Gemeinsam wohnen

Wohnen auf Augenhöhe: Werraland Lebenswelten eröffnen erste inklusive Wohngemeinschaft

Unterscheiden sich nicht von anderen Wohngemeinschaften: (von links) Florian Pätzold, Nicole Ise, Michael Otto und Julian Prescher, Mitarbeiter des Betreuten Wohnens der Werraland Lebenswelten, im Garten der WG.
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Unterscheiden sich nicht von anderen Wohngemeinschaften: (von links) Florian Pätzold, Nicole Ise, Michael Otto und Julian Prescher, Mitarbeiter des Betreuten Wohnens der Werraland Lebenswelten, im Garten der WG.

In der ersten inklusiven Wohngemeinschaft leben alle Menschen ganz selbstverständlich gemeinsam und auf Augehöhe - mit und ohne Handicap.

Witzenhausen – „In unserer inklusiven Wohngemeinschaft (IWG) leben Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zusammen – selbstverständlich, solidarisch und auf Augenhöhe“, sagt Martin Hofmockel, Geschäftsbereichsleiter Wohnen der Werraland Lebenswelten. Mit dem Projekt, das im Herbst vergangenen Jahres in Witzenhausen startete, wollen die Verantwortlichen der Werraland Lebenswelten neue Wege gehen.

Solch ein gemeinsames WG-Leben von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen gab es zuvor im Werra-Meißner-Kreis nicht. „Beeinträchtigten Menschen zu ermöglichen, in der Mitte der Gesellschaft und nicht in Sonderwelten zu leben, ist Ziel und Auftrag zugleich für uns“, sagt Sascha Schädel, Abteilungsleiter Ambulantes Wohnen.

In der IWG im ehemaligen Katasteramt von Witzenhausen wohnen zurzeit sechs Menschen, davon drei mit Beeinträchtigungen. „Witzenhausen ist aufgrund seiner Studenten prädestiniert für solch ein Projekt. Junge Menschen stehen unserem Projekt sehr positiv gegenüber“, sagt Sascha Schädel.

Auf zwei Etagen leben Menschen ohne Beeinträchtigung und Kunden des ambulanten Wohnens der Werraland Lebenswelten zusammen. Mit hoher Eigenverantwortlichkeit, aber auch dem nötigen Maß an persönlicher Unterstützung. „Das klappt mittlerweile richtig gut“, sagt Julian Prescher, Mitarbeiter des ambulanten Wohnens und der Mann für alle Fälle in der IWG. Prescher ist Ansprechpartner, Hausmeister, Problemlöser und immer vor Ort, wenn er gebraucht wird. Vorteil der dort wohnenden Studenten: Sie können sich über die Ehrenamtspauschale oder einen Mini-Job Geld dazu verdienen, wenn sie notwendige Betreuungsleistungen für ihre Mitbewohner mit Beeinträchtigungen übernehmen.

Unterstützung für Mitbewohner mit Handicap

Einer, der dem Wohnen und der damit verbundenen Unterstützung für einen Mitbewohner mit Handicap von Beginn an aufgeschlossen war, ist Florian Pätzold. Er kam für sein Studium nach Witzenhausen und ist begeistert von dem Konzept des inklusiven WG-Lebens. „Für mich ist das allerdings schon Normalität. Ich wohne hier seit September und merke gar nicht mehr, dass manche meiner Mitbewohner beeinträchtigt sind“, sagt der 28-Jährige. Trotzdem hilft er natürlich, wenn Unterstützung notwendig ist.

„Das klappt super und ist eine enorme Erleichterung für mich“, sagt Nicole Ise, eine Bewohnerin mit Beeinträchtigung. Die 41-Jährige, die in der Integrierten Betriebsstätte (IBW) in Witzenhausen arbeitet, fühlt sich sehr wohl in der IWG im ehemaligen Katasteramt. „Wir leben hier gut miteinander, jeder hat ein sehr großes Zimmer für sich und wie in jeder anderen WG auch, sitzen wir zusammen, unterhalten uns, oder trinken auch mal ein Bier“, sagt Nicole Ise lachend.

Jeden zweiten Donnerstag gibt es ein Plenum, also ein gemeinsames Treffen, bei dem unter Leitung von Julian Prescher alles besprochen wird, was gerade ansteht. Beispielsweise die Aktivierung der Außenbeleuchtung im Eingangsbereich, Kellerschlösser für die Bewohner oder wer an welchem Tag die Waschmaschine nutzt.

„Wir unterscheiden uns letztendlich nicht von anderen Wohngemeinschaften. Mit der großen Ausnahme, dass hier niemand allein ist mit seinen Problemen, da bei uns nichts unausgesprochen bleibt. Das Verständnis für die Belange des Anderen ist sehr ausgeprägt“, sagt Julian Prescher, einer der Bewohner der inklusiven Wohngemeinschaft.  red/ts

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