Geschichte von Flucht und Vertreibung

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Vor der Flüchtlingsausstellung: (von links) Michael Frank vom Kulturverein Hundelshausen, DRK-Kreisgeschäftsführer Detlef Büchner, Ortsvorsteherin Karin Meissner-Erdt, Magistratsmitglied Thomas Kiedos und Landrat Stefan Reuß mit einem Flüchtlingshandwagen samt Koffer, der auf die Wanderausstellung hinweist.

Hundelshausen. Wanderausstellung im Bürgerhaus Hundelshausen ist offiziell eröffnet.

Viele Einzelheiten der Flüchtlingssituation heute und in den Nachkriegsjahren zeigt eine Wanderausstellung der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, die am Freitag durch den Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Göttingen-Northeim, Detlef Büchner (zugleich Vorsitzender des Kulturvereins), im Bürgerhaus Hundelshausen eröffnet wurde.

„Als DRK-Kreisgeschäftsführer und Betreiber der Flüchtlingsunterkünfte in Göttingen und dem 700-Seelen-Dorf Wahmbeck in der Nähe von Bad Karlshafen habe ich einen sehr detaillierten Einblick in die heutige Flüchtlingssituation“ sagte Büchner, der den Ausstellungsbesuchern einige Problemfelder im Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen auf engstem Raum schilderte.

Er warnte davor, alle Flüchtlinge über einen Kamm zu scheren. Jeder hätte sein eigenes Schicksal und sein eigenes Profil, das zu akzeptieren sei. 90 Prozent der Flüchtlinge würden sich mit der Situation arrangieren, lediglich zehn Prozent seien auffällig und kämen mit ihrer Situation in Deutschland nicht zurecht.

„Es ist gut, wenn wir die Situation der einzelnen Flüchtlinge und das was sie tatsächlich leisten können, deutlich machen. Gleichzeitig muss aber auch deutlich werden, dass Integration keine Einbahnstraße ist“, sagte Landrat Stefan Reuß. Im Werra-Meißner-Kreis sind derzeit etwa 1300 Flüchtlinge in 42 Unterkünften untergebracht. „Auch wenn die damalige Situation mit der heutigen nicht in allen Facetten vergleichbar ist, darf es in der humanitären Arbeit keine Unterschiede geben“, so Reuß.

Und tatsächlich stellt die Ausstellung Zahlen und Fakten der Flüchtlingsbewegungen damals und heute direkt gegenüber. 24 Schautafeln auf drei Faltwänden zeigen geschichtliche Aspekte, die Gewaltmigration im Umfeld des zweiten Weltkrieges sowie Lösungen der Flüchtlingsproblematik damals. Auch auf die Umsiedlung volksdeutscher Gruppen von 1933 bis 1945 und die Vertreibung von 14 Millionen Deutschen aus den Ostprovinzen der Warschauer Pakt-Staaten geht die Ausstellung ein.

Die Flüchtlingsverteilung auf die Bundesländer von damals und heute, die gesetzlich festgelegte Hilfe sowie das Lastenausgleichsgesetz, nach dem Vermögende eine Abgabe für Geschädigte leisten mussten, werden ebenso geschildert. Es wird aber auch auf den heutigen Flüchtlingsalltag und die Therapiemöglichkeiten von traumatisierten Flüchtlingen eingegangen. Unter anderem wird das Schicksal des 21-jährigen Flüchtlings Mohammad Mokhtri aus Afghanistan, dessen Flucht über die Balkanroute und die Mühlen der Bürokratie, veranschaulicht. (znb)

Info: Die Wanderausstellung kann täglich noch bis zum 12. August in der Zeit von 10 bis 18 Uhr im Bürgerhaus Hundelshausen besucht werden.

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