Euphorie der Russen steigerte sich von Tag zu Tag

Fußball WM: Witzenhäuserin erlebt Festival-Stimmung in Nischni Nowgorod

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Russland während der Fußball-WM: Das Foto zeigt kroatische Fans auf den Straßen des russischen WM-Austragungsorts Nischni Nowgorod. 

Witzenhausen / Nischni Nowgorod. Bei der WM in Russland ließ sich beobachten, wie sich die Einstellung der Russen zur WM von anfangs skeptisch bis abweisend mit jedem Spieltag  in Begeisterung verwandelte.

Von Spiel zu Spiel füllte sich das FIFA-Fanfest mehr, bei Spielen der russischen Mannschaft musste man in der K.O.-Runde bereits Stunden vorher da sein, um überhaupt auf das Gelände zu kommen. Das lag natürlich zum einen am unerwarteten Erfolg des russischen Teams, zum anderen aber auch an der ausgelassenen Stimmung, die durch die vielen ausländischen Fans täglich in der Stadt herrschte. 

Monatelang hatte sich Nischni auf die WM vorbereitet, an den Spieltagen und jeweils einige Tage vorher war die Stadt kaum wiederzuerkennen: Festival-Stimmung und Fangesang-Battles der konkurrierenden Fans auf den Straßen, eine überquellende Fußgängerzone, in der unter der Woche bis morgens um fünf Uhr Musik gespielt und bis zum Sonnenaufgang getanzt wurde.

Eindrücke aus Russland: Ganz Nischni Nowgorod hatte sich herausgeputzt.

Nach Nischni kamen größtenteils nur Fans der dort spielenden Teams. Daher erblühte die ganze Stadt für einige Tage in blau-weiß gestreift (Argentinien), rot-weiß kariert (Kroatien) oder gelb (Schweden). So konnte man die Fankultur jeder dieser Länder beobachten und sich für einige Tage intensiv mit ihnen beschäftigen. Nach dem großen Trubel etwa alle vier Tage folgten dann zumeist einige ruhige Tage, bevor das nächste Spiel anstand.

Als Deutsche hatte ich unter den Fans oft einen Sonderstatus als „Weltmeisterin“. Fast täglich standen Leute Schlange, um Bilder mit mir und meiner Flagge zu machen. Auch nach dem Misserfolg versicherten sie mir dabei, dass es keinen Grund zur Trauer gebe.

Alle Ausländer, mit denen ich mich unterhielt, waren begeistert von der WM und Russland: Alles sei gut organisiert, sie fühlten sich sicher und willkommen, es sei schade, dass das Medienbild Russlands so verzerrt ist. Viele haben sich die WM-Tickets sogar nur gekauft, um die Chance der visumfreien Einreise zu nutzen. Und auch, wenn Image-Verbesserung genau das sein mag, was der Moskauer Kreml mit der WM im Sinn hatte, so ist es doch wahr: Russland ist ein Land der Gastfreundschaft, in dem Ausländer meist herzlich begrüßt werden und sich sicher fühlen können. Denn Politik war eindeutig nicht das, worauf es ankam in diesen Tagen. Was zählte, waren Menschen, die jeden offen willkommen hießen.

Von Greta Zeuner

Zur Person

Erlebte die WM in Russland: Greta Zeuner auf der Festung von Nischni  Nowgorod. Im Hintergrund sieht man wie das neu gebaute WM-Stadion.

Greta Zeuner (22) wuchs in Witzenhausen / Stiedenrode auf. 2015 begann sie ihr Studium der European Studies mit Schwerpunkt Osteuropa in Magdeburg, in dessen Zuge sie zwei Jahre lang Russisch lernte. Daher fiel ihre Wahl für die zwei obligatorischen Auslandssemester auf Russland, wo sie sich seit August 2017 befindet. Sie wollte das Land abseits von Medien und Tourismus erleben und entschied sich deshalb für die mit 1,3 Millionen Einwohnern fünftgrößte russische Stadt Nischni Nowgorod. Weitere Anekdoten und Erfahrungen aus ihrem Alltag in Russland teilt sie regelmäßig auf ihrem Blog.

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