Kfz-Meister hat 20 Jahre geschuftet – für nichts?

Gertenbacher Christoph Stachnik kämpft nach Unwetter um seine Existenz

Kfz-Meister Christoph Stachnik steht in seinem ruinierten Fuhrpark in Gertenbach.
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Nach dem Starkregen und der Sturzflut Mitte Juni sind die Fahrzeuge voller Schlamm: Kfz-Meister Christoph Stachnik steht in seinem ruinierten Fuhrpark in Gertenbach.

Noch gut erhaltene Autos sind verschlammt, die Elektronik dürfte zerstört sein. Was aus den Wagen des Gebrauchtwagenhändlers Christoph Stachnik (40) aus Gertenbach werden soll, ist ungewiss.

Stachnik und Ehefrau Anna stehen nach dem Unwetter vom 15. Juni buchstäblich vor den Trümmern ihrer Existenz. Blitz und Donnerhall rissen das Ehepaar und seine Kinder Julia und Jakob seinerzeit aus dem Schlaf. Der Kfz-Meister blickte nach draußen und sah die Hand vor Augen nicht. Wassermassen stürzten über sein Grundstück, „das war wie Nordsee, meterhoch“. Stachnik blieb nur, die Sicherungen rauszudrehen, Wasser und Schlamm waren in diesen Mengen nicht aufzuhalten.

2001 war das Ehepaar nach Deutschland übergesiedelt, es kommt aus der Gegend von Kołobrzeg (deutsch: Kolberg) in Polen. „Die Arbeit war schlecht, die Wirtschaft war schlecht in Polen“, erzählt der Mann, der sich selbst als Schrauber bezeichnet. Zunächst ließen sie sich in Hilgershausen nieder, vor acht Jahren machten sie den kleinen Betrieb in der Schulstraße in Gertenbach auf. Das Ehepaar hat 20 Jahre immer nur geschuftet. „Für nichts.“

Die meisten der etwa ein Dutzend Fahrzeuge dürften nur noch Schrottwert haben. In den Kellern des früheren Resthofes wurden Lebensmittel, zwei Kühltruhen und technische Geräte zerstört. Der 40-Jährige schätzt den Schaden auf 100 000 Euro. Und er hat keine Versicherung gegen Hochwasser. Weil das Anwesen im Hochwassergebiet der Werra liegt, wäre eine Versicherung unverhältnismäßig teuer gewesen.

Freunde starten Spendenaktion

Ein Trost sind viele gute Freunde aus dem Dorf und der Umgebung, die nach dem 15. Juni mit anpackten und die schlimmsten Schäden beseitigen – mit Schippe und Eimer. Und sie starteten eine Spendenaktion im Internet, die bis Donnerstag mehr als 5000 Euro brachte. Immerhin ein Anfang. Familie Stachnik will nicht aufgeben – und den Neuanfang wagen.

Aufräumarbeiten im Dorf laufen

Zehn Tage nach dem Unwetter sind in Gertenbach immer noch nicht alle Folgen beseitigt, so wird an der Albshäuser Straße gearbeitet. Hier rissen die Wassermassen einen Krater in die Fahrbahn. Es gibt weitere Sperrungen. Doch viele Schäden sind von außen nicht sichtbar, die Keller liefen auch in den Neubaugebieten voll.

Das Aufräumen geht weiter: Albshäuser Straße in Gertenbach.

Günter Kellner (67), bis vor Kurzem Ortsvorsteher, kann sich nicht an ein solches Unwetter im Dorf erinnern. Das Wasser kam von zwei Seiten, aus Richtung Hübenthal und Albshausen. Straßen wurden unterspült. 150 Liter pro Quadratmeter, hat der Landwirt ermittelt. Die Felder konnten nur einen Bruchteil aufnehmen. Die Schäden beziehen sich auf den öffentlichen und privaten Bereich. Mit dem Wasser kam der Schlamm, geschädigt sind Gärten und Betriebsgrundstücke. In Euro, so Kellner, sei der Gesamtschaden nicht zu beziffern.

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