Naturdenkmäler

Gedenken an einen Pazifisten: Die Paasche-Linde an der Burg Ludwigstein

Die neue Paasche-Linde: An die Stelle der ersten Linde haben Schüler aus Polen diesen jungen Baum am Ludwigstein gepflanzt – zum Gedenken an den Pazifisten Hans Paasche.
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Die neue Paasche-Linde: An die Stelle der ersten Linde haben Schüler aus Polen diesen jungen Baum am Ludwigstein gepflanzt – zum Gedenken an den Pazifisten Hans Paasche.

In der Serie „Naturdenkmale im Altkreis Witzenhausen“ stellt der Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde Hessisch Lichtenau Naturdenkmäler vor. Heute: die Paasche-Linde am Ludwigstein.

Witzenhausen – Am Pfingstmontag, 16. Mai 1921, vor 100 Jahren, wurde die unterhalb der Jugendburg Ludwigstein stehende Linde am Weinberg mit dem Namen „Paasche-Linde“ versehen. Es war eine alte knorrige Linde, mehr als 500 Jahre alt, etwa 26 Meter hoch, etwa acht Meter im Umfang mit vielen Verästelungen. In einigen Aufsätzen wird das Alter des Baumes mit 300 Jahren angegeben.

Früher war der Platz unter der Linde ein Ort der Geselligkeit an der Burg. Heute lädt einer Sitzgruppe zum Verweilen. Jeder, der einst zur Jugendburg hinauffuhr, kam an der großen Linde an der linken Straßenseite vorbei.

Im Februar 2002 fiel der Baum wegen der Wurzelfäule einem Sturm zum Opfer. Kurze Zeit später, im Juni 2002, fiel deshalb auch ein Ableger der Linde um. Fünf Jahre später, im September 2007, kam es zu einer bemerkenswerten Aktion am Ludwigstein: Schüler aus Polen – aus der Nähe des Gutes Waldfrieden, dem Wohnsitz von Hans Paasche – brachten eine neue junge Linde aus der Umgebung des Gutes zur Jugendburg Ludwigstein. Sie pflanzten den Baum ungefähr dort ein, wo die alte Paasche-Linde gestanden hatte. In unmittelbarer Nähe der Linde fand zudem der Paasche-Grabstein aus Polen einen neuen Platz.

Blick zurück: So sah die alte Linde aus.

Eine Holztafel erinnert heute an die Linde und an Hans Paasche (3. April 1881 – 21. Mai 1920). Alle Besucher, die nun die Jugendburg besuchen, kommen an dem Platz vorbei und können sich informieren. Auf der Holztafel ist zu lesen: „Hier wächst ein Denkmal.“ Letzter Satz: „Welche Werte werden die Menschen leiten, wenn die junge Paasche-Linde 500 Jahre zählt?“

Wer war Hans Paasche? Im Ersten Weltkrieg wurde er 1916 aus dem Militärdienst als Pazifist entlassen. Hans Paasche reiht sich in die Geschichte der Jugendbewegung von 1913 ein. Er genoss weder Alkohol noch Nikotin, war Vegetarier und kritischer Gegner des Kaiserreichs. Der Kapitänleutnant a. D. wurde 1920 von Mitgliedern eines reaktionären Freikorps erschossen.

Termin: Anlässlich des Todestages von Hans Paasche findet am Freitag, 21. Mai, an seinem Grabstein ab 15 Uhr eine Lesung mit Schauspielern statt. Im Mittelpunkt steht sein Buch „Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins Innerste Deutschlands“, das Paasches Wirken als Kämpfer gegen Naturzerstörung, Krieg und Kolonialismus auszeichnet, kündigt Geert Platner an. Es gelten Abstands- und Hygieneregeln. (Hans Gold)

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