Chancen für Platz stehen schlecht

Kaum Platz für Kunstrasen: 400-Meter-Bahn müsste weichen

Option für Kicker? So könnte es aussehen, wenn man die 400-Meter-Bahn opfert und das große Spielfeld (rot) Richtung Eschenbornrasen verschiebt. Dann wäre Platz für ein kleines Kunstrasenfeld (blau). Die Skizze ist nicht maßstabsgetreu. Foto: Meder, Grafik: Steensen

Witzenhausen. Beim Erntefest-Umzug im vergangenen Jahr haben viele Jugendliche noch für den Bau eines Kunstrasenplatzes in Witzenhausen demonstriert. Aber die Chancen dafür sehen nicht gut aus.

Wie Bauamtsleiter Bernd Westermann am Dienstag im Bauausschuss erklärte, wäre der Bau eines solchen Platzes im Stadion an der Südbahnhofstraße mit vielen Problemen und hohen Kosten verbunden.

Die Vorteile

Ein Kunstrasenplatz kann mit bis zu 2500 Stunden pro Jahr viel häufiger bespielt werden als ein Naturrasenplatz. Denn der braucht regelmäßig Ruhephasen, um sich zu erholen, bei großer Nässe muss er – anders als Kunstrasen – gesperrt werden (Belastbarkeit: 400 bis 800 Stunden/Jahr). Auch die reinen Pflegekosten sprechen für Kunstrasen: Die Stadt Witzenhausen gibt im Schnitt 16.800 Euro für die Pflege des Stadion-Rasens aus, bei einem Kunstrasenplatz wären es nur 12.000 Euro.

Die Nachteile

Zu wenig Platz:Die einzige Möglichkeit, einen kleinen Kunstrasenplatz auf dem Stadiongelände unterzubringen wäre laut Westermann, das jetztige Spielfeld Richtung Eschenbornrasen zu verschieben und das neue Feld in die Lücke zwischen Naturrasenplatz und der Straße „In der Aue“ zu quetschen. Dazu müsste man aber die Leichtathletikanlagen und die 400-Meter-Bahn opfern, erläuterte Westermann. Er wies auch darauf hin, dass es in der Kirschenstadt keine weiteren Trainingsmöglichkeiten für Leichtathletik gibt. Diese würden aber auch für den Schulsport, Bundesjugendspiele sowie zur Abnahme von Sportabzeichen gebraucht.

Ziemlich teuer:595.000 Euro würde ein 45x65 Meter großer Kunstrasenplatz im Stadion laut Westermann kosten. Wenn man auch den Haupt-Platz mit Kunstrasen belegt, wären es 755.000 Euro. Die Stadt als der Bauträger hätte kaum Chancen auf Fördermittel, so Westermann. Maximal 50.000 Euro könnte sie erhalten. Würde allerdings ein Sportverein die Fläche auf 25 Jahre pachten und als Antragssteller auftreten, könnte er bis zu 200.000 Euro Fördermittel vom Landessportbund, dem Land, dem Kreis und der Stadt bekommen – wenn er 25 Prozent Eigenkapital einbringt. Es gebe mehrere Möglichkeiten, wie die Stadt einen Verein unterstützen könnte, so Westermann, aber: „Sie können davon ausgehen, dass die Stadt bei optimalen Förderbedingungen noch rund 400.000 Euro Eigenanteil aufbringen müsste.“

Schlechte Umweltbilanz:Kunstrasenplätze enthalten laut Bauverwaltung ein Granulat mit möglicherweise krebserregenden Stoffen. Hinzu kommt, dass die obere Schicht alle 15 Jahre zwingend erneuert werden müsse, so Westermann. Die untere Schicht spätestens alle 30 Jahre. Das birgt Folgekosten, vor allem für die Entsorgung des krebserregenden Materials. Ein regelmäßig nachgesäter Naturrasenplatz hält praktisch unendlich.

Was der SSV dazu sagt, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Witzenhäuser Allgemeinen

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