Für Kirchenaustritte ist nun die Gemeinde zuständig

Jetzt einfacher: Der Weg aus der Mitgliedschaft in einer Kirche führt nun über die Kommunalverwaltung. Foto: dpa

Werra-Meißner. Ab sofort ist für Gemeindeglieder der Austritt aus der Kirche einfacher.

Wer aus der Kirche austreten möchte, muss künftig nicht mehr den Gang zum Amtsgericht - das für den Werra-Meißner-Kreis in Eschwege sitzt - antreten, sondern kann den Austritt bei seiner Gemeindeverwaltung vor Ort erklären. Das hat der hessische Landtag Ende Januar beschlossen. Die Änderung tritt am 1. März in Kraft.

Dass durch den kürzeren - und damit einfacheren - Weg die Zahl der Austritte steigt, sei zwar möglich, sagt Dekanin Ulrike Laakmann, wichtiger sei jedoch die Frage, wie die Verbindung zur eigenen Kirchengemeinde, Mitgliedschaft und ein christliches Gemeindebewusstsein gestärkt werden könnte.

Von den Austritten erfährt sie erst im Nachhinein durch das Landeskirchenamt. „Da ich für die Kircheneintrittsstelle im hiesigen Margarethenladen zumeist die Gespräche beim Eintritt führe und mich an guten Anregungen, konstruktiver Kritik freue, oft aber auch den Eindruck habe, dass zuvor beim früheren Kirchenaustritt ein kritisches oder klärendes Gespräch sinnvoll gewesen wäre, bedauere ich, dass ich die amtlichen Nachrichten nur nach Vollzug zur Kenntnis nehme“, so Laakmann. Gesprächsangebote im Nachgang würden sehr selten angenommen - anders wäre es, wenn der Kirchenaustritt auch direkt bei der Kirchengemeinde oder einer Kircheneintritts- und -austrittsstelle zu besprechen wäre.

Dazu meint der katholische Pfarrer Hans Jürgen Wenner aus Witzenhausen: „Der Eintritt in die Kirche ist wesentlich schwieriger, man muss erst einmal mit dem Pfarrer reden.“ Bei dem Austritt hingegen sei kein Gespräch oder der Gang in die Kirche notwendig. „Trotzdem glaube ich nicht, dass durch die neue Regelung mehr Menschen aus der Kirche austreten, die Hemmschwelle bleibt nach wie vor die gleiche.“

Laut Begründung wurde das Gesetz geändert, da es immer wieder zu Verzögerungen bei der Aktualisierung der sogenannten Lohnsteuerabzugsmerkmale kam, weil das Amtsgericht den Austritt erst an die jeweilige Gemeinde und dann an den Arbeitgeber weitergeben musste.

Für die Kommunen bedeutet die Gesetzesänderung Mehrarbeit. Bei der Stadtverwaltung Großalmerode rechne man mit rund fünf Fällen im Monat, so Hauptamtsleiter Günter Raabe. Pro Fall werde eine Verwaltungsgebühr von 30 Euro fällig. Diese Mehrarbeit müsse vom bestehenden Personal aufgefangen werden. Die Aufgaben seien bereits intern zugewiesen. Nachfragen zum Kirchenaustritt habe es bisher nicht gegeben. Auch in Bad Sooden-Allendorf nicht, berichtet Stadtchef Frank Hix. „Es kann vielleicht auch daran liegen, dass die Änderung in der Bevölkerung noch nicht bekannt ist.“ Prognosen, wie viele Badestädter die Möglichkeit nutzen und welche Mehrarbeit auf die Verwaltung - in Bad Sooden-Allendorf übernimmt das Service-Büro die Aufgabe - zukommt, konnte Hix nicht abgeben. (cow/nde)

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