Initiative lässt alte Roßbacher Hausnamen mit 40 Eichenschildern wieder aufleben

Kunrods und Schul-Jörjens: Während im Haus von Marie Fahrenbach (links) Kunrods (nach Konrad benannt) wohnen, ist das Haus von Else Mather nach dem Ururgroßvater, dem Schul-Jörjens (einem Lehrer mit Zweitberuf) benannt. Foto: Neugebauer

Roßbach. Wer kennt sie nicht, die Üwers, Schmeds, Schäferpeters und Ungermöllers in Roßbach? „Manchmal sind die alten Namen sogar eher präsent als die Neuen", sagte Gudrun Braun.

Sie grübelte einmal tagelang über einer Glückwunschkarte zur Konfirmation, bei wem sie sich nun bedanken müsse. In Roßbach werden demnächst 40 polierte Eichenschilder mit den alten Hausnamen die Häuser schmücken.

Angeregt wurde das von der Initiative „Alte Roßbacher Hausnamen“ um Kathrin Hoffmann, Carina Wach und Luise Brandl, die mit Hilfe alter Wählerverzeichnisse, der Dorfchronik und der Roßbacher Spurensicherung die Erkenntnisse in ein neues Ortsverzeichnis mit Spitznamen übertragen hatten. Im Anschluss wurde die Idee mit Hilfe eines Fragebogens ins Dorf getragen, die zusätzliche „Spitznamen“ hervorbrachten.

„Die Idee von Kathrin war, etwas Positives zu schaffen, wo die Leute drüber reden und sich näherkommen“, sagte Ehemann Torsten Vogt, der die Idee seiner mittlerweile verstorbenen Frau weiter tragen möchte. Wenn alle Schilder hängen, solle es im Herbst einen Dorfrundgang geben, wo zu allen Häusern eine kurze Geschichte zur Namensgebung erzählt werden kann. „So kommen auch Leute ins Gespräch, die vorher nicht so viel miteinander zu tun hatten“, so Vogt.

Um in Roßbach die vielen Fahrenbachs, Hoffmanns, Schmidts, Dörflers und Steinfelds auseinanderhalten zu können, war man von jeher gezwungen, Beinamen zu vergeben. Diese leiteten sich oftmals aus Vor- oder Zunamen der früheren Besitzer, seines Berufes oder seiner Lage ab. Die Namen sind bis heute im Dorf präsent. So heißen Fahrenbachs (Auf dem Winkel) Wainers, weil früher ein Wagner im Haus war. Fahrenbachs in der Oberen Bachstraße heißen Kunrods, weil mal ein Fahrenbach Konrad hieß. „Es gab insgesamt 26 Fahrenbachs in Roßbach, da musste man jedem einen Spitznamen geben“, sagte Marie Fahrenbach, die als Fahrenbach geboren wurde und auch wieder einen Fahrenbach geheiratet hat.

Wenn man bei Brauns im Bergweg einkehrt, ist man „Bi Schwiens“, weil in dem Haus mal ein Schweinehirte wohnte. „Seit Jahren wacht bereits Waldemar, unser Betonschwein, neben dem Eingang“, sagte Gudrun Braun. Weil der Urur-Großvater von Else Mather Lehrer war und auch nebenbei noch gearbeitet hat, ist ihr Haus in der Oberen Bachstraße das Haus vom Schul-Jörjens.

Neben einem Eigenbeitrag haben sich als Sponsoren der Roßbächer Bayern-Fanclub, die VR-Bank, die Oldtimerfreunde Roßbach, Dirk Rabe, Fleischerei Steinfeld und Bäckerei Träbing beteiligt. Zusätzlich zu den bestellten Hausschildern hat Tischlermeister Rainer Bader dem Ortsvorsteher ein Hausschild übergeben, das für die nächsten fünf Jahre bei Herbert Hoffmann im Berghof hängen wird. Sollten noch weitere alte Hausnamen existieren, können sich die Besitzer mit den Initiatoren in Verbindung setzen. (znb)

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