Kino im Kopf

Sven Schreivogels stellt neue Hörspiel-Produktion vor

Eine der Stimmen: Matthias Wiebalck lobte die Fähigkeit von Sven Schreivogel, fähige Sprecher für seine Projekte zu gewinnen. Foto: Eismann

Witzenhausen. Regen prasselt, der Wind heult, dumpfes Pochen kündigt Gefahr an, und das ferne Krähen entpuppt sich als menschliche Todesschreie. Zum Glück kommen die Geräusche nur von Sven Schreivogels neuer Hörspiel-CD, „Gordon Black 4 - Der Monstermacher“.

Aber für die Standard-Gruseleffekte ist das fast völlig dunkle Capitol-Kino bei der Premiere ideal, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Die Leinwand bleibt schwarz, und wie die Protagonisten kann das Publikum sich in der Finsternis nur anhand der Geräusche orientieren - und zu der schaurigen Sphärenmusik im Kopf eigene Horror-Bilder heraufbeschwören.

Mit denen kann das Titelbild nicht mithalten. Als es schließlich mit all seinen Sturmwolken und düsteren Farben eingeblendet wird, dämpft es eher den Schrecken des Unbekannten - auch weil gleichzeitig die Erzählung von Andeutungen wechselt zur detaillierten Schilderung eines blutigen Monsterangriffs.

Den Heftroman als Grundlage merkt man „Gordon Black“ eben an. Aber die Produktion klingt professionell, der Cast besteht aus erfahrenen Schauspielern und Synchronsprechern. Und so entwickelt das Stück wunderbar den ganz eigenen Charme des Genres, die abstruse „Logik“ einer Welt mit Dämonenpeitschen und Experimenten à la Frankenstein.

Hauptsächlich regionalen Charme beweist dagegen die zweite Premiere des Abends, „Der Fluch - Die Nacht der zwei Monde“. Den Ursprung in einem Amateurfilm von 1994 hört man nicht nur der Musik noch an. Entsprechend wenig ernst nimmt sich aber die Geschichte und ergeht sich stattdessen in Frotzeleien der Protagonisten und regionalen Anspielungen von „Ahle Wurscht“ bis Teufelskanzel.

Schließlich, so Regisseur und Produzent Sven Schreivogel in der anschließenden Gesprächsrunde, inspiriere ihn zu seinen Geschichten oft die hiesige „unheimlich faszinierende Landschaft“ - mal idyllisch, im nächsten Augenblick ganz mystisch. Entsprechend wichtig sei es ihm gewesen, die ersten kommerziellen Hörspiele seiner Nocturna Entertainment nach fünfjähriger Abstinenz in Witzenhausen uraufzuführen, „wo ich wohne und arbeite“.

Hier sitzt auch sein Mann für alle Geräusche um die Ecke: Thomas Körber, der als Duo „Kerby“ mit Monika Gurasz den Premierenabend mit leise rockigen Coverversionen bekannter Lieder untermalt - unter anderem mit einer Akustik-Version seines „Gordon Black“-Titelsongs „The breeze“.

In Körbers Göttinger Tonstudio macht Schreivogel aber auch einen Großteil seiner Aufnahmen. Hier entsteht etwa das Geräusch eines Dämons, der seinem Opfer die Augen ausschält. Die Vorstellung verliert einen Großteil ihres Schreckens, als der Tontechniker den Vorgang live demonstriert - an einer Kiwi.

Info: Die CD „Gordon Black 4 - Der Monstermacher“ ist ab Freitag, 16. Januar, im Handel erhältlich.

Zu den Stücken:

Zum Inhalt: Ist Prof. Pratter etwas zugestoßen? Und wer oder was steckt hinter den grausigen Morden in dem kleinen walisischen Dorf Hillbroke? Geisterjäger Gordon Black ermittelt in seinem vierten Fall, „Der Monstermacher“ - und trifft dabei auf einen mysteriösen Fremden, den er in den jeweiligen Heftromanen nie begegnete.

In der „Nacht der zwei Monde“ werde er zurückkehren, hat der Hexenmeister Mordian Treskow prophezeit. Sollte es seinen Nachfahren Peter da beunruhigen, dass er auf einer Wandertour von Albträumen heimgesucht wird, während ein Komet der Erde so nahe kommt, dass er wie ein weiterer Mond aussieht?

Von Eva Eismann 

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