Änderung des Bebauungsplans nötig

Hanfprodukte statt Bälle: Firma „Sanfte Seele“ will in Tennishalle Witzenhausen ziehen

Jakob Matoff von der Firma „Sanfte Seele“ in der früheren Tennishalle.
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Will neue Hanf-Produkte entwickeln: Jakob Matoff hat die Firma „Sanfte Seele“ in die frühere Tennishalle verlagert. Er will acht bis zehn neue Jobs schaffen und auch mit der Universität kooperieren.

Wo früher gelbe Bälle übers Netz flogen, soll künftig an Hanfprodukten geforscht werden: Das Start-up Unternehmen „Sanfte Seele“ hat seinen Sitz aus Frankfurt/Main in die ehemalige Tennishalle in Witzenhausen verlegt.

Witzenhausen – Bis die von der Stadt angestrebte Änderung des Bebauungsplans beschlossen ist, darf das vierköpfige Team um Geschäftsführer Jakob Matoff allerdings nur die bisherigen Büroräume „Am Sande“ nutzen.

Matoff hat viele Pläne für die 1600 Quadratmeter große Tennishalle – und stellte sie jüngst dem Bauausschuss bei einem Ortstermin vor. Im Bereich der derzeitigen Umkleiden und Duschen sollen auf 100 Quadratmetern Labore entstehen, sagt Matoff. Während die ehemaligen Squash-Felder dank Zwischendecken in Büros und kühler Lagerräume verwandelt werden sollen, will Matoff in der Tennishalle Produktionsverfahren testen: „Da müssen wir langsam hineinwachsen.“

Die große Halle solle zwei Tore für die Zulieferung und den Abtransport in Kleintransportern erhalten. „Wir werden weniger Lieferverkehr haben als die benachbarte Brauerei“, verspricht Matoff. Zudem soll es keinen Lärm aus der Test-Produktion geben. Hier würden ohnehin nur Vorbereitungen getroffen, die Haupt-Produktion würden Chemieparks bei Bremen und Berlin übernehmen, so Matoff. „Wir wollen uns in Witzenhausen auf das Entwickeln neuer Produkte konzentrieren.“ Noch sind das vor allem Saunaaufgüsse und Aromaöl für Mensch und Tier, hinzukommen sollen Futtermittel sowie langfristig pharmazeutische Produkte.

Insgesamt 800.000 Euro will Matoff bis 2024 in den neuen Firmensitz investieren, unter anderem für eine Fotovoltaikanlage, eine Hanfdämmung und die Holzverkleidung der Wände. Man wolle möglichst nachhaltig arbeiten, sagt Matoff. Deshalb wolle er künftig mit heimischen Firmen kooperieren und Hanf aus dem Werratal verwenden. Selbst anbauen will er die Pflanze nicht. Der Biergarten an der Tennishalle soll wiederbelebt werden und zusätzliche Kulturangebote in die Stadt bringen.

Produkte mit CBD sind legal

Beim Stichwort Hanf denken viele an Drogen. Die berauschende Wirkung von Marihuana oder Haschisch wird aber nur durch den Hanf-Bestandteil THC (Tetrahydrocannabinol) ausgelöst. Der Hanf-Bestandteil CBD (Cannabidiol) gilt dagegen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Dezember 2020 nicht als Betäubungsmittel. Er darf mit einer entsprechenden Zulassung in Produkten wie Aromaölen und Kosmetik verwendet werden, laut der Verbraucherschutzzentrale aber nicht als Nahrungsergänzungsmittel. Der THC-Gehalt muss unter 0,2-Prozent liegen. (fst)

200.000 Euro habe er seit März 2020 bereits in das Projekt gesteckt. Natürlich sei es frustrierend, dass die Nutzungsänderung so lange dauere. Dass das Grundstück der Stadt, die Halle aber der Familie Melchior gehöre und einst mit einem Erbbaurecht belegt war, habe die Sache kompliziert gemacht. Halle und Fläche kann er derzeit nur pachten. Wegen fehlender Vollmachten habe es Verzögerungen bei der nötigen Erlaubnis der Stadt zum Verkauf der Halle gegeben, bestätigen Bauamtsleiterin Anja Strecker und Bürgermeister Daniel Herz. Die Stadt stehe aber hinter dem Projekt, das mit seiner Bio-Ausrichtung zu der benachbarten Deula, dem Kompetenzzentrum HessenRohstoffe und der Brauerei Schinkel passe.

Nach mehreren Gesprächen ginge es nun aber voran, betont Matoff. Er sehe positive Signale aus der Politik und werde das Areal von der Stadt kaufen. „Wir wollten ohnehin nicht dauerhaft pachten.“ Die Nachbarfläche, auf der das Reit- und Therapiezentrum Futter lagere, sei ihm angeboten worden, er brauche sie aber nicht.

Gerüchte in der Stadt, die Firma Sanfte Seele würde Drogen verkaufen, weißt Matoff entschieden zurück: Seine Firma arbeite nur mit Nutzhanf und stelle legale Produkte her.

Für die Bebauungsplanänderung werden die Pläne öffentlich ausgelegt. Nach der Prüfung der Stellungnahmen muss das Stadtparlament entscheiden, ob es zustimmt.  (Friederike Steensen)

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