Mobiltelefonieren ist hier und da problematisch

Immer noch viele Funklöcher im Werra-Meißner-Kreis

Handyanzeige in der Natur zeigt: „Kein Internet“
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Vielerorts im Werra-Meißner-Kreis immer noch ein Problem: Mit dem Smartphone kriegt man kein Internet.

Mit der Mobilfunk-Abdeckung im Werra-Meißner-Kreis sind die Nutzer nicht zufrieden. Das kann aus den Reaktionen der Leser unserer Zeitung geschlussfolgert werden, die auf eine Rundfrage über Facebook nach Problemen mit dem Mobiltelefonieren und Funklöchern in der Region antworteten.

Werra-Meißner – Binnen kurzer Zeit gingen fast 200 Antworten ein, in denen teilweise Verärgerung Luft gemacht wird: „Dohrenbach ist tot, Tal der Ahnungslosen, was Mobilnetz angeht.“ „Mit Rauchzeichen geben biste schneller“ und „Unser Gebiet ist nach wie vor unfassbar schlecht ausgebaut.“ In anderen Kommentaren ging es aber auch um Sicherheitsaspekte. So wurde konkret die Sorge laut, wie man nachts Hilfe anfordern kann bei einer Panne oder gar einem Unfall auf den Strecken zwischen Hessisch Lichtenau-Friedrichsbrück und Helsa, Witzenhausen-Kleinalmerode und Nieste sowie Eschwege und Weißenborn.

Das größte Problem im Bereich Mobilfunk sieht Johannes Thomas von der Wirtschaftsförderungs-GmbH Werra-Meißner (WFG) darin, dass „die gefühlte Unterversorgung der Bürger bedeutend größer ist“, als offiziell dargestellt werde. Da es in Deutschland zwischen den Netzbetreibern kein „Nationales Roaming“ gibt, welches bei fehlendem Empfang einen einfachen Wechsel in ein anderes Mobilfunknetz ermöglichen könnte, sei für die Nutzer immer nur die Abdeckung des eigenen Netzanbieters relevant, so Thomas.

Die Abdeckung könne sich sogar innerhalb der Kommunen stark unterscheiden, aber je nach Anbieter auch durchaus ganz anders. Um in einer Kommune überall guten Empfang zu haben, bräuchte man also zwei Netzanbieter gleichzeitig.

Eine gute und vor allem flächendeckende, leistungsfähige digitale Infrastruktur aus guter Mobilfunk- und Breitbandversorgung sieht der Wirtschaftsförderer heutzutage „als unverzichtbar“ an. Sie sei insbesondere für ländliche Regionen eine der Grundvoraussetzungen, um moderne Lebens- und Arbeitsbedingungen zu ermöglichen und damit die eigene Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu sichern, so Thomas.

Anlass für die kleine Rundfrage bezüglich der Zufriedenheit über die Mobilfunkversorgung in der Region war, dass sich die Betreiber der Mobilfunknetze jüngst wieder rühmten, massiv in die Infrastruktur zu investieren. „Die Mobilfunk-Versorgung im Werra-Meißner-Kreis ist jetzt noch besser.“ So teilte es kürzlich die Deutsche Telekom in einer Presse-Information mit, weil sie in den vergangenen Monaten zwei Standorte – in Ringgau und Sontra – neu gebaut habe.

Telekom

Aktuell betreibt die Telekom im Werra-Meißner-Kreis 44 Standorte. Damit liege die Bevölkerungsabdeckung bei rund 90 Prozent, sagt Pressesprecher George-Stephen McKinney. Bis 2024 sollen weitere 30 Standorte hinzukommen, ferner seien an sieben Standorten Erweiterungen mit LTE geplant.

Das Problem dabei: Die Telekom benötigt zunächst Grundstücke, um weitere Sendeanlagen aufzustellen. Diese zu bekommen, ist nicht so leicht, da es vielerorts nicht nur Bedenken wegen des Aussehens, sondern wegen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern gibt. Da bekomme ein Vermieter im Ort schon mal Stress, erläutert McKinney. Deshalb wendet sich die Telekom auch an die Kommunen und private Grundstückseigentümer, Fläche für einen Dach- oder Mast-Standort zum Mieten anzubieten.

