Erste Besichtigung: Großes Interesse an Windpark-Baustelle

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Hier wird bald ein Windrad stehen: Die Besucher an der Grube, wo bald das Fundament betoniert werden soll. Rechts die Behelfsabfahrt an der A 7.

Berlepsch. Viel Andrang gab es am Dienstag auf der Windpark-Baustelle unterhalb von Schloss Berlepsch.  

70 Interessierte stapften bei der ersten öffentlichen Führung mit Gummistiefeln, Warnwesten, Schutzhelmen und -brillen ausgestattet über zwei Stunden lang durch das Gelände.

Vertreter des Betreibers Enercon, der Planungsbüros und des Stromversorgers EAM erklärten das Projekt.

Die Bauarbeiten

Seit Oktober wird gebaut. Zwei der fünf Windrad-Fundamente sind fast fertig betoniert, bei den anderen laufen die Vorbereitungen. „Wir können bis zu Temperaturen um null Grad betonieren, wenn wir die Metallverschalungen erwärmen“, so Hendrik Weitemeier (Dransfeld), der für Ausführungsplanung und Koordination der Baustelle zuständig ist. Pro Fundament werden 1500 Kubikmeter Beton verbaut, zwei Tage dauern diese Arbeiten.

Die Standfestigkeit

Die Bodenverhältnisse seien schwierig, sagt Bodengutachter Dr. Claus Schubert (Trendelburg). Der Lösslehm sei anfällig dafür, sich zu setzen. Damit sich die Fundamente später nicht bewegen, musste der Baugrund verstärkt werden. Dazu wurden 130 Rüttelstopfsäulen aus verdichtetem Kies in mehreren Ringen in den Boden gepresst. Die darauf liegenden Ringfundamente und eine Konstruktion, bei der Stahlseile im Inneren des Turms verspannt werden, sollen für die Stabilität des Windrads sorgen, das nur etwa einen Meter im Wind schwanken soll. Das Fundament wird 4000 Tonnen wiegen, Turm und Technik 2200 Tonnen, sagt Enercon-Projektleiter Uwe Ortmann (Aurich).

Die Verkabelung

Durch diese Leitung fließt der Strom: Armin Schülbe (EAM) zeigt die Kabel, die vom Windpark zum Umspannwerk bei Deiderode verlegt werden. 

Der von den Windrädern produzierte Strom wird über eine 6,7 Kilometer lange Erdleitung in das neue Umspannwerk bei Friedland-Deiderode geführt und dort ins Stromnetz eingespeist, sagte Armin Schülbe (EAM). Das Kabel, das bis zu 15 Megawatt Leistung übertragen kann, liegt in 1,10 Metern Tiefe. „Der Strom kann jederzeit abtransportiert werden.“

Der Rückbau

Am Ende der Windrad-Laufzeit von 20 Jahren könne man die Fundamente wieder entfernen, in ihre Bestandteile Stahl und Beton trennen und entsorgen, sagt Ortmann. Die Säulen könnten im Boden bleiben, weil sie nur mit dem natürlichen Tonmaterial Bentonit verstärkt werden. Sonst blieben keine Rückstände.

Der Naturschutz

Damit die Rotmilane ihr Revier vom Windpark weg verlagern, habe man eine Lenkungsfütterung eingerichtet, sagte Dr. Margit Kahlert (Witzenhausen), die für die Umweltbaubegleitung zuständig ist. Dazu habe man einen Gras- und Luzernestreifen in einiger Entfernung angelegt, der oft gemäht wird. Dort können die Milane leichter jagen.

Zum Schutz der Fledermäuse sollen die Windräder später von März bis April und von Juni bis September in der Dämmerung automatisch abgeschaltet werden.

Der Wasserschutz

Da vier Windräder im Wasserschutzgebiet stehen, gibt es Sonderauflagen des Regierungspräsidiums. Alles Wasser, das sich in der Grube sammelt, werde abgepumpt und in Tanks in die Kläranlage nach Gertenbach transportiert, sagt Weitemeier. Dort werden Proben untersucht, um sicherzustellen, dass das Wasser nicht durch Betriebsstoffe der Baumaschinen verunreinigt wird.

Die Autobahnabfahrt

Ab Ende Januar sollen Kräne, Turmteile und Rotorblätter angeliefert werden. Dazu wurde eine asphaltierte Behelfsabfahrt von der A 7 eingerichtet. Hier sollen nachts bis zu acht Schwertransporte ankommen. Tagsüber wird die Abfahrt mit Betonschutzwänden gesperrt.

Die Kritiker

Die Kritiker, die sich regelmäßig mit Veranstaltungen und Leserbriefen gegen den Windpark aussprechen, nutzten die Gelegenheit nicht, sich das umstrittene Projekt anzusehen. Auch die Besucher hielten sich mit kritischen Beiträgen zurück und fragten vor allem technische Details nach. Zumeist fühlten sie sich gut informiert. „Wer Strom nutzen will, muss auch wissen, wo er herkommt“, sagte eine Besucherin.

70 Teilnehmer bei Führung über Windpark-Baustelle bei Schloss Berlepsch

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