Saison geht zu Ende

Kirschenernte im Akkord in Witzenhausen

Tiefrote Früchte: Lothar Koch und HNA-Volontärin Margarete Leissa (auf einem Pflückschlitten) halfen bei der Kirschenernte in Witzenhausen, die Mitte  August endet. Foto: nh

Witzenhausen. So langsam geht die Kirschensaison 2015 in Witzenhausen zu Ende. Zahllose Helfer haben die begehrten Früchte in den vergangenen Wochen gepflückt - wir haben sie bei der Arbeit besucht.

Lothar Müller greift beherzt in die Äste über seinem Kopf. Einen Augenblick später holt er zwischen den raschelnden Blättern des Kirschbaumes ein Paar tiefroter Früchte heraus und lässt sie neben sich in den Weidenkorb fallen. Der 52-Jährige aus Unterrieden hilft auf der Kirschenplantage am Warteberg des Anbauers Kindervatter aus. Es ist seine erste Kirschenernte, sagt Müller und grinst breit. Aber ein Sammler, das sei er schon immer gewesen. Früher arbeitete er auf Bio-Höfen und half bei der Kartoffelernte in Kärnten.

Auf der weitflächigen Plantage in Witzenhausen wachsen etwa zwei Meter hohe Kirschbäume der späten Sorte Regina. Stolz zeigt Müller die prallen Steinfrüchte. „Die mit einem Durchmesser von 24 bis 26 Millimeter sind die besten“, sagt er. Denn diese verkauften sich besonders gut, daher achtet er beim Pflücken darauf, nur nach unbeschädigten Kirschen zu greifen. Wachstumsfehler und von Insekten oder Vögel angeknabberte Stellen seien ein Ausschlusskriterium. „Das Auge isst mit“, erklärt Müller und lässt deshalb auch die Stiele an den Früchten.

Währenddessen füllt sich der Weidenkorb. Man komme schnell in einen zügigen Arbeitsrhythmus, sagt Müller. Sechs Kilo Kirschen pro Korb - und diesen fülle er in unter einer Stunde. Sein Arbeitstag ist acht Stunden lang, morgens um sieben geht es los. „Wenn ich erst einmal anfange, dann höre ich nicht so schnell auf“, sagt Müller. Am Abend wiegt jeder seine Ernte und füllt einen Laufzettel aus.

Seit Anfang Juni arbeitet er als Saisonhelfer in Witzenhausen, unweit von ihm befinden sich zwei Senioren. Und oben, sagt er und zeigt vage zu einem höher gelegenen Teil der Plantage, arbeiten Helfer aus Polen. Aber weil diese nur Englisch sprechen, während er es nicht so gut könne, bleibe man meistens unter sich. In einer anderen Kolonne pflücken vier junge Erwachsene Kirschen. Es ist bereits ihre dritte Saison in Deutschland, sagt die 23-jährige Natalia aus dem Norden Polens. Sie und ihre Freundin Kamilla sowie deren Brüder finanzieren sich damit ihr Studium. Kamilla zum Beispiel studiert Rechnungswesen, „das perfekte Fach zum Kirschenpflücken“, ruft sie lachend.

Den Arbeitsplatz in Witzenhausen hätten sie sich ausgesucht, weil sie in Polen sehr viel weniger Geld für die gleiche Arbeit bekämen, meint Natalia. Ihnen gefalle die Stadt, auch wenn sie nicht viel Zeit zum Besichtigen finden. Mit einer Hand wischt sie sich über die Stirn und rückt ihr Basecap zurecht. „So wie das Wetter heute ist, mit Sonne und Wolken im Wechsel, arbeitet es sich am besten“, sagt sie. Bei Regen werde gar nicht gearbeitet: „Die Früchte werden nass und schmutzig. Und in nasser Kleidung arbeitet es sich auch nicht so gut“, pflichtet ihr Kamilla bei.

Zwei Monate lang dauert die Saison. In der Zeit werden die rund 2800 Bäume im Anbaugebiet von Kirschenbauer Kindervatter geerntet. Insgesamt werden im gesamten Anbaugebiet, von Witzenhausen bis Eschwege, um die 800 Tonnen Kirschen gepflückt.

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