Grubenhaus im Boden: Archäologen setzen Untersuchung auf dem Motzplatz fort

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Archäologen bei der Arbeit.

Witzenhausen. Die Experten sind sich ziemlich sicher: Wahrscheinlich während der jüngeren Eisenzeit, also zwischen 500 und Christi Geburt, lebten im Bereich des heutigen Motzplatzes Menschen.

Das haben die bisherigen archäologischen Untersuchungen ergeben, die derzeit dem bald beginnenden Bau einer Tankstelle an der Bundesstraße 80 vorausgehen.

Entgegen der Planung wurde die Suche nach Zeugnissen vergangenen Lebens und Arbeitens nahe des Nordufer der Werra über die vorgesehenen zwei Wochen hinaus fortgesetzt. Denn mittlerweile hat sich die Vermutung, dass Spuren im Untergrund des östlichen Grabungs-Suchschnittes auf ein Grubenhaus hinweisen, verfestigt. Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel, der am Dienstagvormittag vor Ort war, sprach sogar von einem Glücksfall, zumal der Schnitt dieses Nebengebäude fast in seiner gesamten Ausdehnung offengelegt hat.

Vier Profilschnitte 

Auf dem 4,40 mal 3,30 Meter großen Areal sind die Archäologen in dieser Woche schon mit vier Profilschnitten dabei, konkretere Erkenntnisse zu gewinnen, wie Frank Wedekind von der Göttinger Ausgrabungsfirma Streichardt und Wedekind erläutert.

Was wurde in dem Grubenhaus aufbewahrt, was wurde darin gearbeitet? Antworten auf solche Fragen könnten Funde und Befunde geben. Auch ein weiterer Umriss, der auf der Ebene freigeputzt wurde, interessiert die Archäologen sehr: Es könnte eine Ofenanlage sein, mutmaßt Frank Wedekind. Weitere kleine Schnitte in die Tiefe können vielleicht Aufschluss geben. Im westlichen Grabungsschnitt ist Archäologe Axel Demandt mittlerweile eine „Etage“ tiefer gegangen und hat aus einer alten Abfallgrube 600 Scherben geborgen. Von wievielen Gefäßen sie stammen, muss noch ermittelt werden. Auch verzierte Keramikware ist unter den Fundstücken, was eine zeitliche Einordnung erleichtert. Vier Pfostenlöcher, die sich aufgrund dunkler Verfärbung abzeichnen, lassen zudem auch im westlichen Schnitt ein Haus annehmen.

Nimmt man die vor 25 Jahren von Axel Demandt entdeckten Reste einer eisenzeitlichen Besiedlung nur wenige zehn Meter entfernt hinzu, kann man davon ausgehen, dass vor über 2000 Jahren schon ein Dorf von Ackerbauern existierte. Vielleicht, so meinte Dr. Sippel, handelt es sich sogar um eine größere, über einen längeren Zeitraum bestandende Siedlung von Ackerbauern.

Derartige Dörfchen seien in vorchristlicher Zeit „wie Perlen auf einer Schnur“ auf Niederterrassen im Werratal aufgereiht gewesen, verweist der Bezirksarchäologe auf frühere Entdeckungen auf der anderen Werraseite, aber auch am Rande von Unterrieden und auf Lesefunde in den Bereichen Freudenthal und Ermschwerd.

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