Ersterwähnung am 4. Juli 1415

600 Jahre Burg Ludwigstein: Die erste von drei Festen

Trutzig und markant seit 1415: Die Burg Ludwigstein überragt seit 600 Jahren das Werratal. Foto: Forbert

2015 feiert die Jugendburg Ludwigstein mit ihrem 600-jährigen Bestehen ein bedeutendes Jubiläum. Wir berichten in einer Serie über die ereignisreichen sechs Jahrhunderte.

Am Donnerstag nach dem heiligen Fest von Peter und Paul war‘s, als sich ein Bautrupp auf Geheiß des Schultheißen zu Homberg an der Efze aufmachte, „zu buwende den ludewygesteyn“ - also den Ludwigstein zu bauen.

Im Gepäck hatten sie an diesem 4. Juli 1415 „eyn fuder byers“, eine Fuder Bier (952 Liter), ein Vorrat, der später noch um ein weiteres Fuder aufgefüllt wurde.

Mit dieser ersten Erwähnung im Rechnungsbuch des Schultheißen lässt sich recht genau datieren, wann mit den Bauarbeiten vor 600 Jahren begonnen wurde. Er war verpflichtet worden, eine Mannschaft zusammen zu stellen und diese zum Bauplatz zu schicken.

Dass nicht alle Untertanen bereitwillig diesen außerordentlichen Dienst für ihren Landgrafen Ludwig I. verrichteten, zeigt die Strafe, die der Schultheiß gegen Einwohner von Wernswig (heute der größte Stadtteil von Homberg/Efze) verhängte, weil diese ihren Dienst versäumt hatten.

Die Burg Ludwigstein war die erste von drei Festen, die innerhalb von vier Jahren zur Wahrung der hessischen Grenze im Osten errichtet wurden. Zudem sicherte die Burg eine wichtige Handelsstraße entlang der Werra. 1416 entstand Schloss Ludwigseck und 1419 Burg Ludwigsau im heutigen Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Schneller Bau 

Der Bau ging schnell. Bereits rund zehn Monate nach der Ersterwähnung - am 28. April 1416 - bestellte Landgraf Ludwig I. seinen Marschall Hans von Dörnberg (1380-1438) zum ersten Amtmann der Burg Ludwigstein, der für die umliegenden Dörfer und Witzenhausen zuständig war. Mit ihm auf die Feste zog seine Frau Lena von Neter.

Heute wird angenommen, dass die beiden die Baumaßnahmen mit vorbereitet haben und im Vorfeld für die passende Ausstattung sorgten. In der ersten Inventarliste aus dem Jahr 1416 sind detailliert alle Gegenstände für das tägliche Leben verzeichnet, zum Beispiel Küchengerät, Betten, Waffen und Esel für die Wasserversorgung.

Der Landesherr Ludwig I. (1402-1458) war zum Zeitpunkt des Baubeginns gerade einmal 13 Jahre alt und stand unter Vormundschaft. Er wurde auch „Der Friedfertige“ genannt: Wobei, allzu friedlich ging es während der ersten Jahre seiner Herrschaft nicht zu. Immer wieder kam es zu Scharmützeln mit den kurmainzischen Erzbischöfen um Städte an der Werra.

Erst 1427 - elf Jahre nach Fertigstellung der Grenz-Feste Ludwigstein - gelang es Ludwig I. nach zwei Entscheidungsschlachten, das Erzstift Mainz aus Hessen zu verdrängen und den so genannten „Frankfurter Frieden“ herbeizuführen. (nh)

Von Nicole Demmer und Dr. Susanne Rappe-Weber

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