Strom vom Schießstand

Hessisch Lichtenaus neuer Solarpark geht ans Netz

Wo einst ein Schießstand war, produzieren nun
+
Wo einst ein Schießstand war, produzieren nun Fotovoltaik-Module Strom: von links Förster Matthias Pollmeier und Sunovis-Mitarbeiter Holger Teich.

1500 Haushalte kann Hessisch Lichtenaus neuer Solarpark mit Strom versorgen. Die 5,3-Megawatt-Anlage ist fünf Hektar groß und ist jetzt ans Netz gegangen.

Hessisch Lichtenau – Die Firma Sunovis aus dem badischen Singen hat sie auf dem Gelände der 2006 aufgegebenen Standortschießanlage errichtet. Zur Investitionssumme macht das Unternehmen keine Angaben. „9852 jeweils gut zwei Quadratmeter große Fotovoltaik-Module haben wir seit März installiert“, sagt Sunovis-Bauleiter Alexander Rosner. „Ein Teil der Module ist nach Süden ausgerichtet, was die höchste Stromausbeute ermöglicht“, so Holger Teich, der als technischer Leiter die Anlage geplant hat. Ein anderer Teil ist so auf Ständern montiert, dass er nach Osten und Westen zeigt. Dort sei die Stromausbeute zwar geringer, aber sie falle dann an, wenn sie in den Haushalten am meisten benötigt werde: morgens und abends. „Wir speisen den Strom auf diese Art gleichmäßig über den Tag verteilt ins Netz ein“, erläutert der Diplom-Ingenieur für Umwelttechnik und regenerative Energien. „Darauf drängte der Netzbetreiber, die EAM.“

Vor dem Bau der Anlage mussten die massiven Betonaufbauten abgerissen werden, darunter die Balken zum Abfangen der Querschläger und die Kugelfänge. „Es sollte wieder eine freie Fläche entstehen“, sagt Förster Matthias Pollmeier von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Ihr gehört das ehemalige Bundeswehrgelände, das sie der Firma Sunovis für 20 Jahre verpachtet hat. Danach lässt sich der Solarpark, der eine Lebensdauer von bis zu 40 Jahren hat, weiterbetreiben oder mit leistungsstärkeren Modulen nachrüsten. „Auch eine Renaturierung ist möglich“, sagt Pollmeier.

Die Abbrucharbeiten hat die Firma Willi Leinweber aus Fulda übernommen. Insgesamt 6000 Tonnen Altbeton fielen an. Davon waren 1390 Tonnen mit Schwermetallen wie Blei, Antimon oder Kupfer belastet. „Das Metall stammt teils von den Kugeln, teils vom Abrieb in den Gewehr- und Pistolenläufen“, erklärt Pollmeier. Der kontaminierte Beton und auch belastetes Erdreich wurden auf die Deponie gebracht. Einen großen Teil des unbelasteten Altbetons nutzte Sunovis zum Ausgleich von Bodenunebenheiten.

Das Unternehmen ließ zudem eine gut 25 Jahre alte, etwa einen halben Hektar große Ahorn-Anpflanzung auf den Stock setzen. Sie diente einst als Lärm- und Sichtschutz. Die Bäume hätten Schatten auf die Fotovoltaik-Module geworfen. „Sie treiben wieder aus und müssen alle fünf bis sieben Jahre zurückgeschnitten werden“, so Pollmeier. Rund um den Solarpark herum pflanzte der Bundesforst mit ausreichendem Abstand Büsche und Bäume.

„Außerdem wertete der Bund zum Ausgleich eine zwei Hektar große Fläche im unmittelbar angrenzenden Flora-Fauna-Habitat auf“, sagt Pollmeier. Dazu wurden Fichten gefällt, die dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen wären.

An ihre Stelle wurden Bäume gesetzt, die mit höheren Temperaturen und trockeneren Sommern zurechtkommen, darunter Elsbeere, Wildapfel und Ahorn. Insgesamt gibt es nun 20 000 neue Bäume und Sträucher rund um die Anlage.

Entwickler für Sonnenkraftwerke

Die Sunovis GmbH ist 2010 von Raphael Huber, Markus Renz und Hans Rainer Stork gegründet worden. Als Projektentwickler und Generalunternehmer für Fotovoltaik Freiflächenanlagen entwickelt das Unternehmen Sonnenkraftwerke von der ersten Idee bis zur letzten Laufzeitstunde. Sunovis beschäftigt 15 Mitarbeiter.

(Michael Caspar)

Sie wollen mehr aus der Region erfahren? Dann testen Sie das ePaper der HNA zwei Wochen gratis. Sie sind eher an Neuigkeiten aus dem Raum Eschwege interessiert? Dann können Sie das ePaper der Werra-Rundschau ebenfalls kostenlos ausprobieren. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.