Angeklagter entschuldigt sich

Gewalt gegen Feuerwehrmann in Witzenhausen: 500 Euro Geldauflage geht an Wehr

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Starkregen und Überschwemmung sorgten für Großeinsatz: Ein Roßbacher griff beim Hochwasser im Mai 2019 Feuerwehrleute aus Hundelshausen an, um zu erreichen, dass sein Keller sofort leergepumpt wird.

Er hat einen Feuerwehrmann bei einem Hochwassereinsatz in Witzenhausen tätlich angegriffen – dafür musste sich ein 52-Jähriger aus Roßbach am Donnerstag vor dem Amtsgericht Eschwege verantworten.

Er muss nun binnen sechs Monaten je 250 Euro an die Feuerwehren von Hundelshausen und Witzenhausen zahlen. Zudem entschuldigte er sich vor Gericht bei den Feuerwehrleuten.

Der Fall

Laut der Anklage hatten Feuerwehrleute aus Hundelshausen den Mann am 20. Mai 2019 an der Kreuzung Niester Straße/Grabenstraße in Witzenhausen gestoppt. Da die Straße im weiteren Verlauf überschwemmt war, sollten sie den Verkehr über die Obere Ellerbergstraße umleiten. Daraufhin habe der Angeklagte unter Vorhaltung seines SPD-Mitgliedsausweises den Staffelführer aufgefordert, den Einsatz abzubrechen und den Keller seiner Eltern in Roßbach leerzupumpen. Als weitere Drohungen – etwa mit Regressforderungen – nichts nützten, habe er den Staffelführer an der Jacke gepackt, geschüttelt und geschubst.

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe ein. Da er bereits schlimme Erfahrungen mit Hochwasser gemacht habe und sich um seine pflegebedürftigen Eltern gesorgt habe, sei er in Panik geraten. Die Situation habe höchstens drei Minuten gedauert, er habe die Einsatzkräfte auch um Kontakt zur Leitstelle gebeten. Den SPD-Ausweis habe er nur gezückt, weil er sich ausweisen sollte, und ihn zufällig in der Tasche gehabt habe, so der 52-Jährige. „Ich wollte mir dadurch keinen Vorteil verschaffen.“ Auf Nachfragen der Richterin räumte er ein, auch mit einer Beschwerde bei Landrat Stefan Reuß (SPD) gedroht zu haben. „Es tut mir sehr leid, ich hätte das nicht tun sollen“, sagte der Mann an den anwesenden Vize-Stadtbrandinspektor Claus Demandt gewandt. Er hätte sich schon viel früher entschuldigen sollen, sich aber nicht getraut, nachdem der Feuerwehrmann ihn angezeigt hatte.

Warum er nicht auf ein Angebot eingegangen sei, das Verfahren frühzeitig gegen eine Zahlung an die Feuerwehr einzustellen, wollte der Staatsanwalt wissen. Er habe das Angebot nicht richtig verstanden, sagte der 52-Jährige. Wegen schwerer Erkrankungen im Familienkreis habe er sich nicht richtig konzentrieren können. Deshalb landete der Fall letztlich vor Gericht.

Das Urteil

Da der Angeklagte geständig, reumütig und nicht vorbestraft war, verständigten sich Strafrichterin Sprenger, Verteidigung und Staatsanwaltschaft darauf, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. So konnte auf die Vernehmung von drei Feuerwehrleuten und einem Polizisten verzichtet werden. Da sich die Höhe der Auflage am Einkommen orientiert und der Angeklagte Grundsicherung bezieht, wurden 500 Euro für angemessen befunden.

Die Reaktionen

„Schade, dass Sie sich erst jetzt entschuldigen, wo der Fall vor Gericht geht“, sagte der angegriffene Staffelführer – und lud den Angeklagten ein, sich in Hundelshausen über die Arbeit der Wehr zu informieren. Zur Unterstützung der Feuerwehrleute waren einige Vertreter von Stadt und Wehr zur Verhandlung gekommen. „Ich finde es gut, dass so ein Fall vor Gericht landet, auch wenn niemand verletzt wurde“, sagte Bürgermeister Daniel Herz. Die Arbeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte müsse sicher sein: „Wir alle brauchen sie.“ 

Demandt akzeptierte die Entschuldigung des Angeklagten, der damals auch in der Feuerwehrzentrale ausfällig geworden war. Diese Situation wurde nicht vor Gericht verhandelt. Wenn er jede verbale Entgleisung gegen Feuerwehrleute anzeigen wolle, hätte er viel zu tun, sagte Demandt. Gerade bei Unfällen würden Einsatzkräfte oft beschimpft, weil viele Verkehrsteilnehmer kein Verständnis für die Behinderungen hätten. „Ein körperlicher Angriff war auch für uns ein Novum.“

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