Auf der Jagd nach Pokémon in Witzenhausen

Am PokéStop: Björn Steinmetz beim Pokémon-Einfangen an der Liebfrauenkirche in Witzenhausen. Im Spiel sind lokale Orte wie die Grabsteine gespeichert und sichtbar. Foto:  Schaub

Witzenhausen. „Ich könnte die Arena einnehmen", sagt Björn Steinmetz. Er steht mit seinem Smartphone vor der Liebfrauenkirche und spielt „Pokémon Go".

Sein Display zeigt eine Karte an. Dort, wo die Kirche ist, blinkt eine rote Arena. Um sie zu erobern, müsste er Lahmus, das dicke rosa Pokémon, besiegen. Und das ist zu stark. Es hat 834 Kampfpunkte.

Den 27-Jährigen hat das Jagdfieber gepackt. Seit vergangenem Samstag läuft er mit Mobiltelefon den kleinen bunten Tierchen hinterher, die er aus seiner Schulzeit von den Sammelkarten oder vom Gameboy kennt: Pokémon. „Ich hab früher alles gemacht“, sagt der Familienvater: Karten gesammelt, Gameboy gezockt, getauscht. Seit einer Woche gibt es die virtuellen Tierchen rund um das bekannte, gelbe Pokémon Pikachu auch als sogenanntes Augmented-Reality-Spiel für das Handy: Man lädt eine App herunter, gestaltet eine Spielfigur, lässt die App über GPS auf seinen Standort zugreifen und dann: jagen, kämpfen, tauschen. Das Außergewöhnliche ist, dass der Spieler raus an die frische Luft muss. Und: Die reale Welt ist die Spielumgebung. Die virtuelle Figur läuft auf dem Smartphone über das GPS-Signal mit dem Spieler mit, und die Spielfläche auf dem Display gleicht der echten Umgebung. An bestimmten Stellen, wie an der Liebfrauenkirche in Witzenhausen, geben Orte Hinweise auf versteckte Pokémon, die der Spieler einfangen muss.

Ob an der Werra, im Park oder auf dem Marktplatz: Seit dem Spielstart am 13. Juli sind Fußgänger, die abwechselnd auf ihr Handy und in die Umgebung starren, leicht als Spieler von „Pokémon Go“ zu identifizieren und meist in Gruppen unterwegs.

Auch Björn Steinmetz hat seine 12-jährige Tochter mitgenommen. Toll findet der Familienvater, dass beide zum Spielen raus müssen und sich bewegen. „Das ist besser, als nur zu Hause herumzusitzen.“ Sie würden jetzt Orte in Witzenhausen entdecken, die sie vorher nicht kannten. Das Spiel an der frischen Luft hat auch seine Tochter in den Bann gezogen. Mit einem Fingerwisch über den Bildschirm aktiviert Steinmetz am Grabmal vor der Liebfrauenkirche vier rot-weiße Pokébälle. Damit kann er jetzt Pokémon, die er findet, abwerfen und einfangen.

Seit Spielstart ist Steinmetz regelmäßig unterwegs, auch mit der ganzen Familie. Lässt ein Spieler sein GPS-Signal auf dem Handy an, kann er auf dem Weg nebenher Pokémon einfangen. „Mit dem Auto geht es natürlich schneller voran“, sagt Steinmetz. Dass permanent das GPS-Signal eingeschaltet ist und Dritte verfolgen könnten, wo er ist, sieht Steinmetz kritisch.

„Da“, ruft der Spieler, „da ist was!“. Vor der Kirscheninfotafel im Park zeigt das Handy ein kleines Taubsi an. Steinmetz wirft den Pokéball und zack, gehört das Pokémon ihm. Wieder eins mehr.

Die App „Pokémon Go“ kann kostenlos auf dem Handy installiert werden. Mithilfe der GPS-Daten des Handys generiert sie die Spielumgebung und der Nutzer spielt an realen Orten, die auf dem Handy angezeigt und teilweise mit Fotos hinterlegt sind. Dort verstecken sich verschiedene Pokémon, die angelockt, gefangen, aufgepäppelt sowie getauscht werden und gegeneinander kämpfen können. Spielgegenstände wie Himbeeren, Eier oder ein Trank helfen dabei. Der Spieler muss sie in der Umgebung finden.

Nach Australien und Neuseeland ist das Spiel am 13. Juli auch in Deutschland veröffentlicht worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.