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Institut untersucht Fledermaus-Vorkommen in Witzenhausen – Seltene Arten gefunden

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Von: Wiebke Huck

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15 Fledermausarten leben in Witzenhausen. Eine von ihnen ist das  Braune Langohr.
15 Fledermausarten leben in Witzenhausen. Eine von ihnen ist das Braune Langohr. © Wiebke Huck

Sie fliegen nahezu lautlos durch die Nacht, haben klangvolle Namen wie „Großes Mausohr“ und „Kleinabendsegler“ und werden immer wieder, völlig zu Unrecht, als Blutsauger bezeichnet. Auch im Werra-Meißner-Kreis leben Fledermäuse – 15 Arten konnten bereits festgestellt werden, auch das Große Mausohr und der Kleinabendsegler sind darunter.

Wendershausen - Nachdem der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land zusammen mit dem Institut für Tierökologie und Naturbildung im vergangenen Jahr bereits erste Untersuchungen mit Fledermausdetektoren, sogenannten Batcordern, vornahm, fanden jüngst an verschiedenen Standorten Netzfänge statt, um die Untersuchungen zu vertiefen.

„Mit den Fledermausdetektoren konnten bereits erste Hinweise auf Arten im Werra-Meißner-Kreis gesammelt werden, die besonders große Ansprüche an die Beschaffenheit ihrer Lebensräume stellen“, erklärt Susanne Pfingst vom Geo-Naturpark.

Dazu gehören unter anderem die Mopsfledermaus und die Bechsteinfledermaus. Letztere ging den Fledermaus-Expertinnen Britta Horchler, Anja Fritzsche und Elena Krannich vom Institut für Tierökologie und Naturbildung erst kürzlich in Witzenhausen ins Netz. Beide Arten werden vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie als sogenannte „Klimaverliererarten“ bezeichnet, da sie besonders empfindlich auf die Folgen des Klimawandels reagieren.

Fingerspitzengefühl ist gefragt: Fledermaus-Expertin Anja Fritsche befreit vorsichtig eine Fledermaus aus dem Netz, die danach gewogen und gemessen wird.
Fingerspitzengefühl ist gefragt: Fledermaus-Expertin Anja Fritsche befreit vorsichtig eine Fledermaus aus dem Netz, die danach gewogen und gemessen wird. © Wiebke huck

Insgesamt 51 Fledermäuse konnten in 4 aufeinanderfolgenden Nächten gefangen und bestimmt werden. Stets achten die Expertinnen dabei penibel darauf, dass den Fledermäusen kein Schaden zugefügt wird. Die Netze, die sie unter anderem in einer Streuobstwiese oberhalb von Wendershausen aufgestellt hatten, sind feinste Puppenhaarnetze. Die Tiere verfangen sich zwar, verletzen sich dabei aber nicht. Insgesamt fünf zum Teil acht Meter hohe Netze stellten Elena Krannich und ihre Kolleginnen auf. Sie sind an ausziehbaren Angelruten befestigt und sind so in der Höhe variabel. Immer wieder laufen die drei Frauen nach Einbruch der Dunkelheit die Netze ab, damit keine Fledermaus länger als unbedingt nötig gefangen bleibt.

Sie befreien sie vorsichtig mithilfe einer Häkelnadel aus dem Netz, dann kommt die Fledermaus in ein kleines Stoffsäckchen, damit sie sich beruhigen kann.

Nach kurzer Zeit wird das Tier gewogen, die Flügel werden begutachtet, Milben gezählt, das Geschlecht bestimmt und die Länge des Unterarms gemessen. Wenn noch nicht ganz klar ist, um welche Fledermausart es sich handelt, weil viele sich sehr ähnlich sehen, geben Ohr- und Daumenlängen Aufschluss.

Danach bekommt jede Fledermaus noch einen Klecks weißen Nagellack auf ihre Krallen, so können die Expertinnen schnell erkennen, wenn sich ein Tier zwei Mal in einer Nacht in eines der Netze verirrt, und schon werden sie wieder freigelassen.

Maniküre mal anders: Mit Nagellack markieren die Mitarbeiterinnen des Instituts die Tiere, um sie zu erkennen, falls sie ein zweites Mal im Netz landen.
Maniküre mal anders: Mit Nagellack markieren die Mitarbeiterinnen des Instituts die Tiere, um sie zu erkennen, falls sie ein zweites Mal im Netz landen. © Huck, Wiebke

Jeweils ein weibliches Tier der seltenen Bechsteinfledermaus und des Braunen Langohrs wurden vorher noch mit einem kleinen Sender ausgestattet, der mit Hautkleber auf dem Rücken angebracht wird und nach wenigen Tagen wieder abfällt. So haben die beiden Tiere die Fledermaus-Forscherinnen zu ihren Kolonien geführt.

Weibliche Tiere und Jungtiere leben in der Regel den Sommer über in Wochenstubenquartieren zusammen. „Die Bechsteinfledermaus-Kolonie sitzt in Baumhöhlen im Wald. Die Kolonie des Braunen Langohrs haben wir in einer Scheune in Witzenhausen gefunden“, erklärt Elena Krannich.

Untersuchung: Die Flügel werden vom Elena Krannich durchleuchtet, so lässt sich das Alter der Tiere feststellen.
Untersuchung: Die Flügel werden vom Elena Krannich durchleuchtet, so lässt sich das Alter der Tiere feststellen. © Huck, Wiebke

Am Morgen nach dem Fang haben sie den Standort des Senders bestimmt, in der darauffolgenden Nacht die Tiere, die ausgeflogen sind, gezählt. Ins Netz gingen außerdem Exemplare der Breitflügelfledermaus sowie der Wasserfledermaus, Bartfledermaus, Fransenfledermaus, Zwergfledermäuse und mehrere Braune Langohren. (Wiebke Huck)

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