Chor „Kissproof“ fehlt wegen der Corona-Schutzmaßnahmen das Gemeinschaftserlebnis

In Bad Sooden-Allendorf gibt es Gesangsunterricht nur online

Da war die Welt noch in Ordnung: ein Teil der Kissproof-Aktiven mit ihrem Chorleiter Gerald Thompson.
+
Da war die Welt noch in Ordnung: ein Teil der Kissproof-Aktiven mit ihrem Chorleiter Gerald Thompson.

Corona hat in vielen Bereichen das gesellschaftliche Leben zum Erliegen gebracht. Wie Vereine mit der Krise umgehen, zeigen wir auch am Beispiel des Chores „Kissproof“.

Bad Sooden-Allendorf – „Es ist schon fast wie ein Gefühl von Depression“, sagt Ingrid Klenke (69). Und auch Helga Heins (72) ist es schwer ums Herz. Beide gehören als Sängerinnen der ersten Stunde dem Chor „Kissproof“ an, der vor knapp 21 Jahren aus dem Familienzentrum Bad Sooden-Allendorf hervorgegangen ist. Was die Zwei so betrübt: Wegen der Coronakrise sind die Aktivitäten des Chores fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Die letzte Chorprobe – geübt wird normalerweise an jedem Dienstag im Allendorfer Hochzeitshaus – liegt jetzt schon exakt ein Jahr zurück. Und von öffentlichen Auftritten kann natürlich auch keine Rede sein. „Uns fehlt das Gemeinschaftserlebnis“, bedauert Helga Heins. Davon aber lebten Musik und Kultur, pflichtet ihr Ingrid Klenke bei.

Gemeinsam sind sie so etwas wie das doppelte Sprachrohr von „Kissproof“ (zu deutsch: kussecht), nachdem die langjährige Leiterin und Gründungsmitglied Christel Schöberle vor anderthalb Jahren ihren Lebensmittelpunkt in den Harz verlegt hatte.

19 Jahre lang hatte sie an der Spitze des gemischten Chores gestanden, mit dem sie 218 Auftritte absolviert hat, wie Klenke als Chronistin in Bild und Text akribisch festgehalten hat. Vier prall gefüllte Alben legen Zeugnis davon ab, so auch von einem ganz besonderen Highlight, als der Hörfunksender FFH zu Gast in der Kurstadt war und als „rollender Adventskalender“ den weihnachtlichen Kissproof-Gesang in den Äther schickte.

Schon von Kindesbeinen an haben sich Ingrid Klenke und Helga Heins für Musik und Gesang begeistert. Ihr Mitwirken im Schulchor haben sie nie als Last, sondern immer als Lust empfunden. Während die Jüngere als Au-pair-Mädchen für ein Jahr nach Florida ging und als Enkelin einer Gesangs- und Klavierlehrerin erste Erfahrungen mit dem Tasteninstrument sammelte, verbrachte die Ältere zwischendurch 20 Jahre in Berlin und schloss sich auch dort einer Singgruppe an.

So „vorbelastet“, freuten sich beide, im Chor Kissproof eine neue musikalische Heimat zu finden.

Der steht mit seinen aktuell 20 Mitgliedern, darunter nur drei Männer, seit Ende 2019 unter der Leitung eines Vollprofis, der aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Arkansas stammt, aber schon seit vielen Jahren in der Badestadt lebt. Gerald Thompson heißt er und ist als Opernsänger schon auf den großen Bühnen in New York, Moskau und Barcelona aufgetreten.

Der Kontertenor, der mit Kopfstimme sogar Alt- und Sopranlagen meistert, hält gegenwärtig als Stimmbildner mit digitalen Aufnahmen Kontakt zu seinen Schützlingen, die er auch an Titel von Elton John und Xavier Naidoo oder Operettenmelodien heranführt.

Weil Engagements in diesen schwierigen Zeiten aber ausbleiben und deshalb auch kein Geld in die Kasse fließt, bietet er nun Einzelunterricht in Gesang online an.

Ihn und den Chor Kissproof vereint die Hoffnung, „dass es bald weitergeht“. zcc

Kontakt: geraldthompson.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.