Interview mit Petra Reiser

Bestatterin rät: Mit Angehörigen über Wünsche für Beerdigung reden

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Organisiert Beerdigungen: Bestatterin Petra Reiser geht das Schicksal der Angehörigen immer nahe, auch wenn sie für ihren Beruf eine gewisse Distanz bewahren muss.

Witzenhausen. Sie hat 1988 das Bestattungsinstitut Kraft-Söder in Witzenhausen übernommen. Aus der Arzthelferin wurde eine Bestatterin: Petra Reiser. Jedes Jahr organisiert sie bis zu 100 Beerdigungen in der Region.

Wir sprachen mit ihr über ihre Aufgabe und warum es wichtig ist, sich früh mit der eigenen Beerdigung auseinanderzusetzen.

Was bedeutet der Trend der Urnengräber für die Bestattungskultur?

Petra Reiser: Die Friedhofskultur nimmt letztendlich ab. Der Trend geht dahin, weil viele junge Leute aus der Region wegziehen und in der Stadt bleiben. Die Älteren bleiben hier wohnen. Für Angehörige ist dann ein Urnengrab pflegeleichter als eine Erdbestattung.

Was raten Sie Ihren Kunden?

Reiser: Sie sollten es selbst entscheiden. Ich rate den älteren Herrschaften, das Gespräch mit ihren Angehörigen zu suchen. Jeder muss sich selbst die Frage beantworten: Was stelle ich mir für meine Bestattung vor?

Da gibt es ja viele Möglichkeiten.

Reiser: Genau, mittlerweile kann man sich viel vorstellen. Es gibt neben der Erdbestattung die Seebestattung, Feuerbestattung oder Friedwaldbestattung. Man kann einen Sarg nicht einfach nach Katalog bestellen. Im Katalog kann man nur sehen, nicht fühlen. Daher ist es wichtig, dass man Kontakt mit dem Sarg hat.

Was zählt zu Ihren Aufgaben, wenn Angehörige zu Ihnen kommen?

Reiser: Wir sind von Anfang an für die Angehörigen da bis über die Beisetzung hinaus. Die Verstorbenen werden zunächst hygienisch versorgt und angekleidet. Dann werden sie zum Friedhof überführt. Früher trugen die Herren ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug. Die Damen ein dunkles Kleid. Das hat sich gewandelt. Heute tragen sie oft ihre Lieblingskleidung.

Was noch?

Reiser: Wir übernehmen die Organisation, die mit viel Bürokratie verbunden ist. Von Kerzen, Kränzen bis zum Kondolenzbuch. Eine Stunde vor der Trauerfeier spielen wir leise Musik.

Wie gehen Sie persönlich mit dem Thema Tod um?

Reiser: Schwere Frage. Eine gewisse Distanz braucht man. Aber es ist immer Mitgefühl für die Angehörigen da. Jeder geht individuell mit seiner Trauer um. Manche sind in sich gekehrt, andere weinen, andere wollen reden. Manchmal wird am Ende des Gesprächs auch über die Anekdoten aus dem Leben des Verstorbenen gelacht.

Was geht Ihnen besonders nahe?

Reiser: Wenn Kinder sterben, ist das immer besonders traurig. Eine Familie wollte den Verstorbenen bis zur Beisetzung Zuhause behalten. Der Sarg wurde dorthin gebracht und von Freunden bemalt. In der Regel findet die Beisetzung zwischen vier bis sechs Tage nach dem Tod des Verstorbenen statt. Wenn Eltern ein Kind verlieren, erstarren sie in ihrer Trauer, weil es wohl nichts Schlimmeres gibt.

Zur Person

Petra Reiser ist 57 Jahre alt. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Ihr Unternehmen ist 24 Stunden erreichbar. Ursprünglich war sie Arzthelferin und übernahm 1988 den Betrieb ihres Vaters Günter. Dieser hatte Bestattungen Kraft-Söder 1983 in Witzenhausen aufgebaut. Bis 1999 führte sie noch ein dazugehörige Blumengeschäft, was sie dann aufgab. Wenn Petra Reiser nicht gerade Beerdigungen organisiert, kümmert sie sich am Liebsten um ihren Hund Nieck, mit dem sie oft spazieren geht.

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