Neubau der Werrabrücke wohl nicht vor 2028

Ortsdurchfahrt Witzenhausen: Keine Sanierung der B451 in diesem Jahr

Hier staut sich oft der Verkehr auf der B451: Die Kreuzung Schützenstraße-Oberburgstraße in Witzenhausen.
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Hier staut sich oft der Verkehr auf der B451: Die Kreuzung Schützenstraße-Oberburgstraße in Witzenhausen.

Eigentlich hätte die Ortsdurchfahrt von Witzenhausen über die B 451 bereits 2019 saniert werden sollen, doch dann verschob Hessen Mobil das auf 2021. Ein Blick auf den aktuellen Stand.

Witzenhausen - Viele Menschen kritisieren die Verkehrssituation entlang der B451 in Witzenhausen. Doch daran wird sich so schnell nichts ändern, wie Rückfragen zur Verschiebung der Bauarbeiten bei der Stadt Witzenhausen und der Landesstraßenbaubehörde Hessen Mobil jetzt ergaben.

Wird es in diesem Jahr einen Baubeginn geben?

Nein, sagt Bürgermeister Daniel Herz. Nur wenn alles gut liefe, könnten 2023 die Bagger anrücken: „Da müssen wir aber alle Gas geben.“ Eine Verzögerung bis 2024 sei möglich. Die Stadt müsse noch baurechtliche Voraussetzungen schaffen, etwa für den Anschluss der Bundesstraße an städtische Straßen. Zudem müsse die Stadt laut Hessen Mobil noch Arbeiten an Ver- und Entsorgungsleitungen planen.

Wie werden Kosten und Aufgaben verteilt?

Die Stadt und Hessen Mobil als Auftragsverwaltung für die B 451 haben vereinbart, die Ortsdurchfahrt gemeinsam zu sanieren: Die Planung liegt in der Hoheit der Stadt und müsse in Absprache mit Hessen Mobil erfolgen, erklärt Hessen-Mobil-Sprecherin Jana Gutsche. Die Kosten werden geteilt: Hessen Mobil zahlt Straße und Kreisel, die Stadt Nebenanlagen wie Bürgersteige. Das Geld stünde bereit, so Herz. Hessen Mobil müsse es noch in die Finanzplanung aufnehmen.

Drei Kreisel soll es bald in der Witzenhäuser Innenstadt südlich der Werra geben: Der an der Südbahnhofstraße ist schon fertig, die beiden an der B451 werden wohl nicht vor 2024 gebaut.

Soll nach der Sanierung das Limit auf Tempo 30 aus Lärmschutzgründen aufgehoben werden?

Dazu sei eine verkehrsbehördliche Anordnung nötig, so Gutsche. „Dieser Vorgang erfolgt nicht während der Planungsphasen.“ Nach Ende der Arbeiten prüft die Verkehrsabteilung des Landkreises, ob ein Tempolimit zum Lärmschutz noch nötig ist.

Wie soll die Kreuzung Ermschwerder Str./Schützenstraße und der Anschluss der neuen Brücke an der Schlagd aussehen?

Hier müssten noch Varianten abgewogen werden, um die optimale Lösung zu finden, so Gutsche. Dabei würde der gesamte Bereich samt des Anschlusses an die neue Brücke einbezogen: „Ziel ist es, dass sich zwei dicht beieinanderliegende Knotenpunkte nicht, oder falls unvermeidbar, möglichst gering im Verkehrsfluss behindern.“ Herz bestätigt, dass die Kreuzung und die Überleitung zur Brücke den Planern Probleme bereiten. Nach seinen Informationen sei deshalb von einem Baubeginn der Brücke vor 2028 nicht zu rechnen. Laut Gutsche ist „eine verbindliche Aussage zu einem mögliche Baubeginn zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich“.

Würde die Kreuzung umgestaltet werden, bevor die Brücke gebaut ist?

„Der Knotenpunkt Schützenstraße/Ermschweder Straße ist fester Bestandteil des Projektes Ersatzneubau der Werrabrücke. Das Baurecht wird für alle Anlagenteile gleichzeitig erlangt“, sagt Gutsche. Er könne erst umgestaltet werden, wenn das Baurecht für die gesamte Planung der Werrabrücke vorliege. Selbst wenn also die B 451 zwischen Schützenstraße und Tankstelle mit dem Bau von Kreiseln umgestaltet wird, bleibt die Einmündung Ermschwerder Straße/Schlagd zunächst außen vor, bis der Brückenbau beginnt.

Wann soll das Planfeststellungsverfahren für die Brücke beginnen?

