Neue Wege für lichtspielhäuser

Kino-Betreiber nutzen Lockdown für neue Konzepte

Trotz umfassender Hygienepläne mussten die Kinos schließen: Wulf Nöding misst im Kino in Bad Sooden Allendorf die Abstände zwischen den Sitzen aus.
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Trotz umfassender Hygienepläne mussten die Kinos schließen: Wulf Nöding misst im Kino in Bad Sooden Allendorf die Abstände zwischen den Sitzen aus.

Die Kino-Betreiber im Werra-Meißner-Kreis sind trotz Corona-Pandemie zuversichtlich.

Werra-Meißner – Aufgeben ist für die Kinobetreiber im Werra-Meißner-Kreis keine Option. „Die Zeiten sind schwer, aber wir schaffen das“, ist sich Wolfgang Würker, Leiter des Capitol-Kinos in Witzenhausen sicher. „Wir arbeiten an dem, was nach dem Lockdown passiert“, sagt er. Denn eines sei klar: „Kino muss sich verändern.“ Streamingdienste haben in den vergangenen Monaten coronabedingt vielen Filmen eine Plattform für ihre Premiere geboten, bisher das Privileg der Kinos.

„Einige Studios haben bereits angekündigt, auch nach der Pandemie verstärkt Streamingdienste nutzen zu wollen“, weiß Würker. Denn auch für Filmemacher sei die Zeit nicht einfach. Kino werde aber weiterhin etwas ganz Besonderes sein, sagt Wulf Nöding vom Kurtheater Kino in Bad Sooden-Allendorf. „Man kann sich einen Film zuhause auf dem eigenen Bildschirm anschauen, aber das Kinoerlebnis gibt es nunmal nur im Kino“, ist sich Nöding sicher. Dem stimmt auch Horst Martin zu, er betreibt unter anderem das Cinemagic in Eschwege: „Große Filme brauchen die große Leinwand“, sagt er.

Die Kinobetreiber nutzen die Zeit, in der sie nicht fürs Publikum öffnen dürfen intensiv: „Wir bauen unser kleines Kino um, sodass wir auch dort künftig große amerikanische Produktionen zeigen können“, sagt Wulf Nöding. Bisher habe das die Technik nicht hergegeben.

Auch in Witzenhausen wird renoviert. Vor allem läuft hier aber ein kreativer Prozess: „Wir verstehen uns als Kulturort und planen in verschiedene Richtungen“, sagt Wolfgang Würker. Im Sommer wolle man weitere Spielorte erschließen. Das Kirchenkino in Hundelshausen, das im vergangenen August eröffnet wurde, sei gut angenommen worden. Das zeige deutlich: „Der Bedarf ist da“ – Kino nach wie vor ein besonderes Erlebnis. Wulf Nöding ist sich sicher, dass seine Zuschauer, größten Teils Kurgäste, nach der Pandemie zurückkommen. Bis Ostern werde es aber dauern, bis der Betrieb wieder läuft. Für ihn und seine Kollegen ist der neue James Bond Film, der voraussichtlich im März startet, der große Hoffnungsträger.  

Für den kommenden Sommer laufen die Planungen auf Hochtouren. Wolfgang Würker, Leiter des Capitol-Kinos in Witzenhausen hofft, dass die Besucherzahlen dann besser sein werden als in den vergangenen Sommermonaten, in denen das Kino eingeschränkt geöffnet haben durfte. „Viele Menschen hatten Angst, Veranstaltungen in geschlossenen Räumen zu besuchen“, weiß Wolfgang Würker.

Dabei habe man im Capitol-Kino allergrößten Wert darauf gelegt Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und die Hygienevorschriften einzuhalten. „Wir haben die Anzahl unserer Plätze deutlich reduziert, um den Abstand wahren zu können, es stehen Desinfektionsmittel bereit und wir haben immer regelmäßig gelüftet“, sagt Würker. Er wüsste außerdem deutschlandweit von keinem Fall einer Ansteckungsreihe, die in einem Kino ihren Anfang genommen hätte. Trotzdem seien die Menschen sehr vorsichtig gewesen.

Wirklich sehr gut angenommen wurde die Aktion „Kino in der Kirche“ in Hundelshausen. Dort habe man bereits beim Aufbau der Kinosessel auf den richtigen Abstand geachtet und auch die Höhe der Kirche sei ein positiver Aspekt. Alle Angebote bis zum Lockdown wurden sehr gut angenommen, nicht nur von Hundelshäusern. Viele Filme waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Darum soll das Kirchenkino nach dem Lockdown auch auf jeden Fall fortgesetzt werden, verspricht der Hundelshäuser Pfarrer Christian Schäfer.

Er ist sich ebenfalls sicher, dass Kino trotz Streamingdiensten immer eine Zukunft haben wird. In der Kino-Kirche in Hundelshausen sei deutlich geworden, dass Kino „mehr ist, als nur einen Film zu sehen“, sagt er. Es gehe immer auch um den sozialen und kommunikativen Aspekt, das Miteinander. Darum will Wolfgang Würker in diesem Jahr neue Wege gehen, das Altbewährte aber nicht vernachlässigen. Mit Scheunenkino, Mohnkino und Filmvorführungen auf der Freilichtbühne in Witzenhausen hat das Capitol-Kino in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich neue Formate eingeführt.

Vor Streamingdiensten als Konkurrenz hat Würker keine Angst. Zwar hätten bereits einige Studios angekündigt weiterhin verstärkt Streaming-Dienste für ihre Veröffentlichungen nutzen zu wollen, Disney etwa habe seit dem vergangenen Jahr sogar einen eigenen Streaming-Dienst, trotzdem werden Blockbuster weiter im Kino Premiere feiern, ist sich Würker sicher. Als Beispiel nennt er den neuen James-Bond-Film, dessen Start coronabedingt bereits zwei Mal verschoben wurde.

Das „Suicide Squad“-Sequel „Harley Quinn – Birds of Prey“, der deutsche Film „Die Känguru-Chroniken“ und auch die Neuverfilmung von Disneys „Mulan“, sowie der Animationsfilm „Scooby!“ konnten zum Starttermin direkt auf den heimischen Fernseher gestreamt werden. „Streamingdienste können aber die Produktionskosten von Blockbustern nicht einspielen“, weiß Cinemagic-Betreiber Horst Martin.

Nicht nur für Produktionsfirmen ist Corona eine finanzielle Belastung. Auch die Kinos haben zu kämpfen. Zwar seien die Novemberhilfen noch nicht ausgezahlt, aber Kurzarbeitergeld und eine erste Unterstützung Mitte des vergangenen Jahres hätten bei der Überbrückung sehr geholfen, so Würker. (Von Wiebke Huck)

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