180 Gäste kamen zum Vortrag über die Gelsterbahn

Blick in die Vergangenheit: Vom einstigen Bahnhof Großalmerode/Ost steht das große Bahnhofsgebäude noch heute. Dagegen wurde der einzigartige, da fachwerkverblendete Wasserturm gesprengt. Und auch das überdimensionale Toilettengebäude (links vorn) existiert nicht mehr. Foto: Archiv Ahlborn

Witzenhausen. In lockerem Plauderton und mit vielen alten Fotos ließ Dampflok-Fan Dr. Detlef Ahlborn im „ausverkauften" Capitol-Kino die Zeit der Gelstertalbahn lebendig werden.

Der Vortrag ergänzte die HNA-Serie über 100 Jahre Gelstertalbahn, die im Wesentlichen vom Witzenhäuser Stadtarchivar Matthias Roeper geschrieben und dieser Tage veröffentlicht worden war.

Viele Besucher - nach überschlägiger Schätzung der Handzeichen im Kinosaal wohl vier von fünf (!) - waren einst selbst noch Passagiere auf dieser Strecke durch das Tal von Gelster, Laudenbach und Velmede.

Insbesondere kleine und amüsante Auffälligkeiten, Begebenheiten und Besonderheiten am Rande, die sich nicht nur auf der Schiene abspielten und im Bahnhof Großalmerode/Ost zu beobachten waren, trug der Tonstädter Ahlborn aus eigenem Erleben auf kurzweilige Weise bei.

Da erfreute Ahlborns Hinweis auf einst offensichtlich heftigen Harndrang bei den Fahrgästen, auf den überdimensional große Toilettengebäude mit Extra-Pissoirs unter freiem Himmel deuteten, ebenso für Schmunzeln beim Publikum wie die Erklärung der Volksmund-Bezeichnung „Donnerbüchsen“ für die laut rumpelnden Waggons.

Amüsant auch der Vergleich der Fahrzeit von Groß-almerode nach Kassel, die sich in den vergangenen 60 Jahren nicht verkürzt hat.

Dass Fahrplanwechsel nicht erst heutzutage für Probleme sorgen, bewies ein Zugunglück im Bahnhof Großalmerode/Ost. Weil eine Weiche noch nach altem Fahrplan gestellt wurde, krachte eine Lok gegen einen Güterzug.

Als vermutlich einmalig in Deutschland beschrieb der Referent hingegen die Fachwerkverblendung des riesigen Stahltopfes auf dem Wasserturm im Ost-Bahnhof Großalmerode.

Dampflok-Schnaufen im Kino

Ahlborn ließ auch die Fahrt mit Dampflokomotiven auf der Steigungsstrecke an der Erbsmühle fast hautnah miterleben. Zwei Original-Tonaufnahmen vom Schnaufen aus den 1970er-Jahren machten das Erlebnis Dampflok im Kinosaal perfekt. Und ergänzend dazu beantwortete auch der ehemalige Lokführer Erwin Bödicker aus Eschwege, der Ahlborn schon als neugierigen Jungen kennenlernte, etliche fachliche Fragen aus dem Publikum. Da ging es um die Qualität der Kohle, wobei „Blumenerde“ oft als Funkenflug direkt durch den Schornstein rauschte und dem Heizer auch ohne die Hitze die Schweißperlen auf die Stirn trieb.

In der Pause und auch nach Ende der Veranstaltung nutzten viele Eisenbahnfreunde die Gelegenheit, Erinnerungen, Erfahrungen und Kenntnisse von der einen oder anderen Quelle noch unbekannter alter Fotos und anderer Dokumente auszutauschen.

Hintergrund:

Mehr als 180 Gäste passen - auch aus Sicherheitsaspekten - nicht in den großen Saal des Capitol-Kinos in Witzenhausen. So konnten leider Dutzende HNA-Leser am Dienstagabend den Vortrag über die Gelstertalbahn nicht verfolgen. Das bedauern wir.

Obwohl schon der aktuell größte geeignete Saal für derartige Veranstaltungen in Witzenhausen gebucht war, wurden wir von diesem enormen Interesse absolut überrascht.

Um allen Enttäuschten und jenen, die im Nachhinein auch Interesse haben, das Erlebnis von eineinhalb Stunden Heimathistorie, Eisenbahntechnik und Anekdoten-Plauderei zu ermöglichen, organisieren wir nach Zusage von Dr. Detlef Ahlborn und von Kinobetreiber Ralf Schuhmacher eine Zusatzveranstaltung.

Konkret: Am Mittwoch, 27. Januar, ab 19 Uhr wird der Vortrag erneut im Capitol-Kino in Witzenhausen zu hören und sehen sein.

Der Eintritt ist wieder frei.

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