Firma in Witzenhausen ist längst pleite

50 Betrugsfälle: Händler in Witzenhausen kassiert Geld und liefert Ware nicht

Witzenhausen. Ein Ex-Unternehmer aus Witzenhausen soll im Jahr 2011 knapp 23.000 Euro an Zahlungen von Kunden entgegengenommen haben, ohne die Ware – Pools und Zubehör – zu liefern.

Zudem wird ihm vorgeworfen, Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung seiner Mitarbeiter nicht abgeführt und ein Grundstück für rund 280.000 Euro gekauft zu haben, ohne Geld zu überweisen. Deswegen muss er sich seit gestern vor dem Eschweger Schöffengericht verantworten.

Juristisch wurden dem 39-Jährigen gewerbsmäßiger Betrug in 50 Fällen und das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen in 16 Fällen angekreidet – wobei einige Vorwürfe am ersten Verhandlungstag aus verschiedenen Gründen eingestellt wurden. Warum der Mann das getan hat? Seine Hauptaussage: Es sei zu viel zu tun gewesen und die Mitarbeiter hätten die Aufträge nicht mehr in Gänze abarbeiten können. Zudem habe er gehofft, dass eine gut betuchte Investorin in seine finanziell angeschlagene Firma einsteige. Andere Ursachen kenne er nicht mehr.

Die Vernehmungen von Insolvenzverwalter und einem Wirtschaftsstrafen-Sachbearbeiter der Staatsanwaltschaft offenbarten, dass zum Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Herbst 2011 auf Antrag eines Kreditgebers hin Verbindlichkeiten in Höhe von rund zwei Millionen Euro bei einer Zahlungsfähigkeit für eilige Schulden von gerade mal fünf Prozent im Raum standen. Und das, obwohl 2010 ein wirtschaftlich positives Jahr war. Laut dem Insolvenzverwalter liegt so was oft an Überentnahmen aus dem Vermögen, weil Umsatz mit Ertrag verwechselt oder Steuern nachgezahlt würden. Aus den Büchern ging auch hervor, dass 2011 trotz vieler Aufträge keine Ware gekauft wurde. Mit einem neuen Kredit hat der Unternehmer nur Schulden beglichen. Das Verfahren wird morgen um 9 Uhr fortgesetzt. 

Rubriklistenbild: © picture alliance / Wolfram Stein

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