Asphalt statt Garten auf unbebautem Grundstück

Kampf um eine Grünfläche: Stadt plant einen Parkplatz

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Lieben ihr Grundstück an der Stubenstraße: Rainer Winkelhake und Lebensgefährtin Petra Ernst wollen die unbebaute Fläche als Biotop und Gartenfläche retten.

Witzenhausen. Eine Amsel raschelt im Laub, Spatzen landen auf den abgeschnittenen Zweigen, an den Weiden prangen erste Kätzchen.

Wenn es nach Rainer Winkelhake und Lebensgefährtin Petra Ernst geht, könnte diese Idylle mitten in Witzenhausen erhalten bleiben.

Doch die Stadt hat andere Pläne mit Winkelhakes unbebautem Grundstück an der Stubenstraße 14.

Derzeit müssen alle Autofahrer, die an der Uni geparkt haben, über Stein-, Drießen- und Südbahnhofstraße zurück zur Walburger Straße fahren. Um den Verkehr vom so genannten „DITSL-Parkplatz“ besser ableiten zu können, sollen auch in der Baulücke Parkplätze und eine Durchfahrt zur Stubenstraße entstehen. Dazu müsste Rainer Winkelhake sein Grundstück an die Stadt verkaufen - und das kommt für den 63-Jährigen nicht in Frage. Er besitzt das Grundstück seit 1996, bis vor wenigen Jahren plante er, dort ein Gesundheitszentrum mit Fachärzten einzurichten, sagt er. „Doch dafür fehlte mir die Unterstützung.“

Seine naturbegeisterte Lebensgefährtin ermunterte ihn, das Grundstück als „grüne Lunge“ für die Stadt zu erhalten. Dort, wo bis in die 1980er Jahre noch ein Wohnhaus, Scheune und Schweineställe standen, sind nur Kellergewölbe und ältere Bäume verblieben. Winkelhake und Ernst engagierten zwei Baumpfleger und brachten das verwilderte, knapp 1000 Quadratmeter große Areal vorsichtig auf Vordermann. 4000 Euro haben sie dafür investiert. Ihr Plan: Mit der Transition-Town-Initiative wollen sie Raum für Stadtgärten schaffen, 16 Parzellen à 60 Quadratmeter hätten dort Platz, so Winkelhake.

Den Bedarf der Stadt nach weiteren Parkplätzen oder nach einer Durchfahrt von DITSL-Parkplatz zur Stubenstraße sehen die beiden nicht. Um den Verkehr abzuleiten, könnte man auch die Verkehrsrichtung der Stubenstraße ändern oder den Weg an den historischen Uni-Gebäuden vorbei Richtung Zollamtsplatz für den Verkehr öffnen, schlägt Winkelhake vor. Ernst weist auf leere Parkflächen an der Schlagd hin. Außerdem fragen sich die beiden, warum die Stadt trotz klammer Kassen in ein solches Projekt investieren wolle.

„Wenn die Stadt ein neues Verkehrskonzept für die Innenstadt will, muss das ordentlich geprüft werden - auch im Hinblick auf die Folgen für Umwelt und Anwohnern“, ergänzt die Juristin Ernst. Es reiche nicht aus, einfach den Bebauungsplan zu ändern. Zudem schreibe das Baugesetzbuch vor, eine weitere Versiegelung von Flächen möglichst zu vermeiden. Von den Witzenhäusern wünschen sich die beiden Unterstützung in ihrem Engagement für eine lebenswerte Stadt.

Von Friederike Steensen 

Das sagt die Bauverwaltung

Seit 2006 sei ein Verkehrskonzept für die Altstadt in der Diskussion, berichten Bürgermeisterin Angela Fischer und Bauamtsleiter Bernd Westermann. Vor einem Jahr, Ende Februar 2014, hat die Stadtverordnetenversammlung die Änderung des Bebauungsplans für das „Stadtzentrum-Ost“ beschlossen, die vorsieht, Rainer Winkelhakes Grundstück als Verbindung des Parkplatzes an der Universität mit der Stubenstraße zu nutzen. „So haben wir als Stadt uns die Zugriffsmöglichkeit auf das Grundstück gesichert“, erklärt Westermann.

Wegen des großen öffentlichen Interesses habe man sich für den üblichen Weg für die Bebauungsplanänderung entschieden, obwohl auch ein beschleunigtes Verfahren möglich gewesen wäre. Jetzt hätten Bürger und Behörden gleich zweimal die Chance, Einwände anzumelden. Bis zum 13. März können noch Stellungnahmen bei der Stadt abgegeben werden.

Diese werden im Anschluss geprüft, gegebenenfalls in die Planung eingearbeitet und sollen noch vor der Sommerpause Bauausschuss, Magistrat und Parlament präsentiert werden, sagt Westermann und betont: „Bei der Prüfung wird jede Position gleichwertig behandelt - die von Herrn Winkelhake ebenso wie die der Stadt oder des Denkmalschutzes.“ Nach einem Beschluss des Parlaments wird der neue Bebauungsplan ausgelegt - dann können erneut Stellungnahmen abgegeben werden.

Wie die Verbindung von Stubenstraße und Parkplatz konkret aussehen soll, ist laut Westermann noch gar nicht klar - auch weil das Grundstück nicht im Besitz der Stadt ist. Es gebe lediglich mehrere Plan-Varianten. Darunter ist eine, die eine Verbindung der beiden benachbarten Häuser schaffen könnte, um die Baulücke wenigstens optisch zu schließen, wie es der Denkmalschutz bereits angemahnt habe. Keineswegs wolle man sofort alle Bäume abholzen, betont der Bauamtsleiter.

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