Das Heimweh wegkochen

Kulturaustausch: Bei „Mother’s Kitchen“ kochen Menschen aus aller Welt zusammen

Glückliche Köche: Davut, Rukin (von links) und Anja Tatli (rechts) mit Eva aus Landshut, die unter anderem Knödel kochte. Fotos: nh/privat

Witzenhausen. Einmal im Monat gibt es im Anstoß Witzenhausen statt Kneipenflair eine kulinarische Weltreise: Bei der Veranstaltungsreihe „Mother’s Kitchen“ kochen nämlich Menschen aus der ganzen Welt Gerichte ihrer Heimat. Alle Köche haben eines gemeinsam: Sie lieben die Küche ihrer Mutter.

Jamal aus Syrien, Horacio aus Teneriffa, Jaime aus Mittelamerika und Eva aus Bayern wurden bereits von Anja und Davut Tatli in das Lokal in der Stubenstraße eingeladen. Die Goldschmiedin (49) und der Metallgestalter (42) aus Ermschwerd haben das Format vor etwa einem Jahr gestartet, als Davut Tatli das Lokal übernahm. Ihr Motto: Kultur geht durch den Magen.

Reiseerfahrung gab Anstoß

Auslöser für „Mother’s Kitchen“ war das Erlebnis auf einer Türkei-Reise, wo sie in einem Restaurant saßen, in dem die Mutter für die Gäste kochte und ihre Söhne bedienten. „Wir mochten das Authentische daran, das Essen wurde nicht besonders zurechtgemacht, sondern einfach aus der Seele gekocht“, erzählt Davut Tatli. Weil diese Situation überall hätte stattfinden können, nahmen die Tatlis sie mit nach Nordhessen.

Der Schwerpunkt von „Mother’s Kitchen“ liegt auf dem Austausch der Gäste untereinander und dem Essen, denn „das Wesentliche muss stimmen, und das ist in diesem Fall eben das Essen“. Dazu wird Musik aus dem jeweiligen Land gespielt und eine Speisekarte verrät die einzelnen Gänge in Originalsprache. „Die Gäste sollen sich fühlen, wie bei Mama zuhause. Wenn sie einen Nachschlag haben wollen, dann bekommen sie den auch“, sagt Anja Tatli.

Übergeordnetes Ziel der Veranstaltung ist der Austausch der Kulturen: „Wir wollen den kulturellen Reichtum der Stadt nutzen“, sagt Anja Tatli. Auch Menschen, die vielleicht nur wenige Monate in der Stadt verbringen, könnten davon profitieren.

Gerichte aus Mamas Küche

Das Konzept ist einfach: Wer mitmachen will, kommt vorbei, bespricht, was er kochen will. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Koch aus dem Witzenhäuser Nachbarhaus oder aus Spanien kommt. Nach einem Probeessen wird der Termin fix gemacht. Je nach Zahl der Anmeldungen wird dann eingekauft und am Abend selbst frisch gekocht.

Am Abend selbst packt Rukin, die 21-jährige Tochter der Tatlis, tatkräftig mit an. „Rukin ist leidenschaftliche Köchin“, sagt Anja Tatli. Die 21-Jährige, die an der Uni Kassel Soziale Arbeit studiert, steht dem Hauptkoch zur Seite und unterstützt ihn bei der Zubereitung und der Organisation. Und dann gilt wie bei Mama: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.

Nach der vierten Veranstaltung von „Mother’s Kitchen“, an der etwa 40 Gäste teilnahmen, weiß Anja Tatli: „Irgendwann kommt jeder Koch an den Punkt, an dem er sagt: Jetzt bin ich richtig glücklich.“

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