Hasel sorgt für Allergien - Allergologe Dr. Klaus Schild im Interview

Hyposensibilisierung kann helfen – auch im Alter

+
Männliche Kätzchen der gemeinen Hasel (Corylus avellana) hängen an den Zweigen eines Haselnussstrauchs und sorgen oft für allergische Reaktionen. 

 Der milde Winter führt zu einem frühen Erwachen der Natur. Die ersten Bäume und Sträucher blühen bereits, dazu gehören unter anderem Hasel und Birke. Was das für Allergiker bedeutet und wie sich die frühe Pollenentwicklung auf den Verlauf und die Intensität von Allergien auswirkt, wollten wir vom Fachmann wissen. Deshalb haben wir uns mit dem Allergologen und Chefarzt der Pneumologie, Beatmungs- und Schlafmedizin am Klinikum Werra-Meißner, Dr. Klaus Schild, unterhalten.

Was blüht in diesem Jahr früher?

Baumpollen machen Allergikern in diesem Jahr mehrere Wochen früher Probleme, vor allem Birke, Hasel und Erle.

Welche Konsequenz hat die frühe Blüte für Allergiker?

Die Pollenmenge nimmt insgesamt zu, das wiederum hat Auswirkungen auf die Symptome, die stärker ausfallen können. Außerdem entwickeln dadurch mehr Menschen Allergien.

Welches sind die häufigsten Symptome bei einer Allergie gegen Baumpollen oder Gräser?

Tränen der Augen, Niesen, Husten und Atemnot.

Wogegen sind die meisten, von Heuschnupfen geplagten Patienten allergisch?

Birkenpollen und Gräser machen den meisten Allergikern zu schaffen. Außerdem ist Ambrosia, ein Traubenkraut, das ursprünglich aus Nordamerika stammt, aber mittlerweile auch bei uns in Hessen wächst, besonders gefährlich.

In welchem Alter entstehen die meisten Allergien?

Kinder und Jugendliche haben oft Heuschnupfen. Ohne Behandlung kann daraus Asthma werden. Aber auch Erwachsene können noch im hohen Alter Allergien entwickeln.

Was kann man gegen Allergien tun?

Hyposensibilisierung kann helfen und vor allem die Entstehung von Asthma verhindern. Außerdem ist ein starkes Immunsystem förderlich, weshalb Kinder, die im engen Kontakt mit der Natur stehen, oder mindestens vier Monate lang voll gestillt wurden, seltener Allergien entwickeln. Der Kontakt zu Felltieren im jungen Alter kann Allergien allerdings fördern.

Was wird bei einer Hyposensibilisierung gemacht?

Das ist eine Immuntherapie bei der dem Körper aufbereitete Allergene in Tropfenform oder per Spritze unter die Haut verabreicht werden.

Was hat sich bei der Hyposensibilisierung in den vergangenen Jahren verändert?

Die Nebenwirkungen sind geringer geworden und oft sind nur jeweils vier Spritzen in drei aufeinander folgenden Wintern nötig, um den Körper zu desensibilisieren.

Wogegen ist eine Hyposensibilisierung möglich?

Prinzipiell gegen jede Allergie – allerdings zahlt die Krankenkasse in der Regel nur die Hyposensibilisierung gegen Pollen und Hausstaubmilben.

Gibt es eine Altersgrenze für diese Therapie?

Ich würde auf jedem Fall jedem Allergiker mit starken Symptomen mindestens bis zum 60. Lebensjahr dazu raten.

Sind Allergien erblich?

Ja. Wenn kein Elternteil eine Allergie hat, liegt die Wahrscheinlichkeit für das Kind bei etwa 15 Prozent. Ist ein Elternteil allergisch, steigt sie auf 40 Prozent. Wenn sogar beide Eltern Allergiker sind, wird das Kind zu 60 Prozent ebenfalls eine Allergie entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit steigt um weitere 10 Prozent, wenn beide Elternteile die gleiche Allergie haben.

Zur Person 

Dr. Klaus Schild (56) ist in Wolfhagen geboren und aufgewachsen. Er hat in Göttingen studiert und in verschiedenen Klinken gearbeitet, zuletzt in der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft. Seit 2018 ist er am Klinikum Werra-Meissner tätig. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Seine Hobbys sind Sport und Musik, er ist Fan von Eintracht Frankfurt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.