Corona-Lockdown verlängert - Das Lernen von Zuhause aus geht weiter

„Jetzt sind die Eltern gefragt“ - Vater Carsten Frensel über Homeschooling und Sorgen von Familien

Lernen Zuhause: Carsten Frensel hilft seiner zwölfjährigen Tochter Lili im Homeschooling. Er kennt die Herausforderungen, die Distanzunterricht mit sich bringt.
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Lernen Zuhause: Carsten Frensel hilft seiner zwölfjährigen Tochter Lili im Homeschooling. Er kennt die Herausforderungen, die Distanzunterricht mit sich bringt.

Bund und Länder haben den Lockdown wegen der Corona-Pandemie erneut verschärft. Bis 14. Februar soll vor allem von Zuhause gelernt und gearbeitet werden. Wir haben mit Betroffenen gesprochen.

Witzenhausen – Corona stellt für Eltern mit schulpflichtigen Kindern oft eine Herausforderung dar. Wie er den Alltag mit Homeschooling erlebt und mit welchen Sorgen andere Eltern an ihn herantreten, wollten wir von Vater Carsten Frensel wissen. Er ist Elternvertreter in den Klassen seiner Töchter (12 und 15 Jahre) an der Johannisbergschule in Witzenhausen.

Wie sieht die Situation bei Ihnen zuhause aus?
Meine Frau und ich sind beide als Beamte im Schichtdienst tätig. Unsere Dienste erfolgen versetzt. Dadurch ist meistens jemand zu Hause bei den Kindern. So ergeben sich für uns keine unlösbaren Herausforderungen oder besondere Schwierigkeiten bei der Betreuung der Kinder.
Wie nehmen Sie die Zeit im Lockdown wahr?
Die Gesamtsituation um den Lockdown herum wirkt aktuell eher entschleunigend. Das hat sicher auch mit den eingeschränkten Freizeitaktivitäten und vermeintlichen familiären Verpflichtungen zu tun. Weil die Kinder durch den Fernunterricht nicht immer pünktlich in der Schule erscheinen müssen und sich die Zeit oft frei einteilen können, kommt es zu einer Entzerrung des Alltags.
Wo liegen jetzt für viele Eltern die Schwierigkeiten?
Insbesondere für Eltern jüngerer Kinder dürfte die Betreuungssituation die größte Herausforderung darstellen. Noch schwieriger dürfte es für Alleinerziehende sein. Hinzu kommt die Hilfe bei der Aufgabenbewältigung, die in der Schule Lehrer oder Mitschüler übernehmen. Jetzt sind die Eltern gefragt.
Welche Ängste haben Eltern?
Die Ungewissheit, wie sich die gesamte Lage in Deutschland und der Welt entwickelt, führt zu Unsicherheit, bei einigen sogar zu ernst zu nehmenden Existenzängsten. Die nicht direkt an die Kinder weiterzuleiten, ihnen ihre kindliche Art und Freiheit zu erhalten, sich dabei nicht aufzureiben und gleichzeitig selbst in der Situation bestehen zu wollen, ist eine enorme Herausforderung.
Was könnte die Situation entschärfen?
Eine gute Selbstorganisation der Kinder hilft sehr. Hier haben wir in unserer Familie wirklich Glück. Fehlt eine gute Selbstorganisation, könnten sich größere Schwierigkeiten einstellen. Aber auch hier leistet die Schule über das Schulportal Lanis bereits hervorragende Arbeit, indem klare Aufgaben gestellt und mit Lösungsvarianten versehen werden. Das trägt zur eigenverantwortlichen Bearbeitung der Aufgaben bei.
Welche Fragen haben Eltern an Sie?
Vor den Weihnachtsferien erreichten mich hauptsächlich Fragen zu Ferienbeginn und Feriendauer. Einige Eltern machten sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder in der Schule und auf dem Schulweg. Hier wurde vielfach der Wunsch nach Wechselunterricht oder versetzten Anfangszeiten laut. Auch die Bussituation wurde immer wieder bemängelt. Viele Eltern wollten wissen, wie sie sich richtig verhalten, wenn Familienangehörige an Covid-19 erkranken oder unter Quarantäne gestellt werden.
Gibt es einen Unterschied zum ersten Lockdown?
Aktuell scheint die Gesamtsituation geordneter zu sein. Die Organisation der Kinder und die Vernetzung des Unterrichts zwischen Lehrern, Schule und Kindern wirkt optimiert und problemlos, abgesehen von anfänglichen Login-Schwierigkeiten am ersten Schultag nach den Ferien.
Wie beurteilen Sie die Organisation der Schule?
Die Arbeitssituation wirkt deutlich optimiert. Eltern haben über Lanis Zugang zur Schulkommunikation. Elternvertretung und Schulleitung haben einen Fragen-Antwort-Katalog erstellt, der auf der Schulhomepage zu finden ist. Dort gibt es auch Erklärvideos für Eltern und Schüler. Die Aufgaben im Lanis wirken klar, die Lösungen werden von den Lehrern gut aufbereitet. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und uns Eltern würde ich als vorbildlich bezeichnen.
Haben Sie trotzdem noch Verbesserungsvorschläge?
Mein persönlicher Wunsch wäre eine deutliche Erhöhung der Anzahl der Videokonferenzen in allen Fächern. Dadurch würden auch die sozialen Komponenten gestärkt. Auch gemeinsame Pausenzeiten und damit verbundene Interaktion wären denkbar zur Förderung sozialer Kontakte. Diese Form des Unterrichtes könnte in allen Fächern Anwendung finden. Es könnten ganz neue Wege gefunden werden, die von den Schülern sicher gut aufgenommen würden.
Wie schätzen Sie die kommenden Wochen ein?
Bei kritischer Betrachtungsweise dürfte eine schnelle Verbesserung der Situation nicht zu erwarten sein. Insbesondere dürften aber die Kontaktbeschränkungen immer häufiger auf Kritik stoßen, weil der Mensch selbst eben sozial und kontaktfreudig ist. Die Entbehrungen, die die Kontaktbeschränkungen mit sich bringen, sind für jeden greifbar.   Hier ist zu wünschen, dass die sogenannten Querdenker nicht die Überhand bekommen und sich die Menschen weiter an vorgeschriebene Maßnahmen halten. Natürlich hoffe auch ich, dass es aufgrund der Hygienekonzepte und Impfungen bald Lockerungen des Lockdowns geben kann.
Möchten Sie anderen Eltern noch etwas sagen?
Da fällt mir ein Zitat unserer Bundeskanzlerin aus der Zeit der Herausforderungen bei der damaligen Flüchtlingswelle ein: „Wir schaffen das!“ (Wiebke Huck)