Vodafone

Von Netzbetreiber Vodafone werden eigenen Angaben zufolge aktuell 50 Mobilfunkstationen im Werra-Meißner-Kreis betrieben. Dadurch seien 99,9 Prozent der Bevölkerung an das Vodafone-Mobilfunknetz mit GSM angebunden, sagt Pressesprecher Volker Petendorf. Und mit dem mobilen Breitbandnetz erreiche Vodafone zudem 87 Prozent der besiedelten Gebiete. Denn 32 der 50 Stationen hätten nunmehr auch die Technologie LTE an Bord, so Petendorf. Er macht darauf aufmerksam, dass sich der Versorgungsauftrag von Vodafone „nicht auf unbewohnte Gebiete abseits von Hauptverkehrswegen“ erstrecke.

Petendorf kündigt an, dass bis Mitte 2022 acht LTE-Ausbauprojekte und fünf 5G-Baumaßnahmen im Werra-Meißner-Kreis geplant seien. Um jeweils ein LTE-Funkloch zu schließen, würde eine neue LTE-Station in Eschwege in Betrieb genommen sowie an zwei Mobilfunkstationen in Bad Sooden-Allendorf und Weißenborn erstmals LTE-Antennen installiert werden.

Telefonica

Auch Telefonica entwickelt sein Netz im Werra-Meißner-Kreis stetig weiter, versichert Pressesprecher Jörg Born. Hier habe man seit Mai 2020 insgesamt mehr als 35 neue 4G-Anlagen in Betrieb genommen, so unter anderem in Rittmannshausen, Großalmerode, Sontra, Witzenhausen, Kaufungen und Eichenberg. Born: „Eine 4G/LTE-Bevölkerungsabdeckung mit schnellen Datendiensten ist – abseits der großen Wald- und Naturschutzgebiete – an vielen Orten im Kreis außerhalb, oft auch in Gebäuden gegeben.“ Außerdem habe der alte Mobilfunkstandard 3G (UMTS) auch hier inzwischen weitestgehend Platz gemacht für eine verbesserte 4G/LTE-Versorgung.

Wirtschaftsförderung

Im Hinblick auf eine bessere Mobilfunkversorgung ist Johannes Thomas von der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft (WFG) Werra-Meißner auch zuversichtlich. Beispielsweise seien die bewohnten Bereiche rund um Rechtebach, Kirchhosbach, Stadthosbach und Mitterode sowie im Witzenhäuser Raum rund um Ziegenhagen derzeit noch unterversorgt. Aufgrund laufenden und geplanten Ausbaus durch die Telekommunikationsanbieter würden sich dort aber zeitnah weitere Verbesserungen ergeben. Zudem müssten die Netzbetreiber Versorgungsauflagen vom Bund entlang der Verkehrswege bis Ende 2024 erfüllt haben. Auch dadurch, so Thomas, sollte sich die Mobilfunkversorgung in den nächsten Jahren noch deutlich verbessern.

Drei Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland

In Deutschland gibt es drei Mobilfunk-Netzbetreiber, die Handytarife anbieten: Telekom, Vodafone und Telefonica, der deutsche Ableger des spanischen Unternehmens. Das Netz der Telekom wird auch als D1-Netz bezeichnet, das von Vodafone als D2. Telefonica vereint die Netze von O2 und E-Plus, auch E-Netze genannt. Alle anderen Handy-Anbieter nutzen das Mobilfunknetz dieser drei Unternehmen, also quasi von „Aldi talk“ bis „Tchibo mobil“.

Hier kann man die Netzabdeckung einsehen

Wer mehr über die Verfügbarkeit seines Mobilfunknetzes an seinem Wohnort erfahren will, kann sich informieren unter

Bundesnetzagentur: breitband-monitor.de/mobilfunkmonitoring/karte

Telekom/D1: telekom.de/netzausbau

Vodafone/D2: vodafone.de/hilfe/netzabdeckung.html

Telefonica/O2+E-Plus: o2online.de/netz/

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