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Kriegerdenkmal soll umgestaltet werden - Magistrat entscheidet Montag

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Von: Konstantin Mennecke

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Steht im Stadtpark: Das Kriegerdenkmal, das am 3. August 1924 eingeweiht wurde.
Steht im Stadtpark: Das Kriegerdenkmal, das am 3. August 1924 eingeweiht wurde. © Konstantin Mennecke

Wird das Kriegerdenkmal im Witzenhäuser Stadtpark umgestaltet und künftig sowohl an gefallene Soldaten als auch an die überregional beachtete jüdische Gemeinde erinnern?

Witzenhausen – Darüber entscheiden die Magistratsmitglieder am Montag. Grundlage für diesen Tagesordnungspunkt ist die einstimmige Entscheidung der Stadtverordneten. Sie haben Anfang April den Magistrat beauftragt, das Kriegerdenkmal neu zu gestalten. Vorausgegangen war ein Antrag von Dr. Gualtar Barbas Baptista (Die Partei), das bisherige Denkmal „umzudenken und zu reflektieren“.

Für Geert Platner als früheren Witzenhäuser ist die Umgestaltung die ideale Möglichkeit, sowohl das ursprüngliche Konzept des Gedenkens an Kriegsgefallene umzusetzen als auch an die jüdische Gemeinde zu erinnern. Seit den 80er-Jahren arbeitet er mit Bürgern der Stadt in Projekten zusammen und betont, dass das aktuelle Kriegerdenkmal, bestehend aus der steinernen Stele und Steinplatten an der Mauer, viele Namen der Gefallenen gar nicht beinhalte. „Zur Zeit der Nationalsozialisten hat man Namen, die nicht ins Bild für Kriegshelden passten, schlicht ausradiert“, erklärt Platner. In seinem Konzept sollen die Namen der Toten aus dem Deutsch-Französischen Krieg sowie dem Ersten und Zweiten Weltkrieg auf drei Tafeln an der Mauer angebracht werden. Damit wären heute nicht mehr lesbare Namen wieder sichtbar.

Informationstafeln zur jüdischen Gemeinschaft geplant

Am zweiteiligen Steinkoloss sollen flache Tafeln befestigt werden, die Informationen über die jüdische Gemeinde beinhalten. „Als 1850 der neue Witzenhäuser Bürgermeister eingeführt wurde, hielt Rabbiner Dr. Frenkel die Festrede. Ein einmaliger Vorgang“, betont Platner. Diese enge Zusammenarbeit genoss hohe Achtung in ganz Hessen. Bis ins 18. Jahrhundert war Witzenhausen Sitz einer Rabbiner-Schule, dann sogar einer Landesuniversität, die von allen jüdischen Gemeinden des Landes finanziert wurde.

Eine der bekanntesten Persönlichkeiten ist der Sohn des Rabbiners. Paul Julius von Reuter ist als Gründer der heute international tätigen Nachrichtenagentur Reuters weltbekannt. „Den wenigsten aber, dass er in Witzenhausen Wurzeln hat“, betont Platner. Das Bewusstsein für die Geschichte könne man nun positiv verändern. Finanziert werden soll die Umgestaltung durch eine Spendensammlung von Geert Platner sowie durch Zuwendungen der Stiftung von HNA-Verleger Dr. Dirk Ippen aus München.

Mittelpunkt für Nazi-Feiern

Das Kriegerdenkmal im Stadtpark haben nach Recherchen von Stadtarchivar Matthias Roeper Ernst-Albert Fabarius und Wilhelm Eckardt maßgeblich vorangetrieben. Sie waren in der Endphase des Krieges als Kriegshetzer sowie als führende Kräfte in der äußerst rechten Witzenhäuser Ortsgruppe der „Vaterlandspartei“ tätig, die als ideologischer Vorläufer der NSDAP gilt. Das Denkmal selbst diente später als Mittelpunkt für Nazi-Feiern. Fotos gibt es dazu im Stadtarchiv.

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