Bundesfreiwilligendienst dient als Fortbildung

Geschichte als Beruf: Französische Historikerin arbeitet auf Burg Ludwigstein

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Bundesfreiwilligendienst als Fortbildung: Dr. Jennifer Meyer arbeitet im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf der spätmittelalterlichen Burg Ludwigstein. 

Burg Ludwigstein. Geschichte als Beruf – Das ist der Wunsch von Dr. Jennifer Meyer. Dafür radelt sie täglich von Unterrieden auf den Berg zu ihrem Arbeitsplatz auf Burg Ludwigstein.

Die Historikerin aus Frankreich absolviert dort einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Archiv der deutschen Jugendbewegung. Geboren wurde Meyer 1985 in der Nähe von Lyon.

Ende 2005 kam sie nach Erfurt, um dort für zwei Semester zu studieren. Obwohl sie ihren Masterabschluss in Politikwissenschaften gemacht hat, war ihr Interesse für die Historie schon immer sehr groß.

„Ich habe mehr Seminare in der Geschichtswissenschaft belegt als in der Politik.“ In Deutschland sei sie sehr gut aufgenommen worden, Sprache und Integration hätten kein Problem dargestellt, berichtet Meyer. 

Kulturschock in der Mensa

Den größten Kulturschock erlitt sie zu Studienzeiten in der Mensa: süße Speisen als Hauptgang statt als Dessert, die Mittagspause zu kurz, um das Essen richtig genießen zu können – und dann nur ein einziger Teller für alle Speisen. Deutsche Effizienz selbst beim Mittagessen.

„Ich habe mich nach 13 Jahren immer noch nicht daran gewöhnt, dass hier der Salat oft erst nach dem Hauptgang gegessen wird. Das ist doch eine Vorspeise“, schmunzelt sie.

Nach dem Studium promovierte Meyer in Erfurt über die Völkische Frauenbewegung in Deutschland der 1920er bis 1940er Jahre. „Es hat sich so ergeben, dass ich geblieben bin, weil ich viele Gelegenheiten hatte, mich weiterzuentwickeln.“ 

Ungewöhnlicher Werdegang

Nachdem Meyer 2014 bis 2017 in England als freie Historikerin einer Schriftstellerin bei einer Buchrecherche half, wurde sie über eine Ausschreibung der Archivstelle Marburg auf die freie Stelle als Bundesfreiwillige aufmerksam. „Es ist tatsächlich etwas ungewöhnlich, nach einer Promotion noch einen BFD zu machen“, sagt die 33-Jährige. Dabei ist der BFD nicht nur für junge Leute gedacht.

„Das kann man bis ins hohe Alter machen.“ Finanziell sei es zwar nicht die optimalste Entscheidung gewesen, monatlich bekommt sie 350 Euro Taschengeld und ist zudem sozialversichert.

Dennoch stehe hier ihre Faszination am Beruf der Archivarin und der Jugendbewegung im Vordergrund, erklärt sie. Um zusätzliche Berufserfahrungen im Archiv zu sammeln, hatte sie sich letztlich auf die BFD-Stelle beworben. „Das Archiv selbst, mit seinem Standort und den Beständen ist super spannend“, findet Meyer.

Führungen für Besucher

Dank ihrer großen wissenschaftlichen Vorerfahrung darf sie Arbeiten erledigen, die das BFD-Programm normalerweise nicht vorsieht. In ihrer 40-Stunden-Woche erledigt sie Aufgaben wie das Magazinieren von Akten, Recherche, die Übernahme von Archivgut, die Erschließung von Dokumenten sowie die Betreuung und Beratung der Benutzer. Besondere Freude bereitet ihr die Führung der Besucher durch das Archiv.

Darüber hinaus hat sie im Herbst selbst eine Ausstellung mit den Beständen der Jugendbewegung gestaltet, die aktuell noch besucht werden kann. Nach dem BFD ist sie sich sicher: Sie möchte als Archivarin arbeiten. „Nach meiner Zeit hier werde ich weiter im Hessischen Landesarchiv tätig bleiben.“

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