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Immer mehr Mehrweg im Werra-Meißner-Kreis

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Von: Stefan Forbert

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Orange-braun ist der Coffee-to-go-Becher, den der Werra-Meißner-Kreis vor fünf Jahren einführte.
Orange-braun: Vor fünf Jahren stellte der Werra-Meißner-Kreis den Coffee-to-go-Becher als umweltfreundliche Alternative zu Einweg-Material vor. © Anne Palka

Ab Januar 2023 ist es Vorschrift: Alle Anbieter von Speisen und Getränken müssen Mehrwegverpackungen zumindest als Alternative zu Einwegbechern, -dosen und -kisten aus Kunststoff anbieten. Das betrifft Supermärkte mit Sushi-Theken und Backshops samt Kaffee-Bar ebenso wie Fleischereien mit heißen Theken und Restaurants mit Außer-Haus-Verkauf.

Werra-Meißner – Der Landkreis soll die Akteure im Bereich Lebensmitteleinzelhandel und -handwerk sowie Gastronomie nun beim Einhalten dieser Verpflichtung zu einheitlichem Handeln mit einheitlichen Systemen anregen und bei der Umsetzung unterstützen. Das zumindest fordert jetzt die CDU-Fraktion in einem Antrag, der kommenden Montag in der Sitzung des Kreises behandelt werden soll.

Zudem schwebt der CDU vor, dass der Werra-Meißner-Kreis darüber hinaus eine nordhessenweite, einheitliche Nutzung von Mehrweggeschirr anstößt. So könnten sich mehrere Gastronomiebetriebe zusammenschließen und aus einem gemeinsam betriebenen Bestand umweltfreundliche Mehrwegbehältnisse einsetzen, sagt Fraktionsvorsitzender Uwe Brückmann.

Die Bäcker-Innung steht einem einheitlichen Mehrwegbehälter-System des Werra-Meißner-Kreises positiv gegenüber. „Wir könnten uns dem auch anschließen und uns beteiligen“, sagt Obermeister Martin Stange, wenn es etwas Vernünftiges ist, das auch bezahlbar ist. Und es müsse alsbald vorgeschlagen werden. Denn Anfang November will man sich innerhalb der Innung auf ein System einigen, bei dem die einheitlichen Mehrwegbecher in allen neun Innungsbäckereien zurückgegeben werden können, egal in welcher Filiale sie geholt wurden.

Auch in der Gastronomie gibt es seit Corona und dem deshalb forcierten Außer-Haus-Geschäft den Einsatz von Mehrweggeschirr. Das wird auch schon betriebsübergreifend eingesetzt. Das Restaurant von Christian Pelikan in Bad Sooden-Allendorf beispielsweise arbeitet diesbezüglich mit dem Gasthaus Zur Linde in Kleinvach zusammen

Manche Bäckerei nutzt nach Angaben von Obermeister Martin Stange von der Bäcker-Innung Werra-Meißner schon seit ein paar Jahren den vom Landkreis auf dem Markt gebrachten Werra-Meißner-Becher für den Kaffee zum Mitnehmen, auch ein anderer Mehrweg-Becher werde bereits in einigen Bäckereien angeboten. In Eschwege beispielsweise beteiligt sich der Backbetrieb Wolf am Projekt „#eschwegeplastikfrei“, mit der Einwegverpackungen vermieden werden sollen.

Nicht nur ein kreisweites, sondern auch ein nordhessenweit einheitliches System hält Stange durchaus für sinnvoll. Denn er geht davon aus, dass dieses dann für alle günstiger ist.

Man habe schon gute Erfahrungen mit dem Mehrweggeschirr gemacht, berichtet Christian Pelikan, der Kreisvorsitzende des Wirteverbands Dehoga Werra-Meißner. Die Kunden brächten das – in dem Fall mit Pfand belegte – Geschirr stets zurück.

Auch bezüglich der Beständigkeit der Mehrwegbehälter sind die Gastronomen seinen Informationen aus dem Kollegenkreis zufolge zufrieden. Auch nach mehrfacher Nutzung habe sich das Aussehen nicht geändert. Pelikan gibt auch die Erfahrungen von Kunden weiter, wonach das neue, von der Industrie speziell erarbeitete Geschirr die Wärme länger aushält als das übliche.

Unterstützungsbedarf sieht die CDU-Kreistagsfraktion in ihrem Antrag zufolge bei den kleinen Betrieben mit maximal fünf Beschäftigten und höchstens 80 Quadratmetern Verkaufsfläche. Diese sind vom Mehrwegverpackungszwang nämlich ausgenommen. Damit sie trotzdem freiwillig mitmachen, wünscht sich Fraktionssprecher Uwe Brückmann Unterstützung des Kreises.

Dieses Problem mit der Ausnahme wäre vermeidbar gewesen, merkt dazu Dehoga-Kreisvorsitzender Pelikan an. Hätte man die Industrie gleich verpflichtet, auf Plastik zu verzichten und nur noch ökologisch sinnvolles Material zu verwenden, dann müsse man sich um das Mitmachen der kleinen Betriebe wie Pizza-, Burger- und Döner-Buden, Currywurst-Stationen und Pommes-Stände nicht extra bemühen.

Vor fünf Jahren hatte der Landkreis bereits einen umweltfreundlichen, orange-braunen Mehrweg-Kaffeebecher eingeführt, der an mehr als 30 Verkaufsstellen angeboten wird. Antworten auf Fragen dazu, was der Kreis jetzt von den CDU-Vorschlägen bezüglich eines einheitlichen Mehrweg-Geschirrs hält, waren trotz Nachfrage bis zum Redaktionsschluss gestern nicht zu erhalten. (sff)

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