Nach einem entsprechenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur A 49 müsse nun für die Erstellung eines rechtssicheren Planungsfeststellungsbeschlusses unbedingt ein wasserrechtliches Gutachten vorliegen, erklärt Gutsche. „Dazu erfolgt über das ganze Jahr 2021 verteilt eine Probenahme- und Analysereihe.“ Die Auswertung dieser Ergebnisse könne erst 2022 mit der Endfassung des Fachbeitrages Wasser erfolgen. Weil dieses Gutachten wiederum Einflüsse auf andere Planungsdetails haben kann, sei im aktuellen Zeitplan eine Antragstellung zum Planstellungsverfahren für das Jahr 2023 vorgesehen.

Wird es erneut eine Bürgerinfo-Veranstaltung zu den Straßenbau- und Brücken-Plänen geben?

„Bei entsprechendem Projektstand wird es Bürgerinformationen geben“, verspricht Gutsche. In welcher Form das geschehen kann, hänge auch vom Pandemiegeschehen ab.

Gibt es Chancen auf eine Ortsumgehung?

„Wir sind uns wohl alle einig, dass ein sinnvoller Weg für eine Umgehung durch die Wendershäuser Aue führt“, sagt Herz. Allerdings sei eine schnelle Umsetzung nicht realistisch. Eine Ortsumgehung müsse Teil des Bundesverkehrswegeplans sein, der aktuelle gilt bis 2030. Herz sieht als einzige Möglichkeit, bis dahin das Land – etwa über die heimischen Landtagsabgeordneten – zu überzeugen, eine Ortsumgehung für Witzenhausen in die Liste der vordringlichen Projekte für Hessen aufzunehmen, die an den Bund weitergemeldet werden.

Das sagt die Bürgerinitiative „Sinnvolle Verkehrsplanung“

Die Bürgerinitiative (BI) „Sinnvolle Verkehrsplanung“ hat schon mehrfach die Planungen kritisiert, weil mit einer neuen Werrabrücke mehr Schwerverkehr durch die Stadt rollen wird. „Damit der massive Lkw-Verkehr in Zukunft rollen kann, sind an der Aral-Tankstelle und am Diebesturm großzügige Kreisverkehre in Planung. Der Fußgänger und Radverkehr ist außen vor“, sagt Vorsitzender Ludger Beesten. Die BI fragt in einer Mitteilung, ob dieses Projekt zu einer Bio- und Fair-Trade-Stadt passe: „Dieses Bauwerk ist alles andere als ökologisch, fair, familien- und fahrradfreundlich.“

Der Standpunkt der BI: „Besser keine B 451-Mega-Ersatzbrücke und so lassen wie es ist mit dem Schwerverkehr durch Wendershausen, Witzenhausen-Stadt und Ermschwerd“, ergänzt um folgende Alternativen:

- eine Radwege- und Fußgängerbrücke neben der alten Werrabrücke bauen und mit Fördermitteln vom Bund finanzieren;

- Bahnanschluss ins Gelstertal mit Fördermitteln reaktivieren und die Firmen im Gelstertal zur Nutzung verpflichten (Anm. der Redaktion: Das hatten die Firmen in einer HNA-Umfrage 2020 als unwirtschaftlich abgelehnt);

- ÖPNV ausbauen;

- Ausbau des Radverkehrs, damit mehr Pendler, Schüler und Studenten „aufs Rad steigen“.

Das sagt der BUND-Ortsverband Witzenhausen-Neu Eichenberg

Kritik an den Umbauplänen für die B 451 kommt auch vom BUND-Ortsverband Witzenhausen-Neu Eichenberg: Denn obwohl bundesweit in den nächsten drei Jahren 1,5 Milliarden Euro in den Radverkehr investiert werden sollen, sei davon in der Planung für Witzenhausen nichts zu finden, erklärt Nicole Zeuner vom Vorstand: „Es wird immer deutlicher: Die Planungen zur B 451 sind völlig aus der Zeit gefallen!”

Dem Schwerverkehr werde Vorrang vor der Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer gegeben, ein Radweg sei nicht geplant, ein Bürgersteig würde entfallen, Fußgänger müssten die Straßenseite wechseln oder durch den Stadtpark gehen.

„Die Witzenhäuser Planungen missachten nicht nur die aktuellen Empfehlungen des Bundesverkehrsministers, sondern ignorieren auch alle Aspekte des Klimaschutzes“, so Zeuner weiter. „Auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzkonzept hat hohe Relevanz für Witzenhausen: Wie organisieren wir Warenströme klimagerecht?“ In seiner Mitteilung erkennt der BUND ausdrücklich die Bedeutung des Industriestandorts im Gelstertal für die Stadt an.

Die Umweltschützer fordern „eine aktivere Rolle der Unternehmen, die die Lasten durch Abgase, Lkw-Verkehr, Lärm etc. bislang bei der Stadtbevölkerung lässt, ohne selbst aktiv zu sein.“ (Friederike Steensen)

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