Wandergesellin aus Bitburg

Burgbewohnerin auf Zeit - Steinmetzin arbeitet für einige Monate auf Ludwigstein

Steinmetzin Jennifer Lynn Ellis schiebt auf dem Gelände der Burg Ludwigstein eine schwer beladene Schubkarre.
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Beschäftigt: Wenn Steinmetzin Jennifer Lynn Ellis auf der Burg Ludwigstein Hand anlegt, dann muss auch schon mal eine schwer beladene Schubkarre über das Gelände bewegt werden.

Burg Ludwigstein – Steinmetzin und Wandergesellin Jennifer Lynn Ellis hat sich spontan entschlossen, für einige Monate auf der Jugendburg Ludwigstein bei Witzenhausen auszuhelfen. 

Wegen Corona ist die Burg Ludwigstein für Gäste und Besucher nach wie vor weitgehend geschlossen. Am Laufen gehalten werden die technischen Anlagen aktuell von rund zehn Jugendlichen, die auf der Burg ihr Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege (FJD), ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) oder ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) absolvieren. Fachlich angeleitet und unterstützt werden sie dabei von der Steinmetzin und Wandergesellin Jennifer Lynn Ellis, die sich spontan entschied, für einige Monate auf der Burg zu helfen.

Nachdem die aus Bittburg bei Trier stammende Steinmetzin vor vier Jahren ihre Gesellenprüfung abgelegt hatte, war gleich die erste Station ihrer anschließenden Wanderschaft die Burg Ludwigstein gewesen. „Damals war ich für zwei Monate hier und habe überwiegend Arbeiten aus meinem Berufsfeld erledigt“, erinnert sich Jennifer Lynn Ellis an eine „spannende und sehr schöne Zeit“ zurück.

Burg Ludwigstein - Steinmetzin und Wandergesellin kümmert sich um Instandhaltung des Gemäuers

Seither war die inzwischen 28-Jährige in weiten Teilen Europas (unter anderem Rumänien, Schweiz und Frankreich) und sogar in Neuseeland unterwegs. „Als ich auf meiner letzten Station in Friedingen an der Donau eine Rundmail des Ludwigsteiner Bauhüttenkreises las, wonach auf der Burg dringend jemand benötigt würde, um den Betrieb während der Corona-Krise aufrecht zu erhalten, habe ich mich spontan entschlossen, hierher zu kommen“, sagt Ellis. Das war vor fünf Wochen. „Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass das etwas für 14 Tage ist“, sagt sie rückblickend. Als sich dann jedoch herausgestellt habe, dass der Bedarf doch längerfristig bestehen würde, habe sie sich bereit erklärt, bis zum 14. August zu bleiben. „Ich habe meinem Opa versprochen, an diesem Tag nach Hause zu kommen, weil ich dann seit vier Jahren, vier Monaten und Tagen unterwegs bin und ich meine Familie seither nicht gesehen habe“, so Ellis. Und irgendwann müsse ja schließlich auch mal Schluss sein mit der Wanderschaft.

Obwohl es für die Steinmetzin, die sich auf Restaurierung und Denkmalpflege spezialisiert hat, auf der Burg aktuell in ihrem Berufsfeld nur wenig zu tun gibt, braucht sie über Langeweile nicht zu klagen. „Ich übernehme gerade die Aufgabe des technischen Leiters, der aktuell aus gesundheitlichen Gründen nicht hier oben sein kann“, sagt sie. Zusammen mit den Freiwilligen, die Ende dieses Monats ihr Freiwilliges Jahr beendet haben und dann von neuen Freiwilligen ersetzt werden, kümmert sich Ellis um die Instandhaltung der Burg.

Burg Ludwigstein - Steinmetzin mit Apell an Verantwortliche

Dafür werden täglich viele Manometer und Zähler der zahlreichen technischen Anlagen, von Heizung über Schwimmbad bis zur Kläranlage, abgelesen. Die Zimmer werden kontrolliert und Wasserhähne zum Vermeiden von Legionellenbildung kurzfristig geöffnet. Die Außenanlagen werden gepflegt und wenn dann noch Zeit bleibt, werden unter Beachtung der geltenden Hygienevorgaben kleinere Reparaturen und Verschönerungsarbeiten in den Gästezimmern durchgeführt. „Damit ist die Burg auf eine Freigabe des Beherbergungsbetriebes gut vorbereitet“, sagt Ellis.

Die Burg Ludwigstein ist für die 28-Jährige „definitiv einmalig“, weil sie für viele Menschen aus ganz verschiedenen Regionen „ein Stück Zuhause“ sei. „Und weil die Burg eine wichtige Begegnungsstätte ist, muss sie auch unbedingt erhalten bleiben“, so ihr dringender Appell an alle Verantwortlichen.

Von Per Schröter

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