35 Jahre lang Markthändler: Stadt ist wie Familie

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Die Tage seines Gemüsestandes auf dem Markt in Witzenhausen sind gezählt: Karl Steube (Mitte) wird beim Verkauf von seinem Enkel Elias Steube und Hannelore Albert unterstützt.

Witzenhausen. 35 Jahre lang verkaufte Karl Steube aus Wanfried jeden Freitag sein selbst angebautes Gemüse auf dem Wochenmarkt in Witzenhausen. Doch zum Jahresende ist Schluss.

Egal ob bei -15 Grad Kälte im Winter oder bei 30 Grad Hitze im Sommer - Karl Steube verkauft seit 35 Jahren jeden Freitagvormittag sein selbst angebautes Gemüse auf dem Markt in Witzenhausen. „Nur ein einziges Mal habe ich gefehlt. Da war mein Anhänger kaputt“, erinnert sich der 69-Jährige aus Wanfried. Jeden Mittwoch und Samstag steht er zudem mit seinem Gemüsestand auf dem Markt in Eschwege.

Zum Jahresende ist allerdings sowohl dort als auch in Witzenhausen Schluss für Steube. Seine Ehefrau Inge, mit der er seit 45 Jahren verheiratet ist, ist schwer krank und er möchte mehr Zeit für sie haben. Dennoch fällt ihm der Abschied von der Kirschenstadt schwer. „Ich bin von zu Hause weggefahren und in Witzenhausen angekommen“, sagt er mit Tränen in den Augen. Und fügt hinzu: „Das war vom ersten Tag an meine Stadt. Die Menschen hier sind wie eine Familie.“ 1938 hat Steubes Großmutter die Gärtnerei gegründet, 1971 hat er diese von seinem Vater übernommen. Mitte der 60er- Jahre hat Steube seine Ausbildung zum Gärtner abgeschlossen. „Während der ganzen Jahre war die Arbeit nie anstrengend für mich. Es war immer ein Stück Leben“, sagt der Wanfrieder, der für seine Kunden immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat.

Sein Gewächshaus in Wanfried ist 2700 Quadratmeter groß. Dort und auf 17 Hektar Ackerland baut er insgesamt 164 Kulturen an. Die Bandbreite der Gemüsesorten reicht dabei von verschiedenen Salatsorten über Pastinaken, Paprika, Gurken und Kartoffeln. „Ich habe aber auch schon rosa-farbigen Blumenkohl und blauen Brokkoli angebaut.“ 95 Prozent seiner Ware produziert Steube selbst. Das Obst kauft er von Händlern aus der Region. Der Wanfrieder verwendet keine Fremdstoffe und keinen Klärschlamm auf seinen Feldern: „Ich habe immer das Wohl meiner Kunden im Auge gehabt.“

Bis zu 200 Menschen am Tag kaufen bei Steube ein, die meisten davon sind Stammkunden. „Mein Feldsalat ist der Renner bei den Kunden. Aber auch meine Kartoffeln, Tomaten, Gurken und Paprika sind beliebt“, weiß Steube. Einer seiner treuesten Kunden fährt jeden Freitag extra von Kassel nach Witzenhausen, um sich bei ihm Gemüse zu besorgen.

Auch im wohlverdienten Ruhestand kann Steube das Gärtnern nicht sein lassen: „Mein eigenes Gemüse baue ich bis zum letzten Tag an.“ Außerdem plane er für nächstes Jahr die Eröffnung eines Hofladens. Die Kunden von Steube müssen also auch in Zukunft nicht auf sein Gemüse verzichten.

Nachfolgersuche gestaltet sich schwierig

Ein Nachfolger für den Standplatz des Gemüsehändlers Steube steht bisher noch nicht fest. „Es gab bisher zwei Bewerber, doch die haben kein Interesse mehr“, sagt Bernd-Dieter Köhler von der Stadt Witzenhausen. Man sei bemüht Ersatz zu finden, doch die Suche gestaltet sich schwierig. „Die Suche ist ähnlich mühsam wie bei einer Arztpraxis auf dem Land“, erklärt Köhler. Bevorzugt für den Standplatz sei ein Gemüsehändler, aber auch andere Beschicker können sich melden.

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