Führungen bereits seit 2007

Produktion eingestellt: Kautabakfabrik wird zum Museum

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Letzte Arbeiten: Geschäftsführerin Heidrun Kruse und Inhaber Dr. Bernd-Otto Kruse haben die Produktion in ihrer Kautabak-Manufaktur in Witzenhausen, der letzten in ganz Deutschland, eingestellt und bereiten nur noch die Übergabe als Museum vor. 

Witzenhausen. Das Ehepaar Kruse hat die letzte Kautabak-Produktion in Deutschland eingestellt.

In Spitzenzeiten hatte das 1849 gegründete Unternehmen um die 1700 Beschäftigte, zuletzt waren es noch zwei Mitarbeiterinnen - und seit wenigen Tagen hat die Kautabak-Manufaktur Grimm & Triepel ihre Produktion ganz eingestellt. Damit ist die letzte Fabrik in Deutschland, die Kautabak herstellte, Geschichte. Und die kleine Arbeitsstätte, die nach dem Auszug aus Unterrieden in der ehemaligen Bäckerei Schinkel an der Walburger Straße eingerichtet worden war, ist künftig nur noch Museum.

Nächste Woche kommt eine Abnahmetruppe vom Liegenschaftsamt Witzenhausen. Denn Dr. Bernd-Otto Kruse, der letzte Firmen-Eigentümer, schenkt die Fabrik der Stadt. Die Tourist-Information soll das Museum vermarkten und das Angebot der Besichtigungen aufrecht erhalten.

Seit 2007, also fast zehn Jahren, gibt es schon Führungen durch die Kautabakfabrik - 1000 Besucher pro Jahr hat Geschäftsführerin Heidrun Kruse gezählt, die selbst oft die Herstellung der Prieme für rauchfreien Tabakgenuss erläuterte.

Drei Gründe nennt das Ehepaar Kruse, warum Produktion und Vertrieb endgültig eingestellt werden. Das seien vor allem neue gesetzliche Auflagen, die man als kleiner Betrieb nicht mehr erfüllen könne. Zudem verweist Bernd-Otto Kruse, der sich kurz vor Erreichen des 70. Lebensjahres auch damit angefreundet hat, sich zur Ruhe zu setzen, auch auf einen stetigen Rückgang des Umsatzes. So schlossen beispielsweise vor wenigen Jahren die letzten saarländischen Bergwerke, deren Kumpel unter Tage gern priemten.

Der seit ewigen Zeiten mit Kautabak verbundene Name „Grimm & Triepel“ wird aber nicht verschwinden: Ein großer Online-Händler aus Kempten hat die Rechte gekauft und ebenso die Spezialrezepte für die Soße, mit der der Kautabak getränkt wird. „Wichtig ist, dass das fast 170 Jahre alte Rezept bleibt“, sagt Bernd-Otto Kruse fast erleichtert. Gerade bei der Tunke sorgten sich die Kruses um die Tradition, weil nach neuer EU-Verordnung bestimmte Inhaltsstoffe künftig nicht mehr verwendet werden dürfen. Wohl nicht zufällig soll Kautabak à la Grimm & Triepel vom neuen Rechte-Inhaber womöglich in England weiter hergestellt werden.

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