Start-up will Bäume und Sträucher für Landwirtschaft nutzen

Gründer aus Witzenhausen erhalten Hessen-Stipendium für Start-up zu Agroforst

Das Triebwerk-Trio mit Christoph Meixner (von links), Nicolas Haack und Janos Wack steht auf einer Streuobstwiese.
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Das Land Hessen fördert ihre Arbeit: Das Triebwerk-Trio mit Christoph Meixner (von links), Nicolas Haack und Janos Wack.

Ein sechsmonatiges „Hessen Ideen-Stipendium“ erhalten zwei der drei Gründer des Witzenhäuser Start-ups Triebwerk. Die Agrarwissenschaftler bringen nun damit ihre Agroforst-Firma an den Start.

„Wir wollen Landwirte dabei unterstützen, Bäume und Sträucher auf ihren Äckern und Weiden zu nutzen“, erläutert Agrarwissenschaftler Christoph Meixner ihren Ansatz. Ein solches Projekt habe er mit seinen Partnern, den Agrarstudenten Nicolas Haack (Bachelor) und Janos Wack (Master), bereits in Osterode geplant. Dort wird auf einem zwei Hektar großen Acker alle 18 Meter ein zwei Meter breiter Blühstreifen mit Obstbäumen angelegt. Der Streifen werde in den kommenden Jahren, wenn die Bäume Früchte tragen, auf beiden Seiten um jeweils drei Meter vergrößert.

„Der Landwirt kann mit seinen sechs Meter breiten Geräten den Acker nach wie vor bewirtschaften“, führt Meixner aus. Die Bäume schützten das Feld gegen Wind. Pflanzen blühten von März bis Oktober, sodass die Bienenvölker des Bauern das ganze Jahr über Pollen und Nektar fänden. Mit der Vermarktung von Honig und Obst verschaffe sich der Landwirt ein zusätzliches Einkommen.

„In der Nähe von Eschwege planen wir bei einem Hühnerhalter ein weiteres Agroforst-Projekt“, sagt Meixner. Unter freiem Himmel gehaltene Hühner wagten sich aus Angst vor Greifvögeln nicht weit von ihrem Stall fort. Die Sträucher machten das Federvieh mutiger, das am Waldrand lebe. Die Tiere könnten sich auf einer mit Sträuchern bestandenen Fläche zudem besser aus dem Weg gehen, was für mehr Frieden untereinander sorge. Bei Eschwege sollen unter anderem Kornelkirsche, Honig- und Maulbeere gepflanzt werden, die das Nitrat des Vogelkots aufnehmen. Die Maulbeere liefere den Tieren zudem Futter. Hühnerhaltung mache auch auf Streuobstwiesen Sinn. Das Geflügel scharre nach Schädlingslarven, der Obstbauer müsse weniger spritzen.

„Die Nutzung von Büschen und Bäumen ist erst mit der Industrialisierung der Landwirtschaft vor 60 Jahren aufgegeben worden“, weiß Meixner. Bei der Bewirtschaftung immer größerer Flächen würden Hecken und Bäume stören. Für Rodungen seien Prämien gezahlt worden. Heute würden die Folgen dieses Vorgehens sichtbarer. Die Zahl der Arten breche ein. Der Agrarsektor sei ein Treiber des Klimawandels geworden.

Zusammengefunden haben sich die drei Gründer über eine Arbeitsgruppe. Sie hatte sich nach einer Ringvorlesung zu zukunftsfähiger Landwirtschaft gebildet. Wöchentlich traf sich die Gruppe im Witzenhäuser Transition-Town-Haus zu Filmabenden, Vorträgen und Diskussionen. Ende 2019 konkretisierte sich die Idee, zu dritt ihre Firma „Triebwerk“ gründen zu wollen.

„Wir wollen nun bis Ende des Jahres Wege finden, um Agroforst-Projekte über Kohlendioxid-Zertifikate zu finanzieren“, führt Haack aus, der als Bachelor-Student kein Gründungsstipendium bekommt. Zudem setzt sich das Trio mit dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft dafür ein, dass EU-Gelder für die Umsetzung von Agroforst-Projekten in den Bundesländern genutzt werden können.

Von Michael Caspar

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