Vor dem Klang in die Glut: Gertenbacher waren beim Gießen ihrer neuen Glocken

Abschied: Die alten Glocken in Gertenbach wurden am Dienstag aus dem Kirchturm gehoben. Foto: privat

Gertenbach. „Sieh’ auf das Werk unserer Hände und segne dieses flüssige Metall, das für den Guss der Glocken bestimmt ist.“ Jeder Glockenguss bei der Firma Rincker in Sinn (Lahn-Dill-Kreis) wird mit einem Gebet begonnen.

Am vergangenen Freitag sprach es Pfarrer Andreas Heimann, der mit Kollegin Heike Fehling und rund 30 Gemeindegliedern gekommen war, um den Guss der drei neuen Glocken für die Gertenbacher Johanneskirche zu erleben.

Der begann nach dem „Amen“. Da ergoss sich die flüssige Bronze - sie besteht zu 78 Prozent aus Kupfer und 22 Prozent aus Zinn - in den Gusskanal, dessen Rinnen zu den drei Glockenformen führen.

Sie fragen sich, was es mit diesem Ei auf sich hat? Hier gibt es die Erklärung.

Von denen sieht man allerdings nichts, denn „festgemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt“, wie es in Schillers Lied von der Glocke heißt. Rotglühend bahnt sich die etwa 1100 Grad heiße Glockenbronze ihren Weg durch den aus Lehm aufgemauerten Gusskanal zum Gussloch der ersten Glocke. „Ruhe!“, fordert Chef Hanns Martin Rincker. Denn nun kommt es auf ganz genaues Zuhören an. Ein leichtes Gurgeln und Brodeln ertönt. Die in die Form strömende glühende Glockenspeise verdrängt die Luft nach oben. Durch die Windpfeifen entweichen die Gase und werden mit grünlicher Flamme abgefackelt. „Das ist vor allem Wasserstoff“, erklärt Hanns Martin Rincker später.

Der Gusstiegel wird weiter angehoben, die Barriere des Kanals zur zweiten Glocke wird freigemacht. Dann das Gießen der letzten.

Rincker ist zufrieden. „Der Guss ist gelungen“, sagt er, schränkt aber ein: „Erst wenn die Glocken den Klaps auf den Po bekommen weiß man es wirklich.“ Denn nun heißt es zunächst Geduld zu haben. Die Bronze muss abkühlen. Und erst wenn die Form aus der Grube ausgegraben, die fertige Glocke von der Form befreit und angeschlagen wurde, weiß man ob wirklich alles gepasst hat. Bedenken hat Rincker nicht: „Wir geben zehn Jahre Garantie“, sagt er und verweist, dass die Glocken, die seine Familie gegossen hat, teilweise seit 300 Jahren ihren Dienst tun.

Wann die drei neuen Glocken ihren Platz in der Gertenbacher Kirche finden, ist noch nicht ganz klar. Wenn möglich soll es im Mai sein, berichtet Heimann. Wer sie schon einmal hören will, auf der Webseite www. glocken-gertenbach.de erklingen sie schon. (zgg)

Neue Glocken für die Kirche in Gertenbach

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