Krise künstlerisch verarbeitet

Schüler aus Witzenhausen befassten sich bei Projektwoche mit Corona

Ein Mädchen bastelt an einem Ballkleid aus Einmal-Masken für Mund und Nase.
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Prachtvoll und erschreckend zugleich: Ein aus Gesichtsmasken gebasteltes Ballkleid war Maja Spiegels Beitrag zur Projektwoche „Kunst und Corona – oder kann das weg?“

Wie erleben eigentlich Kinder und Jugendliche im Werra-Meißner-Kreis die Corona-Zeit? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Aktionswoche zum Tag der Kinderrechte, an der sich auch die Witzenhäuser Johannisberg-Schule mit einem Kunstprojekt beteiligte.

Witzenhausen - „Unser Ziel mit diesem Projekt war es, den Einfluss von Corona auf Jugendliche und auf ihren Alltag widerzuspiegeln“, sagt Initiator Steffen Hofmann, der als Sozialarbeiter an der kooperativen Gesamtschule tätig ist. Nachdem er von der Aktionswoche erfahren hatte, sei er mit seiner Idee bei Hauptschulzweig-Leiterin und Kunstlehrerin Gabriele Jansing sofort auf offene Ohren gestoßen. „Wir haben dann in verschiedenen Jahrgängen nachgefragt, wer sich daran beteiligen will“, erzählt Hofmann. Am Ende blieben dann jedoch nur zwei zehnte Klassen übrig.

Unter dem Motto „Kunst und Corona – oder kann das weg?“ hatten die Schüler dann eine Woche lang die Möglichkeit, in freier künstlerischer Form ihre Sicht auf das Leben unter Coronabedingungen widerzuspiegeln. Überwiegend in Malereien und Zeichnungen, aber auch in Form kleiner Skulpturen oder in Texten ging es um die Maskenpflicht, das Eingesperrtsein durch den Lockdown, um verwaiste Innenstädte, um ausgefallene Veranstaltungen oder gestrichene Urlaube. „Auch wenn einige Beiträge künstlerisch vielleicht nicht das ganz hohe Niveau haben, so hat die Aktion doch gezeigt, dass dieses Thema die Jugendlichen extrem betrifft und auch beschäftigt“, sagt Hofmann. „Es war ein gutes Projekt, in dem man diese schwierige Phase aufgreifen und seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte“, sagt Teilnehmerin Maja Spiegel. Weil der Schul-Abschlussball im kommenden Jahr durch Corona stark gefährdet ist, hatte die 15-Jährige aus Gesichtsmasken ein Ballkleid gebastelt mit einer Desinfektionsflasche als angedachtem Körper darauf. „Gleichzeitig war das Projekt aber auch etwas belastend“, sagt Spiegel. Schließlich habe man sich in der Zeit noch mehr mit einem Thema beschäftigen müssen, das einen sowieso schon von morgens bis abends verfolgt. „Und ich habe Corona langsam wirklich satt.“

Majas Klassenkameraden Tim Deisenroth und Maxi Jatho hatten eine Zeitungsseite mit mehreren Artikeln zum Thema Corona erstellt. „Mit diesem Projekt hat man sich noch direkter mit Corona befasst und sich noch mehr Gedanken darüber gemacht“, sagt Deisenroth. „Indem wir verschiedene Corona-Aspekte auf mehrere Artikel verteilt haben, hatten wir die Möglichkeit, das Thema noch besser zu verarbeiten.“

In der Schule und im Unterricht merke man ganz deutlich, dass Corona etwas mit den Kindern und Jugendlichen mache, sagt Kunstlehrerin Gabriele Jansing. Viele Schüler seien beim Lernen aus dem Tritt geraten oder hätten sich sogar vom Wesen her verändert. „Mit diesem Projekt habe ich die Hoffnung verbunden, dass sie sich das etwas von der Seele malen oder schreiben konnten“, so Jansing. Und beim Betrachten der Resultate denke sie, dass dies auch bei vielen der Fall sei. (Per Schröter)

Info: Sämtliche Objekte können in Kürze hier angeschaut werden: zu.hna.de/3lUhYCU

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