Teilzeit für Männer schwierig

Internationaler Männertag: Vater im Spagat zwischen Familie und Beruf

Möchte für seine Kinder ein Vorbild sein: Hannes Holtermann versucht, in Teilzeit Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Die Berufswelt macht es ihm dabei schwer.
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Möchte für seine Kinder ein Vorbild sein: Hannes Holtermann versucht, in Teilzeit Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Die Berufswelt macht es ihm dabei schwer.

Heute (19. November) ist Internationaler Männertag. Anlass, um zu schauen, wo beim vermeintlich starken Geschlecht der Schuh drückt. Es geht um Beruf und Familie.

Witzenhausen - Dreimal war sich Hannes Holtermann mit einem Arbeitgeber nach dem Vorstellungsgespräch schon so gut wie einig. Es folgte der obligatorische Abschluss: „Haben Sie noch Fragen, Herr Holtermann?“ Wenn Hannes Holtermann dann seine Teilzeit-Wünsche ansprach, war ihm eine Ablehnung gewiss. Das ärgert den 37-Jährigen. Denn der Diplom-Geograph möchte arbeiten und für seine Familie da sein.

Vorbild für seine Kinder und andere Männer

Hannes Holtermann kümmert sich als aktiver Vater um seine vier Kinder. Die sind sieben, fünf und zweimal zweieinhalb Jahre alt. Er hat sich bewusst dafür entschieden, für seine Familie Auszeiten zu nehmen. „Ich möchte ein Vorbild sein“, sagt Hannes Holtermann. Damit seine Kinder, aber auch andere Männer, ein anderes Bild verinnerlichen. „Fürsorgearbeit können auch Männer übernehmen.“

Das Elterngeld-Modell empfindet Holtermann dabei als gutes Produkt. Als sein erster Sohn geboren wurde, hat er erst mal mit den üblichen zwei Monaten Elternzeit, die Väter nehmen, angefangen. Beim zweiten Kind waren es schon drei Monate, bei den Zwillingen fünf Monate. Die sind zwar schon längst rum, doch Holtermann kümmert sich immer noch überwiegend um die Familie – weil ihm nicht die Chance gegeben wird, in Teilzeit zu arbeiten.

Teilzeit für Männer ist nicht vorgesehen

Hannes Holtermann

Am Anfang hat er seinen Wunsch nach Teilzeit noch in die Bewerbungen hineingeschrieben. Da blieben die Einladungen zu Bewerbungsgesprächen aus. Erst, als er diesen Zusatz weggelassen hat, kam es zur persönlichen Vorstellung, die aber dann endete, wenn er die Teilzeit ins Gespräch brachte. „Das ist kein Problem des ländlichen Raums, die Erfahrung habe ich überall gemacht“, sagt Holtermann. Der Geograph bewirbt sich deutschlandweit. Seit Fazit: „In männerdominierten Berufen ist die Fürsorgearbeit kein kapitalistischer Wert und wird deswegen nicht unterstützt.“ Teilzeit für Männer ist nicht vorgesehen. Dabei seien Teilzeit und flexible Modelle in einer modernen Arbeitswelt besonders wichtig. „Ausgeruhte Arbeitnehmer können während ihrer Arbeitszeit mehr leisten.“

Alternative ist oft die Selbstständigkeit

Die Zeit ohne festen Job nutzt Holtermann seit Juni 2020 so sinnvoll wie möglich. Er nimmt neben der Familienzeit kleinere Aufträge an, bildet sich fort. Er hat das Ehrenamt für sich entdeckt, engagiert sich beispielsweise im Elternbeirat. Voll zufrieden stimmt ihn die Situation nicht. „Warum ist es nicht möglich, seine Vaterolle ausüben zu dürfen und sich beruflich zu verwirklichen?“ Sollte er keine Teilzeitstelle finden, bliebe ihm wahrscheinlich nur der Weg in die Selbstständigkeit. Das bedeutet aber auch, weniger Zeit für seine Familie zur Verfügung zu haben.

Konflikt für Männer: Spagat zwischen Familie und Beruf

Mit seinem Problem ist Hannes Holtermann nicht allein. Im Freundeskreis mit Männern in seiner Lebensphase gibt es ähnliche Konstellationen – wenn auch unkomplizierter. Alle müssten den Konflikt zwischen Zeit für die Familie und dem erfolgreichen Berufsmenschen hinbekommen. „Das ist ein strukturelles Problem unserer Gesellschaft – übrigens für Väter und Mütter gleichermaßen.“

Hannes Holtermann wird sich weiter bewerben – und auch seinen Wunsch nach Teilzeit kommunizieren. Er hofft auf einen Arbeitgeber, der in der modernen Arbeitswelt schon angekommen ist. (Tobias Stück)

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