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Geld aus Brüssel für Langzeitversuche des Uni-Standorts Witzenhausen

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Von: Michael Caspar

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Die Landwirtschaft setzt 40 Prozent der klimaverändernden Gase frei: Morton Möller und Stephan Junge bei der Gasmessung.
Die Landwirtschaft setzt 40 Prozent der klimaverändernden Gase frei: Morton Möller und Stephan Junge bei der Gasmessung. © Caspar, Michael

Mit drei Langzeitversuchen wollen Witzenhäuser Agrarwissenschaftler Landwirten helfen, sich auf den Klimawandel einzustellen. Dafür gibt es eine knappe Million Euro Fördergelder aus dem Brüsseler REACT-EU-Programm.

Witzenhausen – „Unser Fachbereich testet auf den Uniflächen in Neu-Eichenberg und der Domäne Frankershausen verschiedene Strategien, wie Bauern mit der steigenden Hitze, zunehmender Dürre und sich häufenden Starkregen zurecht kommen“, erläutert Dr. Christian Bruns, einer der Projektleiter.

So werden Landwirte in Zukunft weitgehend oder ganz auf das Pflügen verzichten müssen, erläutert Bruns. Das Pflügen verschüttet zwar Beikräuter, führt aber dazu, dass der Boden viel Wasser verliert. Zudem ist er dann mitten im Sommer nackt der Sonne ausgesetzt. Das Erdreich heizt sich so auf wie asphaltierte oder betonierte Flächen in der Stadt. Die hohen Temperaturen, aber auch die mehrere Zentimeter tief eindringende UV-Strahlung tötet Kleinlebewesen, die den Boden porös halten. Kommt es dann zu starken Regenfällen, kann das Wasser kaum versickern. Es fließt an der Oberfläche ab und reißt dabei den pulvertrockenen Boden mit – das Kapital des Bauern.

Kräftige Pflanzen trotz Hitze und Dürre: Stephan Junge setzt auf Mulchabdeckung des Bodens.
Kräftige Pflanzen trotz Hitze und Dürre: Stephan Junge setzt auf Mulchabdeckung des Bodens. © Michael Caspar

„Anstatt zu pflügen, können Landwirte Untersaaten ausbringen, wenn sich ihre Kultur etabliert hat“, erläutert Versuchsleiter Stephan Junge. Das können Gräser oder Klee sein. Sie bedecken den Boden und verdrängen lästige Beikräuter. Zudem sorgen sie dafür, dass sich der Boden nach der Ernte weniger stark aufheizt und dadurch Feuchtigkeit halten kann. Klee speichert zudem in seinen Wurzelknöllchen Stickstoff aus der Luft. Stickstoff ist ein wichtiger Dünger, dessen Preis zuletzt so rasant gestiegen ist, dass auch das Interesse des konventionellen Landbaus an den Witzenhäuser Forschungsergebnissen wächst.

„In einem von mir betreuten Versuch wird der Boden zudem mit Mulch bedeckt“, führt Junge aus. Auch bei dieser Technik ist der Boden nicht der prallen Sonne ausgesetzt. Die Pflanzen leiden weniger unter Hitze und Trockenheit. Der Wissenschaftler konnte zeigen, dass Mulch im Kartoffelanbau die Zahl der Kartoffelkäferlarven um 70 Prozent verringert. Ein anderer von den Witzenhäusern erprobter Ansatz: Baum- und Heckenreihen auf dem Acker sorgen für Schatten und bremsen den Wind, der Wasser verdunsten lässt.

Ein Koffer voller Hightech: Bodenluftproben werden mittels Laser auf Inhaltsstoffe untersucht.
Ein Koffer voller Hightech: Bodenluftproben werden mittels Laser auf Inhaltsstoffe untersucht. © Caspar, Michael

„Um die Gefahr von Missernten zu mindern, lassen sich Mischkulturen etwa Triticale, eine Roggen-Weizen-Kreuzung, und Ackerbohne oder Hafer und Erbse aussäen, ergänzt ein weiterer Versuchsbetreuer, Morten Möller. Eine der beiden Pflanzen kommt mit den jeweiligen Witterungsverhältnissen gut aus. Das sorgt für stabile Ertäge. Eine Herausforderung ist nach der Ernte die Trennung und Reinigung der Früchte.

„In den Blick nehmen wir auch welche Bewirtschaftsform wieviel Treibhausgase freisetzt - neben Kohlendioxid auch das gefährlichere Methan und Lachgas“, berichtet der wissenschaftliche Mitarbeiter Morton Möller. Die Landwirtschaft stößt 40 Prozent der klimaverändernden Gase aus. Mit dem Geld aus Brüssel können die Witzenhäuser Wissenschaftler leistungsstarke Lasergeräte kaufen, die schnelle, umkomplizierte Messungen vor Ort ermöglichen. Bisher mussten Proben eingeschickt werden. Mit den Fördermitteln erwerben die Forscher zudem Bodensonden und Messtechnik für den Tierbereich.

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