Aus für Automobilzulieferer

JD Norman schließt Werke in Witzenhausen und Eisenach

Die Mitarbeiter von JD Norman haben bei der Betriebsversammlung am Donnerstag von der Schließung der Werke in Witzenhausen und Hörselberg-Hainich bei Eisenach erfahren.
+
Die Mitarbeiter von JD Norman haben bei der Betriebsversammlung am Donnerstag von der Schließung der Werke in Witzenhausen und Hörselberg-Hainich bei Eisenach erfahren.

Am Donnerstag wurde bei einer Betriebsversammlung des Motorenzulieferer JD Norman (ehemals Rege) die Schließung der Werke in Witzenhausen und Hörselberg-Hainich bei Eisenach verkündet.

Witzenhausen - Es sei trotz intensiver Suche nicht gelungen, einen Investor zu finden, heißt es in einer Pressemitteilung des Insolvenzverwalters Dr. Holger Leichtle von Schultze & Braun. Durch Corona seien die Werke im März zum Stillstand gekommen und auch wenn die Arbeit im April wieder aufgenommen wurde, würden die Auswirkungen bis heute nachhallen, so Leichtle.

Nachdem das Gerücht sich schon seit geraumer Zeit hielt, ist es nun offiziell: Am Donnerstag verkündete der Insolvenzverwalter des Motorenzulieferers JD Norman (ehemals Rege), in einer Betriebsversammlung, dass beide Standorte in Witzenhausen und Hörselberg-Hainich bei Eisenach geschlossen werden.

JD Norman schließt Werke in Witzenhausen und Hörselberg-Hainich

Einer der Gründe: die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Industrie. Betroffen von der Schließung sind rund 150 Mitarbeiter in Witzenhausen und 450 Mitarbeiter in Hörselberg-Hainich, wo zeitgleich eine Betriebsversammlung stattfand.

Gut 80 der Witzenhäuser Mitarbeiter lauschten den Ausführungen von Insolvenzverwalter Dr. Dirk Herzig von Schultze & Braun, der erläuterte, dass es von November bis Februar „sehr intensive Gespräche“ mit potenziellen Investoren gegeben habe. Zudem wurde durch die Insolvenzverwalter selbst eine Sanierungsskizze gefertigt. In einer Pressemitteilung spricht Insolvenzverwalter Dr. Holger Leichtle von mehr als 550 nationalen und internationalen potenziellen Investoren.

Insolvenz von JD Norman: Werke schließen

Zudem gab es Gespräche mit dem Hauptkunden VW über garantierte Absatzmengen und eine notwendige Preiserhöhung. Hier waren die Vorstellungen laut der Mitteilung nicht in Einklang zu bringen. Ursprünglich sollte die Fortführungsvereinbarung über die Begleichung von Verbindlichkeiten mit VW am 31. Juli enden. Leichtle sei es jedoch gelungen, diese bis zum 30. September zu verlängern. Für die Mitarbeiter heißt das, dass sie in den kommenden Tagen ihre Kündigung zum 30. September erhalten.

Dies gelte auch für die Angestellten, die eine kürzere Kündigungsfrist haben, so Herzig. Zudem erhalten sie ihr volles Urlaubsgeld und mit dem letzten Gehalt einen Abschlag. Bei anderen Insolvenzabwicklungen sei dies nicht üblich. Zudem arbeite der Insolvenzverwalter gut mit der Agentur für Arbeit zusammen und könne so etwa Arbeitslosen-Meldungen für alle abgeben. Herzig lobte das Engagement der Belegschaft, die auch in Krisenzeiten qualitativ gute Arbeit geleistet habe.

JD Norman insolvent: Schließung der Werke in Deutschland

„Wir haben noch Hoffnung“, sagte Betriebsratsvorsitzender Werner Hiebenthal nach der Versammlung. Immerhin gebe es zwei Konzepte: Die Werkbankregelung, bei der die Fertigung für andere Industriezweige geöffnet wird, und die „Management-by-out-Lösung, bei der Belegschaftsmitglieder die Unternehmensführung übernehmen (HNA berichtete). Hier gibt es laut Hiebenthal schon Ansätze, aber noch keine konkreten Konzepte. Trotzdem gibt er sich kämpferisch: „Wir werden bis zum letzten Tag versuchen, den Standort zu erhalten“, sagt er und „es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist“. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Dezember 2019, hatte JD Norman zunächst verkündet, dass der Betrieb in Witzenhausen weiter laufen solle.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.