Kommunalwahl-Interview: „Wir möchten mitbestimmen"

Jung-Wähler Nils Winkler (links) und Alt-Wähler Deflef Fölsch (rechts): Nehmen an der Kommunalwahl teil. Foto: Thöne / Metzler

Nils Winkler (18) wählt bei der Kommunalwahl am 6. März erstmals. Detlef Fölsch (78), dem die lokale Landwirtschaft wichtig ist, ist schon lange dabei.

Nils, was ist das für ein Gefühl, zum ersten Mal wählen zu dürfen? 

Nils Winkler: Aufgeregt bin ich nicht, aber ich freue mich auf jeden Fall darauf. Ich möchte gern mitbestimmen. Mit meinen Eltern bin ich früher schon mal mitgegangen. Da haben sie mir gezeigt, wie so eine Wahl abläuft.

Wie haben Sie sich vor der Wahl informiert? 

Detlef Fölsch: Ich spreche mit den Parteien auf dem Marktplatz. Ich lese ihre Prospekte und informiere mich weiterhin in der Zeitung.

Winkler: Da ich seit vergangenem Sommer im Jugendrat bin und wir auch öfter bei den Stadtverordnetenversammlungen dabei sind, lernt man die Positionen der Parteien kennen. Ich habe mir aber auch die Internetauftritte der Parteien angeschaut und mir ihre Flyer besorgt.

Und was spielt bei Ihrer Wahlentscheidung die größere Rolle: Personen oder Parteiprogramme? 

Winkler: Ich gehe vorrangig nach den Parteiprogrammen und gucke, was mich anspricht. Natürlich spielen auch die Personen eine Rolle. Schließlich kann man Leute wählen, die man kennt und wegen ihrer Kompetenzen gern im Stadtparlament hätte. Und bei den Kommunalwahlen hat man ja die Möglichkeit, diesen Kandidaten mehr Stimmen zu geben.

Fölsch: Für mich ist das Wahlprogramm mit der Person entscheidend. Dabei muss die Persönlichkeit zu 100 Prozent mit dem Gedruckten übereinstimmen. Ist das nicht der Fall, kommt für mich eine Wahl nicht in Frage. Ich spreche mit den Kandidaten und mache mir so einen Eindruck.

Warum sollte man sich für Kommunalpolitik interessieren? 

Fölsch: Die Kommunalpolitik ist die Basis, um bei der Bundespolitik mitwirken zu können. Gerade bei Themen wie dem transatlantischen Freihandelsabkommen oder dem Umweltschutz ist das besonders wichtig.

Winkler: Es geht um Themen aus der Region und der Stadt, in der man lebt, was für jeden Bürger ein Interesse darstellen sollte. Man hat die Chance, mitzubestimmen. Es ist wichtig, dass man weiß, wie die Strukturen auf kommunaler Ebene aussehen. Also, welche Parteien vertreten sind und welche Themen sie ansprechen. Mich interessiert es auch deshalb, weil mein Vater politisch aktiv ist. Da bekommt man einen Eindruck, über was für wichtige Themen im Bereich der Kommunalpolitik debattiert wird.

Wie könnte man das Interesse der Jugend an Kommunalpolitik wecken und wie die Bevölkerung zum Wählen motivieren? 

Winkler: Das ist auch Sache der Erziehung. Wenn Eltern sich zum Beispiel über politische Themen unterhalten und die Kinder bekommen das mit, wird auch Interesse geweckt. Meiner Meinung nach könnten aber auch die Parteien mehr auf Jugendliche eingehen. Da wird nur wenig geboten. So entsteht für Jugendliche oftmals der Eindruck, dass Politik nur etwas für Erwachsene ist.

Fölsch: Der Jugend kann ich nur empfehlen, sich als Gast bei einer Versammlung des Jugendrates einzufinden. Der Rat ist keine Partei-Gesellschaft. Hier werden alle Themen offen angesprochen und diskutiert. Der Seniorenrat eignet sich für Ältere. Außerdem würde ich mir verstärkt wünschen, dass Parteien auf die Bürger zugehen, und zwar nicht nur auf dem Marktplatz, sondern auch in den Vororten. Lokale Einrichtungen eignen sich hierfür gut.

Welche Themen in der Region sind für Sie wichtig? 

Fölsch: Die regionale, ökologische Landwirtschaft. Unsere Lebensmittel müssen gefördert werden. Es gibt erste Projekte. Beispielsweise ist es auf einem Betriebshof bei Witzenhausen möglich, eine Fläche zu mieten und sein eigenes Obst und Gemüse anzupflanzen. Auch die Zusammenführung der Themen Umwelt, Gesundheit und Verkehrsführung sind mir wichtig. Die Verkehrsplanung spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

Winkler: Im Jugendrat beschäftigen wir uns gerade mit der Ausstattung der Jugendräume in Werleshausen und Wendershausen. Es ist wichtig, dass Jugendliche einen Ort haben, wo sie sich treffen können und diese erhalten bleiben. Was ich ganz aktuell wichtig finde, ist das Konzept zum klimafreundlichen Verkehr hier in Witzenhausen.

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