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In Witzenhausen feiern Hildegard und Johannes Schön Eiserne Hochzeit

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Von: Christoph Cortis

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Blumen für die Jubilare: Hildegard und Johannes Schön (linkes Foto) feiern heute Eiserne Hochzeit.
Blumen für die Jubilare: Hildegard und Johannes Schön feiern heute Eiserne Hochzeit. © Chris Cortis

Aus einer flüchtigen Bekanntschaft aus der Eisenbahn wurde mehr - heute ist das Ehepaar aus Witzenhausen seit 65 Jahren verheiratet.

Witzenhausen – Zum ersten Mal gesehen haben sie sich auf dem Bahnsteig. Das war, als Hildegard, die damals mit Nachnamen noch Faber hieß, und Johannes Schön vor vielen Jahrzehnten regelmäßig mit der Eisenbahn zwischen Thüringen und Franken pendelten. Aus der zunächst flüchtigen Bekanntschaft wurde mehr. Heute sind der 98-Jährige und seine vier Jahre jüngere Frau seit exakt 65 Jahren verheiratet: Zug um Zug ins Eheglück.

Seine Eiserne Hochzeit feiert das Paar wohl umsorgt im Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Witzenhausen. Dort haben beide nicht nur eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung, sondern sind vor allem ganz in der Nähe ihrer jüngsten Tochter Barbara, die in Göttingen lebt. Sie hatte es sich so gewünscht, weil ihre Schwester Dorothea in der eher fernen Schweiz zu Hause ist.

Hildegard und Johannes Schön bei ihrer Hochzeit.
Hildegard und Johannes Schön bei ihrer Hochzeit. © Chris Cortis

Johannes und Hildegard Schön haben ein bewegtes Leben hinter sich und ihre Zelte mal in Baden-Württemberg, mal in Hessen, dann in Nordrhein-Westfalen und in Schleswig-Holstein aufgeschlagen.

Letzte Station vor Witzenhausen war Offenburg. In der Stadt südöstlich von Straßburg hatten sich die älter gewordenen Eheleute nach der Möglichkeit des betreuten Wohnens umgeschaut, fühlten sich aber noch fit genug, um dort von dieser Option keinen Gebrauch zu machen. Zuvor hatten sie in Bad Segeberg ihr Häuschen im Grünen verkauft, in dem sie 40 Jahre gelebt hatten. Das eigene Dach über dem Kopf war ihr Herzenswunsch gewesen.

Hildegard Schön stammt aus der Nähe von Coburg. Auf der gleichnamigen Veste, einer mittelalterlichen Burganlage im oberfränkischen Grenzgebiet zu Thüringen, wurde vor 65 Jahren auch geheiratet. Die heute 94-Jährige erlernte den Beruf der Kindergärtnerin, baute in Thüringen und später in Schleswig-Holstein mehrere Kindertagesstätten auf, die sie auch selbst leitete. Ihr leidenschaftliches Hobby: Aus Wolle tierische Figuren zu stricken. Die fanden reißenden Absatz. Im Jahr kamen dann schon mal mehr als tausend Euro zusammen, die sie der Aktion „Brot für die Welt“ gespendet hat.

Ihr Mann Johannes wuchs in der Nähe von Meißen auf, jener Stadt, die für ihr Porzellan weltberühmt ist. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung. Schon früh schlug sein Herz für die Fliegerei, nachdem sein Vater ihn zu einer Flugschau mitgenommen hatte. Da war es fast zwangsläufig, dass er nach dem Einzug zur Wehrmacht Bordfunker wurde.

Nach der Kriegsgefangenschaft bei den Engländern nahm er verschiedene Jobs an. So arbeitete er als Übersetzer und Dolmetscher bei einem amerikanischen Offizier. An einer Missionsschule studierte er „ein bisschen“ Theologie. Ein Stipendium führte ihn in die USA, wo er in der Gemeindearbeit Fuß fasste.

Es folgten Verwaltungsarbeiten in Coburg, an der technischen Universität in Darmstadt, in einem Krankenhaus in Essen und zuletzt in einem Forschungslabor in Bad Segeberg.

Als gemeinsames Hobby pflegten die Ehejubilare gern und ausgiebig den Gesellschaftstanz und erkundeten auf vielen Ausflügen und Tagesfahrten Land und Leute. (Chris Cortis)

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