"Suboptimal Food"

Darum wird krummes Gemüse im Supermarkt aussortiert

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Krumm gewachsen: Dr. Benedikt Jahnke möchte herausfinden, warum Konsumenten vom Kauf von „Suboptimal Food“ zurückschrecken.

Krummes Gemüse wird gleich aussortiert: Benedikt Jahnke untersucht den Kauf von „Suboptimal Food“ im Öko-Lebensmittelhandel

Wer sich in Supermärkten umsieht, der wird eines kaum finden: Gemüse, das optisch nicht der Norm entspricht oder Lebensmittel, die schon in Kürze das Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen. Selbst im Öko-Lebensmittelhandel bleiben solche Waren in der Regel außen vor. 

Krummes Gemüse wird gleich aussortiert

Welche Bedenken der Konsumenten dazu führen und wie diese Hemmnisse abgebaut werden können, wollen Wissenschaftler der Universität Kassel jetzt in einem vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung geförderten Projekt herausfinden.

„Der Handel fungiert als Türsteher zwischen Produzenten und Konsumenten“, sagt Projektleiter Dr. Benedikt Jahnke vom Fachgebiet Agrar- und Lebensmittelmarketing des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen. 

Obwohl Möhren oder Gurken auch mal krumm wachsen und Tomaten oder Paprikaschoten auch mal etwas pickelig sind, werden sie vom Handel nicht angenommen und deshalb von den Produzenten gleich nach der Ernte aussortiert. 

„Konsumenten sind den Anblick von krummem Gemüse dadurch nicht gewohnt“, so Jahnke. Durch den teils beträchtlichen Ausschuss ist der Landwirt aber gezwungen, deutlich mehr zu produzieren, als er tatsächlich verkaufen kann.

„Die gesellschaftlichen und politischen Debatten zur Lebensmittelverschwendung gewinnen zunehmend an Bedeutung“, sagt Benedikt Jahnke. Bei den Bemühungen um eine Reduktion dieser Verschwendung ergebe sich aber ein Problem: Konsumenten hätten zwar ein hohes Problembewusstsein, aber eine geringe tatsächliche Handlungsbereitschaft. 

Untersuchung von „Suboptimal Food“ im Öko-Lebensmittelhandel

„Diese Lücke in Bezug auf den Kauf von Suboptimal Food im Öko-Lebensmittelhandel näher zu untersuchen, ist Anliegen unseres Forschungsprojekts.“ Suboptimal Food stehe dabei als Sammelbegriff für uneingeschränkt verzehrbare Produkte, die aber aufgrund der äußeren Erscheinung oder wegen baldigem Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums von den „optimalen“ Produkten abweichen. 

„Es gibt in diesem Bereich bereits einiges an Forschung, aber um Ökoprodukte und Ökokonsumenten wurde bislang ein Bogen gemacht, sodass es dort kaum Erkenntnisse gibt“, sagt Jahnke.

Ziel des Vorhabens sei es daher zu ermitteln, welche Hemmnisse Öko-Konsumenten vom Kauf von Suboptimal Food abhalten und wie dessen Absatz durch produkt- und kommunikationspolitische Maßnahmen gesteigert werden kann. 

„Zur Beantwortung dieser Fragestellungen werden wir zuerst Experten aus der Politik sowie aus Handel und Großhandel befragen und Verbraucher zu Gruppendiskussionen einladen“, sagt Jahnke.

In speziellen Vor-Ort-Tests im Naturkosthandel sollen dann Konsumentenverhalten und -einstellung getestet werden.

„Die Ergebnisse dieser Tests und der Befragungen werden abschließend in einem Workshop mit Praktikern aus dem Naturkosthandel diskutiert“, so Jahnke. 

Am Ende des auf zwei Jahre angelegten und mit 120.000 Euro geförderten Projektes werde dann ein Maßnahmenpaket für den Ökohandel stehen. 

„Und ich bin mir sicher, dass das dann später auch für den konventionellen Handel interessant sein wird“, sagt Benedikt Jahnke.

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