Garant für Licht, Trinkwasser und Wärme

Vor 100 Jahren entstanden die Stadtwerke Witzenhausen

Der Sitz seit eh und je: Am nördlichen Werra-Ufer haben die Stadtwerke von Anfang an ihr Domizil gehabt. Die Aufnahme zeigt das markante Gebäude in den 1980er-Jahren, heute ist längst ein Erweiterungsbau hinzugekommen.
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Der Sitz seit eh und je: Am nördlichen Werra-Ufer haben die Stadtwerke von Anfang an ihr Domizil gehabt. Die Aufnahme zeigt das markante Gebäude in den 1980er-Jahren, heute ist längst ein Erweiterungsbau hinzugekommen.

Seit 100 Jahren gibt es die Stadtwerke Witzenhausen. Wir blicken in die Geschichte.

Witzenhausen – Am 28. November 1921 übernahm die Stadt Witzenhausen das Elektrizitätswerk. Damit wurde der Grundstein für die heutigen Stadtwerke gelegt. Der Stadtarchivar zeichnet die Geschichte nach.

Mit Licht, Wasser und Wärme versorgt zu sein, gehört heute zu den Grundelementen des täglichen Lebens: Der Strom, der Wohnung und Haus zum Funktionieren bringt, kommt aus der Steckdose, das Wasser zum Trinken und Verbrauchen fließt aus dem Hahn und verschwindet zum Aufbereiten wieder ins Abwassersystem, Erdgas, Fernwärme und Heizstrom sorgen in vielen Haushalten für wohlige Wärme.

Noch im 19. Jahrhundert war das ganz anders. Wasser musste aus weit entfernten Brunnen geholt werden und entsorgt wurde mittels Plumpsklo und Jauchegrube. Wärme fabrizierte der Ofen und Kiespan, Kerze und Öllampe erzeugten allerhöchstens eine diffuse Helligkeit und waren zudem, wie die Witzenhäuser beim verheerenden Stadtbrand vom Januar 1809 leidvoll erfahren mussten, „brandgefährlich“.

Pünktlich zum Weihnachtsfest des Jahres 1900 kam dann aber die Elektrizität auch nach Witzenhausen und tauchte die Straßen in eine für damalige Verhältnisse geradezu gleißende Helligkeit – das dazu nötige Elektrizitätswerk hatten private Investoren nördlich der Werra gebaut. Zwei Jahrzehnte später, am 28. November 1921, ging es für 700 000 Reichsmark in den Besitz der Stadt über, die damit ihre Energieversorgung in die eigenen Hände nahm und den Grundstein für die heutigen Stadtwerke legte.

Bereits 1922 hatte das Leitungsnetz die veritable Länge von 34 Kilometern, Ende der 30er-Jahre waren es schon deren 50, nunmehr überwiegend unter die Erde verschwunden. Auch der Stromverbrauch vervielfachte sich: Von 460 000 Kilowattstunden (kWh) im Jahr 1933 auf 2,423 851 Millionen kWh im Jahr 1942.

Nach 1949 kannte der Weg der Stadtwerke dann nur noch eine Richtung: aufwärts. Schon in den 50er-Jahren stieg der Stromverbrauch in bislang unbekannte Höhen, wurden die Anlagen ausgebaut und die Werke organisatorisch als „Eigenbetrieb“ selbstständig aufgestellt. Die Industrieansiedlungen der 70er Jahren ließ innerhalb eines Jahrzehnts den Stromverbrauch geradezu explodieren, von etwa 8 Millionen kWh 1966 auf 58 Millionen kWh ein Jahrzehnt später.

Nachdem die Stadtverordneten 1985 den Kauf der Stromnetze in den Stadtteilen von der EAM beschlossen hatten, war man nach langen Auseinandersetzungen Anfang 1994 am Ziel. Mit Hundelshausen wurde der erste Stadtteil ans städtische Netz angeschlossen – am 1. Januar 2017 war dieser Prozess abgeschlossen, das gesamte Stadtgebiet wurde von den Stadtwerken mit Strom versorgt.

Einschneidende Veränderungen zogen auch die sogenannte Liberalisierung des Strommarktes Ende April 1998 und die nach der Kernkraft-Katastrophe von Fukushima 2011 eingeleitete „Energiewende“ nach sich. Das auf der Grundlage der EU-Richtlinie „Elektrizität“ am Ende des Jahrtausends entstandene Bundesgesetz beendete die bis dato existierenden Versorgungsmonopole der Stadtwerke und stellte damit vor allem viele kleinere von ihnen vor große Herausforderungen. Die Witzenhäuser nahmen diese an, gestalteten den Betrieb als GmbH völlig neu und waren trotz zahlreicher – auch großer – Mitbewerber in der Lage, ihre Versorgungsleistungen sogar noch auszubauen.

Nicht minder bedeutsam war die seit 2011 vorangetriebene „Energiewende“, die nicht nur die Strompreise erheblich verteuerte, sondern auch die Versorger verstärkt nach alternativen Energiequellen suchen ließen. Auch hier verschlossen sich die Stadtwerke nicht vor den Aufgaben der Zukunft und waren 2011 maßgeblich an der Gründung der „Stadtwerke-Union Nordhessen“ (SUN) sowie 2014 an der „Bürgerenergiegenossenschaft Werra-Meißner“ beteiligt. Darüber hinaus ist man an Windparks beteiligt beziehungsweise plant selbst solche zu errichten, was – wie das Beispiel Ziegenhagen zeigt – zum Teil heftige Konflikte nach sich zieht.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Gestalt oft versiegender Brunnen und schlechter Wasserqualität dauerhafte Probleme in der Wasserversorgung, dramatisch verschärft in Trocken- und Hitzeperioden. Erst mit der Fertigstellung der Wasserleitung im Herbst 1902 begann sich das zu ändern. Seither floss Quellwasser von Weißenbach und Hundelshausen mittels einer 80 Millimeter dicken Rohrleitung Richtung Witzenhausen.

Bald allerdings genügte auch dies nicht mehr und erst der neue Tiefbrunnen an der Ostseite des Sportplatzes an der Südbahnhofstraße schuf 1936 nachhaltig Abhilfe. Das war auch das Jahr, in dem die städtische Wasserversorgung als zweiter Betriebszweig den Stadtwerken zugeordnet wurde: Strom und Wasser bekamen die Witzenhäuser nun aus einer Hand.

Bis zur endgültigen Sicherung der Witzenhäuser Wasserversorgung sollten allerdings noch drei Jahrzehnte vergehen und erst in den 60er-Jahren konnte durch die Erschließung neuer Tiefbrunnen, den Ausbau des Wasserwerks und die Einweihung eines neuen Hochbehälters am Warteberg die Wasserversorgung auf Dauer gesichert werden. (Matthias Roeper)

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