die sattgrünen Blätter, treffen im Urwald-Setting auf die anderen Figuren.

Das 260 Jahre alte satirische Stück „Candide“ des französischen Philosophen Voltaire hinterfragt Weltbilder: Was ist besser – ein Leben in Ruhe oder Jetset? Optimismus oder Skepsis? Wie Hengst verrät, wird Regisseur Philipp Rosendahl es in Kassel als Musical mit Musik von Leonard Bernstein inszenieren und ins Heute verlegen. Um das Spannungsfeld zwischen einer von Technik und Algorithmen geprägten Welt und der Ruhe der Natur darzustellen, sollen in der gesamten Aufführung neben Schauspiel und Gesang auch Videoleinwände eingesetzt werden. Für die Filmelemente zur Natur benötigte Hengst einen grünen Ort voller Pflanzen. „Bei dem Wetter kann man schlecht im Wald drehen“, räumt er ein. Zudem suchte er exotische Elemente, die man mit einem Bild vom Paradies verbindet – im Witzenhäuser Tropengewächshaus wurde er fündig.

Konzentriert bei der Sache: Die Hauptdarsteller, Tenor Daniel Jenz als Candide und Sopranistin Lin Lin Fan als Kunigunde, spielen vor der Kamera von Daniel Hengst.

Hier herrschen im Raum für die Bananen auch Anfang Januar schwülwarme Temperaturen, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Immer wieder müssen die Stylisten mit Haarspray und Lippenstift dafür sorgen, dass die bunten Frisuren und das Make-up der Darsteller halten. Für das Team des Staatstheaters ist das Routine, auch beim Außendreh im Tropenhaus. „Auf der Bühne ist es wegen der Scheinwerfer auch heiß“, sagt Mezzosopranistin Belinda Williams. Die Luft würde dort extra angefeuchtet, damit man besser singen kann.

Videokünstler Hengst führt das Team aus vier Opernsängern, zwei Stylistinnen und drei Videoassistenten ruhig und souverän durch die Aufnahmen, von der tropischen Temperatur lässt auch er sich nicht beeindrucken. Für ihn ist etwas anderes viel schwieriger: das Gewächshaus aus dem Bild herauszuhalten. Schließlich sollen die Theaterbesucher später die Darsteller im Garten Eden sehen – und nicht die Hinweisschilder zu den Bananen oder die Rohre im Hintergrund. Die Dreharbeiten dauern etwas mehr als einen Nachmittag, für den Videoschnitt der beiden gedrehten Szenen plant Hengst etwa zwei Tage ein. Zu sehen sein werden sie ab dem 25. Januar, jeweils zu Beginn der Aufführung und im letzten Drittel in der Musical-Produktion im Staatstheater Kassel.

Absprachen für die nächste Szene: Videokünstler Daniel Hengst (rechts) mit Daniel Holzhauser (als Maximilian) und Belinda Williams (als Paquette).

Service: Premiere ist am Samstag, 25. Januar, 19.30 Uhr, danach 17 Vorstellungen bis Juni. Kartentel. 05 61/109 42 22. Weitere Infos gibt es hier.

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