In Einzelfällen wird‘s teuer

Bad Sooden-Allendorf stellt Abwassergebühr auf Splitting-System um

Großparkplatz von Rewe und Hagebau im Soodener Gewerbegebiet von oben fotografiert.
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Das wird teuer: Für versiegelte Flächen, wie hier auf einem Großparkplatz im Soodener Gewerbegebiet, fallen künftig hohe Gebühren für die Beseitigung des Oberflächenwassers an.

Was in Witzenhausen schon seit vielen Jahren gängige Praxis ist, steht nun auch in Bad Sooden-Allendorf bevor: das Splitting der Abwassergebühren.

Bad Sooden-Allendorf – Die Gebühren wurden bislang berechnet allein nach dem Verbrauch des Trinkwassers. Künftig wird unterschieden zwischen dem Schmutzwasser, das zwangsläufig in die Kanalisation fließt, und dem Oberflächenwasser (Niederschlag), für das es eine Anschlusspflicht an die Kanalisation nicht gibt. Das bestätigte auf Anfrage der Chef der Stadtwerke, Wolfgang Grunewald.

Gegenwärtig beträgt die Abwassergebühr pro Kubikmeter vier Euro und deckt damit auch die Kosten für die Beseitigung des Oberflächenwassers ab. Während dieser Preis künftig sinke, komme die Gebühr für das Niederschlagswasser hinzu. Die berechne sich nach der Größe der befestigten Grundstücksflächen und der Art und Weise ihrer Befestigung, hat Grunewald beispielsweise Terrassen, Höfe oder Grundstückseinfahrten im Blick.

Als Faustregel gilt demnach: Je mehr Flächen versiegelt, also wasserundurchlässig sind, desto teurer wird es. In Einzelfällen könnten auf die Grundstückseigentümer sogar erhebliche Kosten zukommen. Dabei fallen dem Betriebsleiter der Stadtwerke vor allem Gewerbegebiete mit oft ausgedehnten Dachflächen und großen Parkplätzen ein. Zur Kasse gebeten werde auch die Stadt für ihre an die Kanalisation angeschlossenen Straßen. Bislang habe sie dafür einen Pauschalbetrag von rund 280 000 Euro pro Jahr bezahlt.

Andererseits: Wer außerhalb seines Gebäudes Grundstücksflächen gepflastert oder mit Kies, Splitt oder Rasengittersteinen befestigt hat, kommt billiger und im letzteren Fall mit deutlich geringeren Gebühren davon.

Zur Ermittlung der Dachüberbauten sowie befestigten Flächen waren 2018 alle bebauten Grundstücke in der Kernstadt und in den Stadtteilen aus der Luft fotografisch festgehalten worden, um sie bewerten zu können.

Laut Grunewald wenden die Stadtwerke pro Jahr rund zwei Millionen Euro für die Einrichtungen zur Abwasserbeseitigung auf. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre waren gut 460 000 Kubikmeter Abwasser in zwölf Monaten angefallen.

Mit der Corona-Pandemie änderte sich das schlagartig. So fielen im Jahr 2020 gut 30 000 Kubikmeter weniger an Abwasser an, weil etwa die Werratal-Therme lange Zeit geschlossen und örtliche Kliniken kaum noch belegt waren. Entsprechend sanken auch die Einnahmen der Stadtwerke bei gleichbleibend hohem Aufwand, sodass die Kalkulation schon nicht mehr aufgegangen sei.

Die Stadtwerke, die zuletzt vor 13 Jahren die Abwassergebühr erhöht hatten, sind nach den Worten Grunewalds bestrebt, die nach dem neuen System veränderten Gebühren zum Ende des Jahres einzuführen.

Weil inzwischen die Klärschlammverwertung wesentlich teurer geworden sei – der Schlamm, der früher auf die Felder verbracht wurde, wird seit gut zwei Jahren verbrannt –, müssten sich die Verbraucher auf höhere Gebühren einstellen.  (zcc)

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