Künstler verteidigt Fassade

Johannes Hennig diskutierte über umstrittenes Gemälde

Hat auch einen Entwurf ohne die umstrittenen Porträts gemacht: Künstler Johannes Hennig .
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Hat auch einen Entwurf ohne die umstrittenen Porträts gemacht: Künstler Johannes Hennig .

Für mehr Farbe in Witzenhausen will Künstler Johannes „Joe“ Hennig sorgen – nun muss er seinen Entwurf des Fassadengemäldes gegen Kritik verteidigen. Ihr stellte er sich im Witzenhäuser Stadtraum.

Witzenhausen – Vier Porträts großer Männer aus der Stadtgeschichte sollen laut Hennigs Vorschlag künftig auf einer Hauswand An der Bohlenbrücke zu sehen sein. Der Entwurf des Künstlers zeigt den Schriftsteller Ernst Koch, den Nachrichtenagentur-Gründer Paul Julius Reuter, den Märchensammler und Verfassungspatrioten Jacob Grimm, den Mediziner Carl Ludwig sowie den Fastenarzt Otto Buchinger.

Die Darstellung blende die Rolle von Frauen in der Geschichte aus und festige ein patriarchales Weltbild, sagen Kritiker. Dabei gebe es große Frauen wie die erste Professorin Witzenhausens, Mechthild Rommel. Stattdessen wurde angeregt, Feiernde beim Erntefest, Menschen bei der Kirschenernte oder bei der Arbeit in den einstigen Weinbergen zu zeigen.

Des Rassismus und der Verklärung des Kolonialismus wurde Hennig bezichtigt, da sein Entwurf eine Afrikanerin mit einem Korb mit Kakaofrüchten auf dem Kopf zeigt. Er wolle Witzenhausens Engagement für den fairen Handel zeigen, so Hennig. Die Initiative Witzenhausen postkolonial wies darauf hin, dass Buchinger an der einstigen Kolonialschule Tropenmedizin gelehrt hat.

„Buchinger wurde als Angehöriger der pazifistischen Glaubensgemeinschaft der Quäker und wegen seiner jüdischen Ehefrau von den Nazis aus der Stadt geekelt“, sagt Stadtarchivar Matthias Roeper.

Warum muss das Gemälde Menschen zeigen, wollten Zuhörer wissen. Hennig könne auch vom Aussterben bedrohte Tiere darstellen. Der Künstler solle die Pflanzen- und Tierwelt im Werratal zeigen. Auf Hennigs Entwurf sind neben den Porträts zahlreiche Gebäude zu sehen, darunter Kirchen und Schlösser, das Rathaus und der Diebesturm. Das sei überflüssig, da sie unübersehbar seien, so eine Kritikerin. Lieber solle der Künstler verschwundene Gebäude zeigen, wie die von Nazis abgebrannte Synagoge.

Die 15 Teilnehmer der Diskussion seien nicht repräsentativ für Witzenhausen, sagte Roeper. Er forderte eine breitere Beteiligung der Öffentlichkeit. Auf Aufrufe habe er kaum Reaktionen bekommen, so Hennig. Bürgermeister Daniel Herz bittet Bürger um Anregungen. (Michael Caspar)

Kontakt: E-Mail stadtverwaltung@witzenhausen.de

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