Zur Person

Carsten Frensel (49) wohnt in Hedemünden. Er arbeitet als Beamter im Öffentlichen Dienst, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Die 12 und 15 Jahre alten Mädchen besuchen die 7. und 9. Klasse der Johannisbergschule in Witzenhausen. Carsten Frensel ist in den Klassen beider Töchter als Elternvertreter aktiv. Seine Hobbys sind Familie, Sport, Camping, Heimwerken und Motorradfahren. Die Familie kümmert sich zuhause um Hund, Hamster, Zwergkaninchen und Hühner.  (hbk)

Tipps für Eltern

„Im Bedarfsfall können sich Eltern immer an die Elternvertreter wenden“, sagt Carsten Frensel, Vater einer zwölfjährigen Schülerin. Die könnten Anfragen bündeln und geschlossen an die Schulleitung weitergeben. „Dadurch wird die Schulleitung entlastet und die gewonnene Zeit steht dann für andere Dinge zur Verfügung“, erklärt er. Eltern empfiehlt der Vater, ihre Kinder zu unterstützen und zum regelmäßigen Abarbeiten der Aufgaben anzuregen. Aber auch Pausen seien wichtig, sagt er, genau wie soziale Kontakte, die Eltern fördern sollten, etwa via Telefon, sozialer Medien oder Briefe.

„Es ist außerdem keine Schande um Hilfe zu bitten“, betont Carsten Frensel. Er selbst müsse bei Mathematik, Französisch und in diversen anderen Bereichen jedes mal Nachfragen oder stundenlanges Eigenstudium betreiben. „Deshalb halte ich mich da deutlich zurück“, gibt er zu. (hbk)

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