Frucht wird selten angebaut

Herb, aber reich an Vitaminen: Werleshäuser pressen Aroniabeeren

Verarbeiteten in Werleshausen Aroniabeeren und Gravensteiner Äpfel: Konrad Leonhardt (links) und Robert Görlitz.
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Verarbeiteten in Werleshausen Aroniabeeren und Gravensteiner Äpfel: Konrad Leonhardt (links) und Robert Görlitz.

Mobile Apfelsaftpressen sind in Nordhessen gang und gäbe. In Witzenhausen gibt es jetzt aber auch Jung-Unternehmer, die die angesagte „Superfrucht“ Aronia pressen. Wir haben sie getroffen.

Werleshausen – Wie Heidelbeeren sehen die dunkelblauen Aroniafrüchte aus, sind aber in rohem Zustand – aufgrund vieler Gerbstoffe – so gut wie ungenießbar. Robert Görlitz und Konrad Leonhardt haben die Beeren zum Auftakt der diesjährigen Mostsaison erstmals mit ihrem Witzenhäuser Saftmobil „Saftique“ gepresst – zusammen mit Gravensteiner Äpfeln von der Streuobstwiese der Burg Ludwigstein.

Erfrischend sauer und nach Brombeeren schmeckt der rote Saft, der am Ende aus dem Hahn der Saftique-Abfüllanlage fließt. 100 Kilogramm Aroniafrüchte und 400 Kilogramm Äpfel haben die beiden Moster in Werleshausen gehäckselt.

Die Obst-Maische pressten sie anschließend mit einem Druck von 20 Tonnen aus. 200 Liter Saft konnten sie innerhalb einer guten halben Stunde gewinnen. Um den Saft haltbar zu machen, erhitzten die beiden ihn im Pasteurisierer auf 78 Grad Celsius und füllten ihn dann in Plastiksäcke ab. Verpackt in einer Pappbox hält sich der sogenannte „Bag in Box“-Saft nach dem Öffnen ungekühlt drei Monate lang.

Reich an Mineralstoffen und Vitaminen

„Die Boxen werden wir in unserem Freundes- und Bekanntenkreis schnell los“, meint Görlitz. Die Aroniabeeren seien nämlich reich an den Vitaminen A, B2, K und C. Zudem enthalten sie Flavonoide, die die Körperzellen vor schädlichen freien Radikalen schützen. „Die Beeren sollen einen positiven Effekt bei Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Beschwerden haben“, sagt Gartenbauberater Eberhard Walther vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Von ihm beziehen Görlitz und Leonhardt die Früchte.

„Auf unserer Versuchsplantage in Wendershausen stehen unter anderem 80 Aronia-Sträucher“, berichtet Walther. Der Landesbetrieb fördert den Anbau seit Mitte der 80er Jahre. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Nordamerika. Russische Landwirte begannen vor 150 Jahren damit, den Strauch zu kultivieren. Die Wendershäuser experimentieren mit verschiedenen Sorten. „Die robuste Pflanze wird kaum von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen befallen“, erläutert Walther.

Früchte werden selten angebaut

Der Strauch stellt keine großen Ansprüche an Licht oder Boden. Nordhessische Biobauern pflanzen ihn auf einer Gesamtfläche von 50 Hektar an – vor allem im Landkreis Kassel, im Raum Bad Hersfeld und in der Rhön. Im Werra-Meißner-Kreis wird der Strauch dagegen nach Wissen des Beraters bisher nicht kommerziell angebaut. „Die Früchte lassen sich vielfältig nutzen“, sagt Walther. Aus den Beeren wird Marmelade und Gelee zubereitet. Die Früchte, die, einmal tiefgefroren ihren herben Geschmack verlieren, passen gut zu Joghurt oder Quark. Getrocknet werden sie zum Kochen und Backen verwendet. Der rote Saft eignet sich zum Färben von Lebensmitteln, aber auch Textilien.

Die Pressrückstände aus Werleshausen bekommt ein Landwirt. „Er verfüttert sie an seine Kühe“, sagt Görlitz. Schmeckt der Trester den Tieren aufgrund der Aronia-Bitterstoffe nicht, wird er kompostiert. (Michael Caspar)

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